Stephan Steinhoff verlässt die Gesamtschule Weilerswist und hat bereits konkrete Ziele für den „Unruhestand“. Er will einen Roman über Wachkoma schreiben.
Pläne für RomanSo geht der Leiter der Gesamtschule Weilerswist in den Ruhestand

Der Leiter der Gesamtschule Weilerswist, Stephan Steinhoff, geht mit 66 Jahren in den Ruhestand.
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Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet sich der Leiter der Weilerswister Gesamtschule, Stephan Steinhoff, in den Ruhestand. Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Schule endet für ihn eine Laufbahn, die ihn vom Lehrer über den Oberstufenleiter und stellvertretenden Schulleiter bis an die Spitze der Schule führte.
Besonders schwer fällt ihm der Abschied von den Schülerinnen und Schülern. „Die Zuneigung, die ich in den vergangenen Wochen erfahren habe, hat mich sehr gerührt“, sagt Steinhoff. Den täglichen Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen werde er am meisten vermissen.
Die Bürokratie, die langen Entscheidungswege und der Ärger mit Behörden werden mir ganz sicher nicht fehlen.
Weniger nachtrauern wird er den administrativen Seiten seines Berufs. „Die Bürokratie, die langen Entscheidungswege und der Ärger mit Behörden werden mir ganz sicher nicht fehlen“, sagt er. Er habe sich stets hartnäckig für die Interessen der Schule eingesetzt, sei dabei aber immer wieder an bürokratischen Hürden gescheitert.
Sein beruflicher Weg an der Schule begann 2003 als Lehrer. 2009 übernahm er die Leitung der Oberstufe, 2017 wurde er stellvertretender Schulleiter und zwei Jahre später Schulleiter. Geplant gewesen sei diese Karriere nie. Vielmehr habe sich eine Aufgabe nach der anderen ergeben.
Inzwischen verstorbener Bruder spielte eine wichtige Rolle für den Berufsweg
Einen wichtigen Anstoß habe ihm sein inzwischen verstorbener Bruder gegeben. „Er hat immer gesagt: Werde doch endlich Chef.“ Nach dem Weggang seiner Vorgängerin leitete Steinhoff die Schule zunächst kommissarisch und entschied sich anschließend bewusst für die Bewerbung auf die Schulleiterstelle.
Trotz der vielen Leitungsaufgaben wollte er den Unterricht nie ganz aufgeben. Bis zuletzt unterrichtete er einen Deutsch-Leistungskurs. „Diese fünf Stunden waren meine Ruheinsel“, erzählt er. Dort habe er Kraft geschöpft und den unmittelbaren Kontakt zu den Jugendlichen behalten. Auch über Schülerprojekte und Initiativen habe er bewusst den Austausch mit den Schülerinnen und Schülern gepflegt.
Wir müssen den jungen Menschen beibringen, mit digitalen Medien verantwortungsvoll umzugehen – nicht sie einfach nur verbieten.
Mit Blick auf die Entwicklung der Schule zieht Steinhoff eine positive Bilanz. Besonders stolz ist er auf die vollständige Digitalisierung mit digitalen Tafeln und dem iPad-Projekt. Wichtiger als pauschale Handyverbote sei aus seiner Sicht jedoch Medienkompetenz. „Wir müssen den jungen Menschen beibringen, mit digitalen Medien verantwortungsvoll umzugehen – nicht sie einfach nur verbieten.“
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Amtszeit war die Weiterentwicklung des Dalton-Konzepts. Trotz anfänglicher Widerstände habe sich das Konzept bewährt. Selbstständiges Lernen, Eigenverantwortung und Inklusion seien heute tragende Säulen der Schule.
Steinhoff blickt optimistisch auf den Standort Weilerswist
Optimistisch blickt Steinhoff auch auf die Zukunft des Standorts. Aufgrund der demografischen Entwicklung könne die Schule in den kommenden fünf bis sechs Jahren sechszügig werden. Der derzeitige Neubau sei dabei nur ein erster Schritt.
Er könne sich vorstellen, dass auch andere Schulkomplexe nach und nach erneuert werden. Gleichzeitig sieht er weiteren Handlungsbedarf – insbesondere beim Hitzeschutz in Schulgebäuden. „Das Thema wird noch immer unterschätzt und muss endlich ressortübergreifend angegangen werden.“
Scheidender Leiter sieht die Schule personell gut aufgestellt
Auch personell sieht er die Schule gut aufgestellt. In den vergangenen sieben Jahren seien mehr als 50 neue Lehrkräfte eingestellt worden. Entscheidend sei jedoch nicht allein guter Fachunterricht. „Das Wichtigste ist die Beziehung zu den Kindern. Eine zugewandte Lehrkraft bewirkt oft mehr als der perfekte Unterricht.“
Für den Ruhestand hat Steinhoff bereits konkrete Pläne. Er möchte einen Roman schreiben, der auf einer außergewöhnlichen Familiengeschichte basiert. Ein Verwandter seiner Frau erwachte nach zehn Jahren aus einem Wachkoma und konnte wieder mit seiner Umwelt kommunizieren. Dieses Schicksal möchte er literarisch verarbeiten.
Außerdem will er seine Frau, die noch einige Jahre berufstätig ist, im Alltag weiter unterstützen. „Ich bin ein gelernter Hausmann“, sagt er mit einem Lächeln. Seine Fahrten aus Bonn nach Weilerswist seien auf den letzten Metern etwas anders – durch die Sperrung der Nordbrücke. „Ein bisschen Wehmut ist bei den Fahrten natürlich schon dabei“, so Steinhoff.
Ganz verabschieden wird sich Steinhoff vom Thema Bildung jedoch nicht. Die bildungspolitische Entwicklung will er weiterhin aufmerksam verfolgen. Bildungsgerechtigkeit sei für ihn ein zentraler Bestandteil sozialer Gerechtigkeit. „Als Schulleiter musste ich mich oft zurückhalten. Künftig kann ich mir vorstellen, mich bildungspolitisch deutlicher zu positionieren.“
Neubau könnte 2028 fertig sein
Die Zahl der Plätze an der Weilerswister Gesamtschule ist für das Schuljahr 2026/27 erhöht worden. Über die Bildung von Mehrklassen, so der Fachbegriff, können 162 Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden. 18 Inklusionsplätze sind für Kinder mit besonderem Förderbedarf vorgesehen.
Vor dem Ratsbeschluss, den neuen Jahrgang sechs- statt fünfzügig zu machen, hatte die Schule insgesamt 135 Plätze zur Verfügung (120 Schulplätze, 15 Inklusionsplätze). Der Abriss der alten Gebäude ist mittlerweile abgeschlossen, dennoch ist der Neubau in deutlichem Verzug. Ursache dafür war unter anderem ein Wechsel beim ausführenden Unternehmen.
Die Verzögerung betitelt die Verwaltung auf mehrere Monate. Nach Angaben des scheidenden Schulleiters Stephan Steinhoff ist Fertigstellung des geplanten Neubaus für 2028 geplant. Daran ändere auch die versehentlich eingerissene Wand in einem Gebäude, das bestehen bleibt, nichts, so Steinhoff.


