- Hohe Schuhe sind nicht selten ein Statussymbol.
- Das Stöckeln auf Treppen ist die Königsdisziplin.
Euskirchen – Mit sicherem Schritt geht Lutz Wassong die Treppe herunter, ein Fuß vor den anderen – und macht dabei ganz schön Eindruck. Die kritischen Augen der Frauen glänzen. Denn Lutz meistert die Stufen nicht irgendwie, er trägt High Heels in der Größe 46 und mit zehn Zentimetern Absatz an seinen Männerfüßen. „Lutz ist die beste Frau unter uns“, sagt Karin Geisler anerkennend, die den Workshop „Walking High Heels“ der Arbeiterwohlfahrt in Euskirchen leitet.

Unter den kritischen Blicken von Karin Geisler übt Lutz Wassong das elegante Treppensteigen auf High Heels.
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Seit Jahren trainiert sie unter anderem Menschen, die im Beruf weiterkommen wollen und für die sicheres Auftreten und eine perfekte Optik wichtig sind. „In hohen Etagen bin ich auch oft hohen Schuhen begegnet“, sagt Geisler. Hohe Schuhe seien nicht selten ein Statussymbol. „Nützt nur alles nichts, wenn Frauen das Laufen mit Stöckelschuhen nicht beherrschen und durch Büroflure wackeln und wanken“, so die Trainerin.
„Wir wollen uns fühlen wie Cinderella“
Natürlich wirke der perfekte Gang mit hohen Schuhen auch auf Männer attraktiv. „Wir wollen in Rollen schlüpfen, uns fühlen wie Cinderella.“ In eine Rolle schlüpft Lutz Wassong genau einmal im Jahr: zu Weiberfastnacht. „Ich habe mich aus einer Bierlaune heraus an Karneval als Frau verkleidet, nachdem meine Freundin schon nach 200 Metern über ihre hohen Schuhe und schmerzende Füße gemeckert hat. Ich wollte es aber auch richtig machen und habe mir High Heels gekauft“, so Wassong.
Mittlerweile sei daraus an Karneval eine Tradition geworden, für die er sogar kurz vorher extra trainiert. „Ich räume dann die Spülmaschine in High Heels aus – jedes Teil wird einzeln weggetragen, damit ich auch einen Trainingseffekt habe“, sagt der einzige Mann beim Workshop. Und wie kommen Outfit und hohe Schuhe an? „Männer gucken immer etwas seltsam, Frauen sind hin und weg“, sagt Wassong.
Gleichgewicht, Körperspannung, Haltung
Bevor die vier Teilnehmer des Workshops in ihre mitgebrachten High Heels schlüpfen, tauchen sie mit Kursleiterin Karin Geisler in die Historie der Schuhe ein. Erst dann kommt so richtig Bewegung in den Workshop und in die Kindertagesstätte an der Frauenberger Straße. Die Damen und Lutz bewegen sich ins Gymnastikzimmer und werden aktiv. Gleichgewicht, Körperspannung und Haltung seien unerlässliche Voraussetzung, um gut auf Stöckelschuhen laufen zu können, doziert Karin Geisler, die nach eigener Aussage gut 30 Paar Schuhe dieser Art zu Hause im Schrank hat.
Ein gutes Körpergefühl sei die Basis. „Gehen in High Heels ist Sport und kein Vergnügen.“ Es wird gestöckelt, was das Zeug hält. Quer durch den Raum. Dann ins Treppenhaus. Treppe rauf, Treppe runter. „Nicht auf die Füße gucken, Körperspannung halten, aufrecht gehen, Muskeln anspannen, lächeln, lächeln“, sagt Geisler. Treppen und High Heels – das sei die Königsdisziplin. Es wird alles gegeben. „Leiser bitte, nicht so stampfen.“
Fußpflege ist wichtig
Eleganz muss geübt werden. Auf die Wichtigkeit der Fußpflege wird auch hingewiesen. Dann werden die hohen Hacken wieder gegen die bequemen Treter eingetauscht.
Hohe Absätze
Als High Heels (engl. für „hohe Absätze“) bezeichnet man in der Regel Absatzschuhe mit zehn Zentimetern Absatz und mehr. Diese Schuhbezeichnung orientiert sich also nur an der Absatzhöhe und ist unabhängig von anderen Merkmalen wie beispielsweise dem Schaftschnitt, der Schafthöhe, dem Schaft- und Sohlenmaterial oder der Absatzform (Stiletto, auch Pfennig- oder Stöckelabsatz genannt, Louis-XV-Absatz, Keilabsatz usw.).
Die richtige Absatzhöhe (Fachterminus: Fersensprengung) wird grundsätzlich seitlich in der Mitte des Absatzes gemessen und nicht fälschlicherweise an der Ferse. Bei einigen Flugzeuggesellschaften sind Hinweisschilder zu finden, dass Schuhe mit einem hohen spitzen Absatz während des Fluges ausgezogen und sicher verstaut werden sollen.
Autofahren mit High Heels ist zwar nicht verboten, bei einem Unfall kann das Tragen ungeeigneter Schuhe allerdings eine Teilschuld zur Folge haben. (tom)