Kreis Euskirchen – Viele Neugierige nutzten das schöne Wetter, um beim Tag des Offenen Denkmals einen außergewöhnlichen und kostenlosen Blick in das ein oder andere Baudenkmal zu werfen. Einige Ausflügler besuchten die historischen Sehenswürdigkeiten sogar mit dem Fahrrad und folgten dem 38 Kilometer langen Routenplan der Veranstalter rund um Euskirchen – von einem Denkmal zum nächsten.
Platz für die Patchwork-Familie
Diesmal ging es ums Holz. Und davon gibt es am „Nonnenhof“ in Dom-Esch, den Dagmar Lock und Rolf Bludau öffneten, viel zu sehen. 2006 hatten sie das erstmals urkundlich 1197 erwähnte Anwesen übernommen: „Wir brauchten Platz für unsere Patchwork-Familie mit fünf Kindern und hatten uns sofort in diese Fachwerkhof-Anlage verliebt“, berichtet Bludau. Über die Jahre haben sie das 1762 erbaute Wohnhaus liebevoll restauriert. „Alles unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes“, betont er. „Dass es mal ein herrschaftliches Haus war, sieht man an den Kölner Decken, bei denen die Fachwerkbalken verputzt worden sind. Deshalb haben wir das auch so gelassen.“ Ein Kloster sei der „Nonnenhof“ allerdings nie gewesen. Nur weil dem früheren Besitzer, dem Gerichtsschreiber Bartel Brabender, auch das Kloster in Essig gehörte, sagte man: „Da kommt der von den Nonnen.“ Und irgendwann war es eben nicht mehr der „Domhof“, sondern eben der „Nonnenhof“.
Die Denkmal-Interessierten konnten sich nicht nur die wunderschön gestaltete Außenanlage des „Nonnenhofs“ anschauen oder im gemütlichen Innenhof verweilen, sondern sie wurden von den Besitzern auch durch die privaten Räumlichkeiten im Haus geführt. Stolz zeigte Bludau passend zum Thema Holz das frisch renovierte Bad, in dem alte Fachwerkbalken und graue Steinfliesen wunderschön zusammengefügt wurden. Am Abend vorher feierte die Familie das 250-jährige Bestehen des Wohnhauses mit mehr als 150 Gästen aus dem Dorf.
Extra für den Tag des offenen Denkmals hatte auch die Familie von Loe die Tore ihres eindrucksvollen Anwesens, der „Burg Schweinheim“, geöffnet und hielten für die Gäste Kaffee, Kuchen und kalte Getränke bereit. Die mittelalterliche Wasserburg umgibt zwar kein Wasser mehr, aber immer noch sind Reste der erstmals 1333 erwähnten Hofanlage erhalten: ein großer Turm sowie das Wirtschaftsgebäude mit drei großen Torbögen. Viele Besitzer hat die vierseitige Hofanlage bereits gehabt, die auch heute noch landwirtschaftlich genutzt wird. „Mein Bruder hat mit drei weiteren Bauern eine Gesellschaft gegründet und bewirtschaftet den Hof“, berichtet Philipp von Loe, der auf dem Anwesen wohnt. „Ich halte und züchte Pferde hier in den Stallungen. Mit den Einnahmen kann man zwar nicht reich werden, aber zumindest die großen Dächer der Hofanlage in Schuss halten, damit die wertvollen historischen Gebäude für die Zukunft erhalten bleiben.“
