Bei den anstehenden Projekten der Gemeinde legt Dino Steuer Tempo vor. Die Stimmung zwischen Rat und Verwaltung hat sich verbessert.
„Schon viel bewegt“Dino Steuer ist seit 100 Tagen Bürgermeister von Weilerswist

Pocht auf die Zusammenarbeit von Gemeinderat und Verwaltung: Bürgermeister Dino Steuer.
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Etwa 100 Tage ist es her, seit der vormalige CDU-Fraktionsvorsitzende Dino Steuer offiziell als Weilerswists Bürgermeister eingeführt wurde. Zuvor hatte sich der 50-Jährige in der Stichwahl gegen Peter Schlösser (SPD) mit 64,7 Prozent der Stimmen durchgesetzt. In seiner Anfangsphase als Verwaltungschef der Gemeinde wird deutlich, dass Steuer vor allem eins mitbringt: Tempo.
„Ich bin von seiner Geschwindigkeit überrascht“, lobt Gemeindekämmerer Alexander Eskes den neuen Verwaltungschef: „Wir haben in den ersten 100 Tagen schon viel bewegt und angestoßen.“ Zu den konkreten Projekten zählt etwa der Erhalt des verkehrsberuhigten Bereichs in Weilerswist-Süd.
Ebenfalls in den Sektor Verkehrssicherheit fällt die Blitzerkooperation mit der Stadt Euskirchen, die das gesamte Gemeindegebiet umfasst. Gleichzeitig brachten Verwaltung und Rat die Umstellungen des Bauhofs sowie des Kommunalen Ordnungsdienstes voran, die ab dem 1. Februar in Kraft getreten sind. Steuer: „Die Arbeitseffizienz des Bauhofs soll stärker sichtbar werden.“
In Weilerswist sollen die Bürger stärker eingebunden werden
Die Umstellungen können als Reaktion auf Vorwürfe zu vieler externer Vergaben gesehen werden. Parallel zur Neuausrichtung sollen Bürgerinnen und Bürger aktiver eingebunden werden. So können sie per Gemeinde-App etwa wilden Müll oder andere Ärgernisse im Gemeindebild melden. In den kommenden Monaten sei vorgesehen, Ordnungsdienst und Bauhof per Rückmeldesystem zu monitoren, um hieraus weitere Schritte ableiten zu können, erläutert Steuer.
„Die ersten 100 Tage waren intensiv, lehrreich und geprägt von vielen Gesprächen“, blickt der amtierende Bürgermeister auf seine Anfangszeit an der Spitze der Gemeindeverwaltung zurück. Zunächst sei es ihm ein Anliegen gewesen, die Gemeinde, die Verwaltung und die Bürger und Bürgerinnen im neuen Amt gut kennenzulernen, so Steuer. Die Gespräche mit den knapp über 100 Mitarbeitenden verzögerten sich aber teils, aufgrund von „Projekten, die Vorfahrt haben“.
In wöchentlichen Konferenzen tauscht Steuer sich mit den Fachbereichsleitern über die anstehenden Dinge aus. Zwecks einer Übersicht über die fortlaufenden Projekte habe er eine Liste erstellt, die stetig wachse. Vollends abgehakte Aufgaben gebe es in der Kommunalpolitik quasi nicht, erläutert Steuer. Gerade rücke zum Beispiel wieder die Schulsanierung, angefangen mit dem Neubau an der Gesamtschule Weilerswist, in den Vordergrund.
Finanzierung der Gemeinde ist eine Herausforderung
Auch das Thema „Bevölkerungsschutz“ komme immer wieder auf, besonders in Hinblick auf die Feuerwehr. Steuer: „Der Brandschutzbedarfsplan wird halbjährig fortgeschrieben.“ In den kommenden Jahren sollen schätzungsweise 20 bis 25 Millionen Euro in die geplante Feuerwache an der K11 fließen. Die Kosten für den Neubau des Gerätehauses in Lommersum beziffert Kämmerer Alexander Eskes mit acht Millionen.
„Eine Verwaltung muss wie ein Wirtschaftsunternehmen funktionieren“, fasst es Steuer: „Es gibt deutliche Finanzierungszwänge – das ist anders als in den goldenen Jahren.“ Neben Förderprogrammen muss die Gemeinde laut dem Wahlbeamten auf Grundsteuererhöhungen zurückgreifen, um an Gelder zu gelangen. Das sei nicht bei jedem populär. „Wir müssen aus unseren Finanzmitteln das Maximale herausholen“, sagt Steuer: „Jeder, der sagen würde, es werde keine Steuererhöhung geben, wäre meines Erachtens ein Lügner.“
Eskes zufolge hat sich die lange Zeit angespannte Stimmung zwischen Rat und Verwaltung seit Steuers Amtseintritt verbessert. Er und der Bürgermeister sprechen von einem „Vertrauensbonus“ seitens der Ratsmitglieder. Dieses Vertrauen drückt sich unter anderem in der finanziellen Handhabe des Verwaltungschefs aus: So wird der Gemeindeverwaltung zugestanden, Beträge bis zur Höhe von 25.000 Euro im eigenen Ermessen auszugeben.
Steuer spricht über Doppelfunktion als Bürgermeister und Verwaltungschef
Im ersten diesjährigen Haupt- und Finanzausschuss betonte Steuer, dass dieser Verfügungsrahmen nicht dafür gedacht sei, um den Rat zu übergehen. Man poche stattdessen auf Entscheidungen, die aus der Zusammenarbeit von Rat und Verwaltung erwüchsen. „Mir ist eine sachliche, respektvolle und lösungsorientierte Zusammenarbeit wichtig“, so Steuer. Unterschiedliche Meinungen gehören seiner Ansicht nach zur Demokratie. Entscheidend sei aber, dass die Beteiligten letztlich gemeinsam Verantwortung für die Gemeinde Weilerswist trügen.
Im Grad der Verantwortung liege auch ein entscheidender Unterschied zu seiner vorherigen Verwaltungstätigkeit bei der Stadt Köln, der Steuer fast drei Jahrzehnte nachgegangen ist. Er schildert, dass ihn ein Stück weit überrascht habe, wie vielschichtig die Aufgaben als Bürgermeister seien: „In Köln hatte ich einen feststehenden Aufgabenbereich.“ Als Repräsentant der Gemeinde reichten die Zuständigkeiten von Besuchen traditioneller Prinzenempfänge über Babybesuche bis hin zur Teilnahme an Gedenkveranstaltungen anlässlich der Pogromnacht.
Hinzu komme die Rolle des Bürgermeisters als Verwaltungsleiter. Diese Doppelfunktion des Amtes sei zwar anspruchsvoll, sagt Steuer, aber machbar: „Ich bearbeite ja nicht alles selbst, sondern habe ein Team um mich herum.“ Kompetenzen im zwischenmenschlichen Bereich, die etwa bei der Moderation der Ratssitzungen gefragt sind, führt der Weilerswister auch auf seine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Johanniter-Unfall-Hilfe zurück. Im Zuge dessen habe er Ehrenamtsteams geführt. Außerdem berichtet Steuer, an der Rettungsdienstschule unterrichtet zu haben.
Seit dem Jahr 2008 lebt er mit seiner Frau Julia und den drei Kindern in Weilerswist-Süd. Von 2012 an war er als Sachkundiger Bürger in der Gemeinde tätig. Im Gemeinderat brachte er sich als Mandatsträger seit 2020 ein und wurde später Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten. Angesprochen auf seinen Vornamen „Dino“, verweist Steuer auf die Begeisterung seiner Eltern für Italien.

