Abo

ÖkologieAm Swister Turm in Weilerswist wächst Gemeinde-Wein

4 min
Hinter dem Weinstock ist der Swister Turm in Weilerswist zu erkennen.

Am Swister Turm wächst nun Wein. Die „Essbare Gemeinde“ in Weilerswist wird künftig auch trinkbar sein, sofern es sich um gekelterten Most handelt.

Weilerswist hat Teile des Projekts „Essbare Gemeinde“ verändert. Ein Baustein ist der barrierefreie Naschgarten am Bahnhof.

Am Swister Turm entsteht ein Projekt, das Naturerlebnis, Umweltbildung und Naherholung miteinander verbinden soll. Auf den Hängen rund um das Weilerswister Wahrzeichen wachsen verschiedene Rebsorten. Die neu angelegten Rebzeilen passen nicht nur zur Geschichte und Landschaft der Region, sondern sollen Besucherinnen und Besuchern auch Wissen über den Weinbau vermitteln.

Perspektivisch soll gezeigt werden, wie Weinreben fachgerecht gepflegt und geschnitten werden. Bei einer erfolgreichen Ernte wäre künftig der erste Weilerswister Wein denkbar.

Am Swister Turm entsteht ein schöner Rastplatz für Radler und Wanderer

Ergänzt werden die Reben durch eine Naschhecke mit Beerensträuchern sowie Obstbäume. Spaziergänger, Radfahrer und Besucher des Swister Turms sollen hier künftig eine attraktive Rastmöglichkeit vorfinden. Das Vorhaben ist Teil des Leader-Projekts „Essbare Gemeinde“, mit dem an zahlreichen Standorten in Weilerswist Grünflächen und Aufenthaltsorte geschaffen werden.

Dabei setzt die Gemeinde bewusst auch auf kleinere Maßnahmen, die das Ortsbild aufwerten: Blühflächen, Obstbäume, Kräutergärten und Sitzgelegenheiten. „Es muss auch alles leistbar sein“, betont Bürgermeister Dino Steuer.

Wir haben gewisse Projekte auf ein Mindestmaß reduziert.
Dino Steuer, Bürgermeister

Deshalb werden einige ursprünglich geplante Maßnahmen angepasst. So bleibt etwa das Konzept für den neuen Bolzplatz in Müggenhausen grundsätzlich bestehen. Die Fläche wird mit Obst- und Nussbäumen ergänzt und soll für alle Generationen nutzbar sein. Allerdings fällt der eigentliche Bolzplatz kleiner aus als ursprünglich vorgesehen.

Auch für den Friedhof in Metternich wurden Planungen verändert. Da sich niemand für die Pflege einer vorgesehenen Blumenwiese gefunden hat, entsteht dort nun ein ruhiger Aufenthaltsbereich mit pflegearmen Obststräuchern. „Wir haben gewisse Projekte auf ein Mindestmaß reduziert“, sagt Steuer.

Am Bahnhof Weilerswist wachsen Beeren und Rhabarber

Parallel dazu investiert die Gemeinde auch in ihre Friedhöfe. Wege wurden erneuert, Grünanlagen überarbeitet und zusätzliche Beleuchtung installiert. Nach mehreren Fällen von Vandalismus setzt die Verwaltung außerdem auf Bewegungsmelder und verstärkte Kontrollen.

Ein weiterer Baustein der „Essbaren Gemeinde“ ist die neue Willkommensstation am Bahnhof Weilerswist mit einem Aroma- und Naschgarten. Die Anlage soll den Startpunkt einer Radroute bilden. Im Naschgarten wachsen Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, Blaubeeren und Rhabarber. Ergänzt wird die Anlage durch ein Hochbeet mit Kräutern wie Schnittknoblauch, Pfirsichsalbei, Johannisbeersalbei, Vietnamesischem Koriander und Lakritz-Tagetes.

