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Kita-NavigatorTraumjob Tagesmutter – Zülpich sucht Investor für Kindertagesstätte

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Die Großen sind für die Kleinen da: Tagesmütter und -väter werden im Kreis Euskirchen weiter dringend benötigt.

Kreis Euskirchen – Stefanie Fredrich-Geuer ist enttäuscht. Die Zülpicherin hatte auf einen Kita-Platz für ihren Sohn im Stadtgebiet spekuliert – auch weil dort bereits ihre Tochter in den Kindergarten geht. Doch der zweifachen Mutter flatterte eine Absage ins Haus, nachdem sie sich im Internet frühzeitig beim Kita-Navigator des Kreises Euskirchen beworben hatte.

Ein Einzelfall ist Fredrich-Geuer nicht, wie Zülpichs Bürgermeister Ulf Hürtgen (CDU) bestätigt: „Wir haben aktuell zwölf Kinder, die keinen Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter haben. Wir versuchen, die Kinder noch in unseren städtischen Einrichtungen unterzubringen – notfalls durch eine Änderung der Gruppenstruktur.“

Standort-Suche läuft

Kurzfristig müsse eine weitere Kita gebaut werden, sagt der Verwaltungschef: „Wir suchen nach einem Standort, nach etwaigen Investoren und nach möglichen Trägern einer neuen Kita.“ Über die Absage trotz Geschwisterkind zeigte sich der Bürgermeister überrascht: „Die Aufnahmekriterien sind so gestaltet, dass Geschwisterkinder immer an oberster Stelle stehen.“ Beim Kreis ist man mit dem Kita-Navigator zufrieden.

„Wir haben deutlich mehr Planungssicherheit, viel Transparenz für Eltern, Kita-Träger und Jugendamt. Bisher hatten wir keine grundsätzlichen Beschwerden von Eltern“, berichtet Wolfgang Andres, Pressesprecher des Kreises. Eine gerichtliche Klage habe es im Kreis ebenfalls noch nicht gegeben. Wie viele Kinder aktuell keinen Betreuungsplatz hätten, könne er nicht sagen. Da das Erhebungsverfahren momentan liefe, könne man konkrete Zahlen erst Anfang März liefern. Andres: „Bisher haben wir für jedes Kind, das einen Platz brauchte, einen gefunden. Natürlich nicht immer in der Wunsch-Kita, aber bisher ist es im Großen und Ganzen gelungen – auch dank der Tagespflege“, so Andres.

„Behütete Form der Betreuung“

Ein Thema, das kreisweit aktuell und gefragt ist, wie Martina Hilger-Mommer von der Abteilung für Jugend- und Familienarbeit des Kreises berichtet: „Der Bedarf für Tagesmütter und -väter ist da. Wir haben glücklicherweise weiterhin steigende Kinderzahlen, und die Eltern finden die Betreuungsform sehr gut.“

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Besonders in der U3-Betreuung sei die Tagespflege ein wichtiger Baustein zur Ergänzung der Betreuung in den Kindertagesstätten, erläutert sie. Auch die Randzeitenbetreuung außerhalb der Öffnungszeiten von Kitas und Schulen sowie über Nacht oder am Wochenende sei zunehmend gefragt. Hilger-Mommer: „Grundsätzlich begrüßen wir die Tagespflege als behütete Form der Betreuung besonders für die ganz Kleinen ab einem Jahr. Wir sehen gerade bei den Randzeiten aber auch die Grenzen, was noch gut für die Kinder ist.“

Von der Altenpflegerin zur Tagesmutter

Um die wachsende Nachfrage im Kreis abzudecken, sollen sich nach Wunsch von Reinhild Heuer, Leiterin des Hauses der Familie in Euskirchen, mehr Menschen für die Ausbildung entscheiden. Der nächste Kursus starte im März, berichtet die Leiterin der Einrichtung. Eine Entscheidung, die sich für Tanja Möllengraf vor zwei Jahren als Glücksfall erwies, wie die fünffache Mutter erzählt.

Mit der Umschulung zur Tagesmutter habe sie nicht nur eine Alternative zur Schichtarbeit als examinierte Altenpflegerin entdeckt, sondern ihren Traumberuf gefunden.