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Versorgung in HergatenStromanschluss für die „autonome Republik“ Gut Walbig

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Hergarten – Ohne Strom-, Wasser- und Kanalanschluss zu leben, kann sich heute wohl kaum einer vorstellen. Doch es gibt sie noch, diese „autonomen Republiken“. So bezeichnet Heinz Bildstein aus Vlatten das Gut Walbig zwischen Hergarten und Heimbach. Das Gehöft, in dem einst Landwirte lebten, die in den 1930er Jahren dem Rursee weichen mussten, gehört heute Heinz Bildstein. Er hat den Hof vermietet hat.

Und dieser Hof ist an keinerlei öffentliche Versorgung angeschlossen. Den Strom liefern bislang eine Solaranlage und ein Notstromaggregat. Das Wasser kommt aus einem 57 Meter tiefen Brunnen, und für das Abwasser gibt es vor Ort eine Kleinkläranlage.

Das ein Haus nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen ist, ist eine Ausnahme. „In unserem Versorgungsgebiet gibt es höchstens noch ein paar Jagdhütten ohne Stromanschluss“, so Marko Mertens, Projektleiter der Energie Nordeifel („Ene“). Als der Gutshof Walbig gebaut wurde, habe man den Eigentümern einen Stromanschluss angeboten. Doch die Bauern wollten keinen Stromanschluss, sondern lieber mehr Land.

„Eigentlich wollte man den Hof schon vor 60 Jahren an die Stromversorgung anschließen“, berichtet Bildstein. Doch das Projekt sei immer wieder aufgeschoben worden. Auch Bildstein hat den Anschluss zehn Jahre vor sich her geschoben. Die Investitionskosten waren zu hoch. Denn der nächste Netzknotenpunkt ist 1,4 Kilometer entfernt, die Kosten für eine Tiefbaufirma wären erheblich gewesen.

Doch nun wird das Projekt realisiert – und Bildstein legt das Stromkabel selbst. Behilflich ist ihm dabei ein Freund, der als Baggerfahrer engagiert wurde. Die Männer sind derzeit von morgens bis abends damit beschäftigt, einen Graben von Haus Walbig bis hinunter nach Heimbach zu ziehen. Größeren Felsbrocken rückt Bildstein mit der „Hilti“ zu Leibe. Eine wahre Knochenarbeit.

Dass das Projekt nun realisiert werden kann, ist auch der „Ene“ zu verdanken. Projektleiter Mertens kümmert sich um die zeitnahe Anlieferung der Kabeltrommeln und hat einen Kabelabroller besorgt, mit dem das Verlegen der starren und schweren 400-Volt-Leitung einfacher vonstattengeht.

Auch einen neuralgischen Punkt hatten Bildstein und sein Kompagnon zu überwinden. Denn dort, wo der Graben verläuft, kreuzt an einer Stelle auch die europäische Ferngasleitung. Dort durfte der Graben nur unter ständiger Beobachtung eines Gasleitungsfachmanns ausgehoben werden. Auf die Frage, warum Bildstein sich die Arbeit antue, sagte er: „Wenn man in meiner Generation einen Wald anpflanzt, dann macht man das nicht mehr für sich, sondern für die nachfolgenden Generationen. Genau so ist es hier. Ich mache das nicht für mich, sondern für meine Enkel.“

95 Gebäude ohne Kanalanschluss in Blankenheim

Und damit man in Haus Walbig auch bald kein Grundwasser mehr pumpen braucht, legt der ehemalige UWV-Fraktionschef im Rat der Stadt Heimbach auch eine Wasserleitung mit in den Graben. „Sicher ist sicher“, sagt er. „Denn wer weiß, wie lange man das Brunnenwasser noch unbesorgt trinken kann.“ Vorerst soll aber der Brunnen noch Trinkwasser liefern.

Das Häuser nicht an das Kanal- und das Trinkwassernetz angeschlossen sind, kommt hingegen weit öfter vor als dass es keinen Stromanschluss gibt. So gibt es in der Stadt Heimbach laut Kämmerer Frank Pick rund 50 Häuser, Aussiedlerhöfe und Ferienhäuser, deren Abwässer über Kleinkläranlagen oder geschlossene Gruben entsorgt werden. In der Gemeinde Blankenheim, die größer als Heimbach ist, gibt es 95 Gebäude ohne Kanalanschluss. „Unsere Anschlussquote beträgt 97 Prozent“, berichtete Michaela Bell von den Gemeindebetrieben.

In der Eifel werden auch etliche private Brunnen betrieben. Für deren Kontrolle sind nicht die Kommunen, sondern die Kreise zuständig. „Im Kreis Euskirchen sind uns 102 Brunnen im privaten Bereich bekannt“, erklärte Swen Weißer, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Diese Brunnen würden einmal jährlich beprobt sowie alle drei Jahre begangen. Außerdem gibt es im Kreis Euskirchen noch 20 gewerbliche Brunnen. „Diese liegen überwiegend in der Zülpicher Börde“, wusste Weißer. Das Wasser aus diesen Brunnen werde in Gewerbebetrieben, wie etwa der Papierherstellung, zur Produktion oder zur Kühlung verwendet. Zu den gewerblich genutzten Brunnen gehören auch Anlagen von Landwirten. Diese benutzen das Wasser etwa, um ihre Felder zu beregnen. (jop/epa)