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Fontan-PatientenNeue Studie – Kinder dürfen trotz Herzfehler ins Flugzeug

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Symbolbild

Köln/Bonn – Von einem Skiurlaub in den Alpen oder einem Langstreckenflug nach Australien haben Valentin und Lynn bisher nur träumen können. Die jungen Leute sind beide nur mit einer funktionsfähigen Herzkammer geboren worden. Das Risiko, dass ihnen in der dünnen Höhenluft der Sauerstoff ausgehen könnte, war bislang zu groß gewesen, um es zu wagen. Dank einer gemeinsamen Studie der Kinderkardiologie der Universitätsklinik Bonn und des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln wissen die beiden inzwischen, dass sie keine Angst vor dem langen Flug und der Skifreizeit in 2500 Metern Höhe haben müssen.

Im :envihab, der raumfahrtmedizinischen Forschungsanlage des DLR in Köln, haben sie und 16 weitere betroffene Patienten im Alter zwischen 16 und 40 Jahren, unter klinisch kontrollierten Bedingungen einen solchen Aufenthalt für rund 30 Stunden erprobt. „Überaus erfolgreich“, wie Studienleiterin Dr. Nicole Müller, Oberärztin der Abteilung Kinderkardiologie am UKB, in einer ersten Bilanz berichtet. „Wir waren erstaunt, wie gut die Teilnehmer mit dem simulierten Sauerstoffmangel zurecht gekommen sind.“

Fontan-Zirkulation: Fehlende Herzkammer

Das Problem bei der sogenannten Fontan-Zirkulation besteht in der fehlenden Herzkammer, die bei Herzgesunden das Blut durch die Lunge pumpt. Im Rahmen der mindestens nötigen drei Operationen in den ersten Lebensjahren wird nämlich die obere und untere Hohlvene direkt an die Lungenstrombahn ohne Zwischenschaltung des Herzens angeschlossen. Unter Höhenbedingungen bestand nun die Sorge, dass die Sauerstoffarmut zu einer deutlichen Einschränkung des Blutflusses führen könnte, weil die reduzierte Sauerstoffkonzentration auch bei Herzgesunden zu einer Engstellung der Lungengefäße führt.

Zwar haben betroffene Kinder durch die frühzeitigen Operationen mittlerweile sehr gute Überlebenschancen, sagt Dr. Müller, trotzdem führen sie oft kein unbeschwertes Leben. Bei sportlichen Aktivitäten können sie oft nicht so gut mithalten und auch Urlaubsreisen müssen entsprechend geplant werden. Aus Sorge vor potenziellen Gefahren nehmen die Patienten daher oft nicht so aktiv am Alltagsleben teil wie gesunde Menschen. Auch allzu fürsorgliche Eltern können ihre Aktivitäten bremsen.

Zusammenarbeit des DLR und der Deutschen Sporthochschule Köln

Erstmalig konnte nun durch die Zusammenarbeit mit dem DLR und der Deutschen Sporthochschule Köln, gefördert durch die Stiftung KinderHerz, untersucht werden, wie sich das Herz-Kreislaufsystem dieser Patientinnen und Patienten während eines längeren Höhenaufenthaltes verhält. Dafür wurde im :envihab für die Teilnehmer über einen Zeitraum von 30 Stunden eine Höhe von 2500 Metern über Normalnull simuliert, während dem viele verschiedene Untersuchungen, wie beispielsweise Belastungsuntersuchungen auf dem Fahrrad oder Sprungkraftuntersuchungen, durchgeführt wurden, um den Einfluss des Sauerstoffmangels (Hypoxie) auf verschiedene kardiologische, stoffwechsel- und leistungsspezifische Parameter zu untersuchen. Besonderes Augenmerk richteten die Wissenschaftler auf die Untersuchung des Schlafs der Patienten, weil in der Ruhephase die Sauerstoffsättigung nachlässt.

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Ein erstes Fazit: Auch wenn sich die vorläufigen Ergebnisse nicht eins zu eins auf alle Fontan-Patientinnen und -Patienten übertragen lassen, so ist Dr. Nicole Müller überzeugt, dass Betroffenen langfristig Empfehlungen zu Höhenaufenthalten und der Belastbarkeit in der Höhe gegeben werden können. „Wir möchten gerade jungen Menschen durch die freiere und sicherere Gestaltung ihres alltäglichen Lebens und ihrer Freizeit ermöglichen, ihre kleinen und großen Träume zu erfüllen“, ergänzt ihr Kollege Dr. Julian Härtel, Assistenzarzt der Abteilung Kinderkardiologie am UKB, der die Studie gemeinsam mit Dr. Müller leitet.

Ein Erfolg war die Studie auch für das DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin. Für gewöhnlich arbeiten sie dort nur mit völlig gesunden Personen. „Es wäre eine großartige Entwicklung für die Medizin und die betroffenen Patientinnen und Patienten, wenn wir mit unseren Untersuchungen zu einem besseren Verständnis und vor allem zu besseren Lebensumständen der Beteiligten beitragen könnten“, sagte Prof. Dr. Jens Tank, wissenschaftlicher Leiter der Studie von Seiten des DLR.