Den Naschgarten erreicht man auch mit Rollator und Rollstuhl

Wert legte die Gemeinde auf Barrierefreiheit. Die Anlage ist über wassergebundene Wege auch mit Rollator oder Rollstuhl problemlos erreichbar. Im Mittelpunkt steht das Thema „Aroma“. Besucher sollen erfahren, wie eng Geruchs- und Geschmackssinn verbunden sind. Informationstafeln und digitale Angebote per QR-Code befinden sich   in Vorbereitung. Ganz im Sinne der „Essbaren Gemeinde“ dürfen die Früchte und Kräuter später von allen probiert werden.

Auch an anderer Stelle wird es in den kommenden Wochen deutlich bunter. Ab nächster Woche entstehen im gesamten Gemeindegebiet neue Pflanzflächen. Die Beete sollen nicht nur optische Akzente setzen, sondern als dauerblühende und insektenfreundliche Flächen einen Beitrag zum Artenschutz leisten.

In den Ortsteilen wachsen Zierbananen und Federgras

In Neukirchen entsteht gegenüber dem Teich ein rund zehn Quadratmeter großes Beet mit Dahlien, Montbretien und Indischem Blumenrohr. In Vernich wird die Grünfläche am Sportzentrum mit Zierbananen, Zierkohl und Fenchel aufgewertet. Lommersum erhält gleich zwei neue Pflanzflächen an der Niederberger Straße und der Limburger Straße. Dort setzen unter anderem Patagonisches Eisenkraut und Federgras Akzente.

Im Kernort werden die beliebten Narzissenbänder aus dem Frühjahr durch zwei Sommerbeete an der Nahestraße ergänzt. Auch der kleine Park am Brunnen gegenüber erhält neue Pflanzen.

Der Hochzeitsgarten neben dem Rathaus wird weiterentwickelt

Zudem kehren die sogenannten Blütenmeere zurück. Auf insgesamt 139 Quadratmetern entstehen in mehreren Orten Flächen, auf denen Bürger Blumen pflücken und mit nach Hause nehmen können. Auch der Hochzeitsgarten neben dem Rathaus wird weiterentwickelt. Geplant sind ein Holzherz als Fotomotiv sowie eine Sitzbank entlang eines herzförmig angelegten Weges.

Für   Steuer zeigen all diese Projekte eine Entwicklung. Die „Essbare Gemeinde“ wachse kontinuierlich und verbinde Natur, Aufenthaltsqualität und Gemeinschaft.   Aus Grünflächen werden Orte zum Entdecken, Verweilen und Genießen.


Das Projekt „Essbare Gemeinde“

Mit dem Projekt „Essbare Gemeinde“ möchte die Gemeinde Weilerswist öffentliche Flächen nicht nur verschönern, sondern auch für die Bürgerinnen und Bürger nutzbar machen. Geplant sind verschiedene Angebote zum gemeinschaftlichen Gärtnern – von Hochbeeten und Obstwiesen über bepflanzte Bereiche am Bolzplatz bis hin zu einem Gemeinschaftsacker. Künftig sollen zudem verstärkt Obst, Kräuter und andere Nutzpflanzen in das öffentliche Grün integriert werden.

Das Projekt verfolgt mehrere Ziele. Zum einen sollen Einwohner die Möglichkeit erhalten, gemeinsam zu gärtnern, eigenes Obst und Gemüse anzubauen und Wissen über Anbau, Pflege und Verarbeitung von Pflanzen weiterzugeben. Zum anderen soll die Initiative das Miteinander stärken und Menschen zusammenbringen, die ihren Ort aktiv mitgestalten möchten.

Auch ungenutzte Flächen können auf diese Weise aufgewertet und für die Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Wer selbst nicht zur Harke greifen möchte, soll dennoch profitieren: Wo in Weilerswist künftig Obst, Beeren oder Kräuter wachsen, darf nach den Vorstellungen der Gemeinde auch geerntet und genascht werden.