Hillesheim – „Meine Wohnung, das war nur noch eine Werkstatt mit Wohnberechtigungsschein.“ Das hat nun ein Ende. Hans-Hermann Voges, Goldschmied und Uhrmachermeister in Hillesheim, zieht um – schon aus Platzgründen. Das „Uhrenatelier Voges“ eröffnet am heutigen Samstag. In der „Offenen Werkstatt“ kann man ihm und Sohn Florian zusehen, wie sie auch komplizierteste Zeitmesser restaurieren und reparieren.
In seinem Atelier bietet er keinen „normalen“ Uhrenverkauf, sondern ausschließlich Werkstattleistungen an. Neben der Ingangsetzung jeder Art von Armband-, Taschen- oder Tischuhren kommen „auch die wirklich schwierigen Fälle zu uns“, erläutert Hans-Hermann Voges. Er sieht kurz von seinem Arbeitsplatz auf, nimmt die Lupe vom Auge, legt die Pinzette und die kleine Armbanduhr aus der Hand.
„Wir haben gerade einen Wibking-Tischchronometer, eine Handarbeit von 1920, fertig. Die kam aus Frankfurt von einem Geschäftskunden: Zwei Wellenräder waren durchgebrochen, die Chronometer-Feder fehlte ganz.“ Voges machte sich ans Werk – an eine rund 8000 Euro teure Uhr. Er fertigte eine neue Gangfeder an, ein Ersatzteil, so groß „wie ein halbes Streichholz.“ Es ist die Arbeit an einem Liebhaberstück, wie es auch sündhaft teure schweizerische Präzisionswerke oder Meisterstücke aus Glashütte in Sachsen sein können. Neben den Herstellern selbst gibt es nur wenige in Deutschland, die das können.
Derart anspruchsvolle Fälle sind eine Spezialität von Voges. Winzig, bis in den Bereich hundertster Millimeter, können die eigens angefertigten Ersatzteile sein. Wie sie auszusehen haben, weiß Voges selbst manchmal nicht. Dann helfen nur alte Kataloge, die Recherche im Internet oder ein Tipp aus dem Netzwerk der wenigen Kollegen, die bundesweit auf diesem Niveau arbeiten. Ohne Erfahrung, ein sehr gutes Auge und eine ruhige Hand ginge es trotzdem nicht. Voges hat das. Schon nach der Ausbildung in Trier 1978 machte er sich selbstständig. Er führte vier Geschäfte. Dann kam ein privater Umbruch und in den vergangenen zwölf Jahren war die Adresse des Uhrmachers seine Wohnung. Er nutzte die Zeit und baute sich via Internet ein bundesweites Geschäftskundennetz auf. Hinzu kommen Privatkunden aus einem Umkreis von 100 Kilometern.
Das entscheidende Argument für die Investition und jede Menge Eigenleistung nach Feierabend in das neue Geschäftslokal in der leerstehenden alten Post war für den 63-Jährigen Sohn Florian. Der 28-jährige Einzelhandelskaufmann teilt die Begeisterung für die Präzisionsarbeit seines Vaters. Er macht zurzeit seine Ausbildung beim Vater und an der Bayrischen Meisterschule für das Uhrmacherhandwerk in Würzburg. Dort ist er einer von 18 – und der Einzige aus der Eifel. „Ich finde das Handwerk faszinierend. Jede Uhr hat ihren eigenen Charakter“, so Florian Voges.
Froh ist Vater Hans-Hermann über die Entscheidung des Sohnes: „Das ist das Größte! In seine Ausbildung investiere ich alles, was ich gelernt habe.“ Das Uhrenatelier ist für ihn auch eine Investition in die Zukunft: „Wenn ich mal nicht mehr dabei bin, macht Florian weiter.“
Als „Offene Werkstatt“ ist das Atelier konzipiert. Man kann Vater und Sohn aus Ledersesseln im eleganten Ambiente des 66 Quadratmeter großen Geschäftslokals durch Glasscheiben, die den Kundenbereich von der Werkstatt trennen, bei der Arbeit zusehen – umgeben von Drehbänken, Fräsmaschinen, Zapfenpoliermaschinen, von Pinzetten, Lupen, Hämmern und Schraubendrehern. Im rückwärtigen Bereich findet die Goldschmiedearbeit statt, vorne sind Hans-Hermann und Florian Voges ganz Auge und Hand am Zeitmesser. Sie beschreiben ihr Handwerk als faszinierend. „Es ist immer wieder wie eine Meditation“, sagte der Junior, „bei der man ganz in seiner Arbeit aufgeht“.
Das Uhrenatelier in Hillesheim, Graf-Mirbach-Platz 2, ist montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.
