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Waschbär„Räuber mit der Maske“ erobert die Eifel

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Der Waschbär fühlt sich inzwischen auch im Kreis Euskirchen heimisch.  

Bad Münstereifel – Es ist kurz vor Mitternacht, als Horst Merten mit seinem Hund „Kelly“ zu einem kurzen Spaziergang aufbricht. Vor der Haustür hat der Iversheimer das ungute Gefühl, beobachtet zu werden: „Unter meinem Auto lugte ein Gesicht hervor.“

Zunächst denkt Merten, es sei schon wieder „dieser blöde Marder“. Doch dann erkennt er im Mondlicht die typisch schwarz-weiße Maske des vierbeinigen Räubers. Er hat einen waschechten Waschbär erblickt – mitten in Iversheim. Für ihn jedenfalls „ein wunderschönes Erlebnis“.

Ist diese Sichtung ein Einzelfall? Nein, es ist nämlich nicht der einzige Hinweis darauf, dass der putzige Kleinbär inzwischen auch im Bad Münstereifeler Wald heimisch geworden ist. Das bestätigt Jagdaufseher Michael Nimsch. Er hat auf Münstereifeler Grund und Boden bereits Waschbär-Spuren entdeckt und fotografiert. Für ihn steht fest: „Wo ein Tier ist, gibt es auch noch weitere.“ Waschbären seien keine Einzelgänger.

Glücklich ist er über seinen Spurenfund indes nicht. „Jetzt fehlt uns nur noch der Marderhund, dann gute Nacht für die heimische Fauna.“

Michael Schulze, diplomierter Agraringenieur der Biologischen Station, hat vor der Rundschau-Anfrage noch nichts von einer Waschbär-Population im Kreis Euskirchen gehört. Er geht davon aus, dass die Tiere aus Gehegen ausgebüxt oder irgendwann ausgesetzt worden seien.

„Eigentlich gehört der Waschbär ja nicht hier hin. Die Tiere sind extrem anpassungsfähig und durchaus in der Lage, für Probleme im heimischen Forst zu sorgen“, so der 49-Jährige. Die Raubtiere, die hier keine natürlichen Feinde hätten, würden halt Jagd auf das heimische Niederwild machen.

Marita Hochgürtel, Pressesprecherin der Stadt Bad Münstereifel, hat zuvor auch noch nichts von einer Waschbär-Sichtung im Stadtgebiet gehört. Sie schätzt aber das Risiko für die heimische Tierwelt, das von einem oder einigen wenigen Tieren ausgehe, als „ausgesprochen gering“ ein.

Auch Walter Thomaßen, Sprecher des Kreises Euskirchen, hält die derzeitige Waschbär-Population im Kreis Euskirchen für absolut unproblematisch: „Von einer Plage sind wir hier im Gegensatz zu Kassel noch weit entfernt.“ Das sehe etwa beim Aufkommen des Rotwilds im Bad Münstereifeler Höhengebiet ganz anders aus. Fakt sei, dass Waschbären „zum jagdbaren Wild“ zählten. Die Revierinhaber dürften Alttiere vom 16. Juli bis zum 31. März schießen. Jungtiere dürften hingegen ganzjährig bejagt werden.

Im Jagdjahr 2012, also von April 2011 bis Ende März 2012, hat es laut Thomaßen immerhin sieben Abschüsse von Waschbären im Kreisgebiet gegeben: Jeweils zwei in Hellenthal und Schleiden sowie einer in Bad Münstereifel, Kall und Blankenheim. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen brachten Jäger 2011 gut 8500 Tiere zur Strecke. In Deutschland waren es knapp 68 000 Waschbären. Das entspricht laut Deutschem Jagdschutzverband einer Steigerung von gut 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Zahl der erlegten Wildschweine aus dem Vorjahr liegt übrigens bei 585 000.

Informationen

Der Waschbär stammt ursprünglich aus Amerika. Die deutsche Population des pfiffigen Räubers geht auf zwei Paare zurück, die Forstmeister Wilhelm Freiherr Sittich von Berlepsch am 12. April 1934 am hessischen Edersee aussetzte. Inzwischen leben laut Experten etwa 100 000 der etwa 70 cm langen und bis zu neun Kilo schweren Kleinbären in Deutschland. Verhaltensforscher haben festgestellt, dass die Lerngeschwindigkeit von Waschbären der von Rhesusaffen entspricht. Waschbären sind Allesfresser und ernähren sich zu 40 Prozent von pflanzlicher Kost, zu 33 Prozent von Weich- und zu 27 Prozent von Wirbeltieren. Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere werden in freier Natur nur selten gesichtet. Die geschickten Kletterer schlafen tagsüber  in Baumhöhlen, Steinbrüchen oder Dachshöhlen. Dem  Waschbär ist es wegen seiner Anpassungsfähigkeit gelungen, innerhalb weniger Jahrzehnte weite Teile von Deutschland zu besiedeln. Er hat – von Uhus abgesehen, die gelegentlich Jungtiere fangen–  keine natürlichen Feinde. Ob der Invasor dem deutschen Ökosystem schadet, ist umstritten.

Einige Tiere dringen auf der Suche nach einem Schlafplatz sogar in Gebäude sowie Dachböden ein und stöbern im Müll.