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Sport im AlterLaufen für ein langes Leben

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Heidi (70) und Rolf Specht (77) aus Kirchheim halten sich mit täglichen Jogging- und Schwimmeinheiten fit. Sie wollen auch andere für mehr Bewegung begeistern.

Euskirchen-Kirchheim – In einem Alter, in dem manche andere nicht mehr ohne Rollator auskommen, zieht es Rolf Specht drei- bis viermal pro Woche zum Joggen in den Wald.

Der Kirchheimer ist 77 Jahre alt, seine bevorzugten Laufstrecken sind zwischen acht und zehn Kilometer lang.

Begeisterte Schwimmer

Oft hat er Ehefrau Heidi an seiner Seite. Beide sind auch begeisterte Schwimmer.

Heidi Specht erzählt, wie die Bademeister im Rheinbacher Hallenbad staunten, als sie im vergangenen September kundtat, an einem einzigen Nachmittag drei Strecken für den Erwerb des Goldenen Sportabzeichens absolvieren zu wollen.

Ihre Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen: Die 70-Jährige erzielte Zeiten, die in den Prüfungslisten für junge Erwachsene vorgesehen sind.

Die 300 Meter etwa schwamm sie in 7:28 Minuten – bei einer Sollzeit von 13:30.

„Vorbeugen ist besser als heilen. Es ist nie zu spät, um fit zu werden“, sagt die Frau, die mit ihrem Mann das beste Beispiel dafür ist, dass man nicht zwangsläufig zum alten Eisen gehört, nur weil man die siebzig überschritten hat.

„Bewegung kann entscheidend dazu beitragen, gesund zu altern“, ergänzt Rolf Specht, der möglichst viele Menschen von seinen Prinzipien überzeugen will.

Nach seinen ersten Erfolgen als Skilangläufer entpuppte sich Rolf Specht auch schnell als Lauftalent. Bei den DDR-Hochschulmeisterschaften belegte er Mitte der 50er-Jahre als junger Student über 400 Meter den zweiten Platz, 1959 wurde er bei den Deutschen Hallenmeisterschaften Fünfter über 800 Meter, seine Paradestrecke. Zwei Jahre zuvor war er nach West-Berlin geflüchtet, wo er sich dem Olympischen Sport-Club (OSC) anschloss. Nach seinem Wechsel zum ASV Köln (1960) nahm er, ebenfalls über 800 Meter, an den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften in Bad Reichenhall teil. Infolge eines Skiunfalls beendete er 1961 seine Leichtathletik-Karriere.

Von Haus aus ist Specht Diplom-Ingenieur für Bauwesen. In den 1960er-Jahren betreute er im Auftrag einer Brühler Firma den Bau zahlreicher Kläranlagen, unter anderem in Euskirchen und Bad Münstereifel. 1987 wechselte er die Branche. Er ließ sich zum Sicherheitsingenieur ausbilden und baute für eine Zeitarbeitsfirma mit 11 000 Mitarbeitern ein zertifiziertes Qualitätsmanagement auf. In der Sparte Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik arbeitete er später noch als Berater. Seit 2006 ist er Rentner.

Seine Frau Heidi war ebenfalls freiberuflich tätig, und zwar als Gesundheitsberaterin. Sie leitete unter anderem VHS-Kurse, Exkursionen sowie Fasten- und Kräuterseminare. Auch in Kindergärten vermittelte sie die Prinzipien einer gesunden Ernährung. „Wir essen zu süß, zu fett, zu viel, zu schnell“, sagt sei. Deshalb müsse man schon Kindern klarmachen, wie bedeutsam richtige Bewegung und gesunde Kost seien, so die 70-Jährige, die allein achtmal das Bayerische Sportabzeichen in Gold, eine besonders anspruchsvolle Variante, erworben hat. (ejb)

Manche Dinge kann er einfach nicht nachvollziehen. Zum Beispiel, „dass viele Leute im Fernsehen keine Kochsendung verpassen, sich aber überwiegend von Fertigprodukten ernähren“.

Stereotype Erklärungsversuche lässt er nicht gelten: Sprüche wie „Ich müsste mehr für meine Gesundheit tun, habe aber keine Zeit“ seien doch nur Ausreden, sagt der Kirchheimer.

Sie setzt auf Vollkornbrot, Obst und Gemüse und meidet Zucker, Fett und Weißbrot, wann immer es geht. „Mir ist klar, dass den meisten mit zunehmendem Alter das gesundheitsbewusste Verhalten schwerfällt – mir manchmal auch. Doch egal, wie alt man ist: Das Gehirn kann immer lernen und der Körper auch.“

Rolf Specht findet es erschreckend, „dass es heute viele Kinder gibt, die nicht schwimmen können“. Immerhin bestehe ja die Hoffnung, dass sich die Quote in Euskirchen verbessere, sobald die Schulen das neue Sportbad nutzen könnten.

Er selbst ist mit Sport groß geworden. Der gebürtige Hamburger, der im Harz aufwuchs, wurde im Juniorenalter Kreismeister im Zehn-Kilometer-Skilanglauf, später war er ein erfolgreicher Leichtathlet.

Neben Laufen und Schwimmen ist auch der alpine Skisport seit Jahrzehnten nicht aus seinem Leben wegzudenken – eine Leidenschaft, die er wie so vieles mit seiner Frau teilt.

Als seine größte sportliche Leistung bezeichnet Rolf Specht allerdings weder Meistertitel noch irgendwelche Bestzeiten auf der Laufbahn, sondern die Rettung eines Urlaubers aus Köln, der sich 1999 auf der Mittelmeerinsel Kreta bei unruhiger See und schwierigen Strömungsverhältnissen zu weit ins Wasser gewagt hatte.