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WildschafeFlanierende Mufflons im Visier

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Alle Hände voll zu tun hat Albert Stobbe im Kommerner Hochwildpark Rheinland. Trotzdem musste er etliche Male mit seinem Betäubungsgewehr nach Gemünd ausrücken.  

Gemünd – Bei der Schleidener Polizei ist man derzeit etwas genervt. „Die Mufflons gehen uns mittlerweile auf den Keks“, sagte ein Beamter der Rundschau. Seit dem 25. Juni berichten Bürger immer wieder von Wildschafen, die in Gemünd, Olef und Herhahn gesichtet wurden und für gefährliche Situationen auf den Straßen sorgten. Fünf bis sechs Einsätze seien bislang notwendig gewesen, so die Polizei. Und nicht bei allen Fahrten trafen die Beamten dann die Mufflons am Einsatzort an. Niemand darf schließlich den Tieren übelnehmen, dass sie nicht geduldig auf ihre Gefangennahme warten.

Glaubt man der Gerüchteküche, dann haben sich insgesamt acht bis 20 Tiere in den vergangenen Tagen im Raum Gemünd herumgetrieben. Niemand weiß, woher sie stammen, sie scheinen jedoch an Menschen gewöhnt zu sein. Ordnungsamt, Polizei und Tierschutzverein Kall beauftragten Albert Stobbe vom Hochwildpark Rheinland in Kommern, beim Einfangen der Mufflons behilflich zu sein. Denn einige der ansonsten recht zahmen Tiere büxten immer dann aus, wenn sie gefangen werden sollten. Albert Stobbe, der eine entsprechende Ausbildung hat, sollte die flüchtenden Tiere mit einem Betäubungsgewehr ruhig stellen, um sie dann einzufangen. Mit gutem Grund: Kreisveterinär Dr. Jochen Weins gibt zu bedenken, dass die Tiere eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen: „Die benutzen ja nicht den Zebrastreifen.“ Horst Klöcker vom Schleidener Ordnungsamt berichtet, die ersten Anrufe seien am 25. Juni eingegangen, als an der Reithalle in Nierfeld zwei Mutter- und zwei Kleintiere gesichtet wurde. Am nächsten Tag wurden sie in ein Schafgehege gesperrt, doch ihnen gelang die Flucht.

Danach habe man die Untere Jagdbehörde um Rat gefragt – doch die habe mitgeteilt, die Mufflons dürften nur vom 1. August bis zum 31. Januar bejagt werden. Am Freitag wurden dann drei Tiere in der Tränkelbachstraße gesichtet, die später in den Wald flohen. Am Nachmittag gelang es Stobbe dann schließlich, in Höhe des Tennisplatzes in Nierfeld einen Mufflon-Widder mit dem Betäubungsgewehr zu erwischen. Doch das Tier floh nach dem Schuss und brach später an der Olef zusammen. Die führte infolge der Niederschläge viel Wasser. Vermutlich sei das Tier dort ertrunken, sagt Stobbe: „Das ist leider höhere Gewalt.“ Die Feuerwehr habe den Mufflon später geborgen. Am Samstagabend gegen 17.30 Uhr wunderten sich dann Anwohner der Tränkelbachstraße über zwei Tiere, die ganz gemütlich über die Fahrbahn flanierten. Ein von Markus Schmitz-Bongard vom Tierschutzverein Kall aufgenommenes Video erweckt sogar den Eindruck, als wollten die Tiere an der Haltestelle auf den Bus zum Nationalpark warten.

Mit tatkräftiger Hilfe der Anwohner wurden die beiden Böcke in einen Hinterhof gelockt. Der kleinere Bock konnte durch beherztes Eingreifen sofort gefasst werden, das größere Tier suchte hingegen sein Heil in der Flucht. Es lief in Richtung Hauptstraße, was wegen des Verkehrs hätte gefährlich werden können.

Nach einigen hundert Metern konnte das Tier gestellt werden, entkam jedoch erneut. Mit seinem zweiten Schuss traf Albert Stobbe den Bock, der danach in Richtung Wald auf eine Pferdekoppel lief. Doch zwei Pferde trieben den Mufflon zurück. Der Bock war mittlerweile benommen und legte sich ins hohe Gras. Ohne Gegenwehr konnte er dann verladen werden.

Gestern nahm Stobbe ein weiteres Tier, das eingefangen worden war, bei der Schleidener Polizei in Empfang. Die Mufflons hielten ihn in den vergangenen Tagen gewaltig in Atem. Insgesamt zehn- bis zwölfmal habe er deswegen ’rausfahren müssen.

Die drei Mufflons erhalten nun in Kommern eine neue Heimat. Ihnen soll es, wie allen seinen Tieren, gut gehen. Ärgern kann Stobbe sich jedoch darüber, wenn ihm jetzt, zu Beginn der Ferienzeit, von Unbekannten Meerschweinchen, Kaninchen, Ziege, Schafe oder ein Hund an den Zaun des Geheges gebunden werden. Die aufgenommenen Tiere sehen oft mitgenommen aus, so dass ein falscher Eindruck entstehen könnte. Für deren Aussehen könne er nun wirklich nichts, beklagt sich Stobbe. Und Markus Schmitz-Bongart bescheinigt ihm, dass seine Tierhaltung in Ordnung sei.