Leverkusen – Am Freitagvormittag demonstrierten gut 700 Menschen gegen den Klimawandel, in Opladen blockierte der ADFC beim Parking-Day auf der Kölner Straße gleich mehrere Parkbuchten und am Abend trafen sich Klimaaktivistinnen und ein Klimaaktivist der Fridays-for-Future-Bewegung auf dem Naturgut Ophoven zur Diskussionsrunde. „Unser Haus steht in Flammen“, so der Titel mit dem das Frauenbüro gemeinsam mit dem Deutschen Frauenring und dem Katholischen Bildungswerk in ihrer Reihe „Frauen gestalten ihre Stadt“ eingeladen hatte.
Von der Radiojournalistin Jenny Weißenfeld moderiert, bot die Runde, zu der auch Leverkusens Klimamanagerin Eva Lüthen-Broens geladen war, die perfekte Kulisse, um ans Eingemachte zu gehen. Welche Sorgen treiben euch an? Was macht Ihr für den Klimaschutz? Was fordert ihr von Politik und Stadtverwaltung? Das waren Fragen, mit denen Weißenfeld den Aktivisten die Plattform bereitete, um ihr Anliegen den gut 50 Gästen nahe zu bringen.
ÖPNV soll günstiger werden
Dabei blieb die ein oder andere Chance ungenutzt. „Wir arbeiten intensiv mit der Stadt zusammen“, berichtete Fenja Hornung, die gerade das Abi der Landrat-Lucas-Schule in der Tasche hat. Einen günstigeren ÖPNV-Tarif wünscht sie sich allerdings. Auch, dass „das Umdenken auch bei den älteren Leuten ankommen“, so die 17-jährige Abiturientin. Ein Stichwort für das Publikum, welches sich überwiegend aus Eltern und Aktivisten der 80er Jahre bestand. „Warum ist 30 Jahre lang nichts passiert, nachdem wir schon so viel auf die Wege gebracht hatten?“, war daher die unbeantwortet bleibende Frage von Dr. Hans-Martin Kochanek, Leiter des Naturguts, in das Publikum.
So blieb es Aufgabe der Klimamanagerin dem interessierten Publikum aufzuzeigen, dass seit langem viel in der Stadt passiert, was zum Klimaschutz beiträgt. So gibt es beispielsweise einen städtischen Energiemanager und vor Jahren wurde ein „Leitbild Grün“ beschlossen, das die Verbesserung und den Erhalt der Umwelt zum Thema hat. Allerdings räumt Eva Lüthen-Broens ein, reicht das noch lange nicht aus. „Mit Eurem Engagement und damit, dass ihr die Ausrufung des Klimanotstands in Leverkusen möglich gemacht habt, bringt ihr die Auswirkungen des Klimawandels an die Öffentlichkeit und fordert uns zum Handeln auf“, so die 28-jährige Klimamanagerin.
So wie Klimaaktivistin Amelie Geuer, die als Veganerin mit ihrem Instagram-Account über ein Leben ohne tierische Produkte bloggt und zugleich ihre Eltern überzeugt hat. Dennoch, radikalisieren wollen sie nicht, so die Leverkusener Fridays-for-Future-Abgesandten. „Jeder soll soviel gegen den Klimawandel machen, wie er kann“, meint die 15-jährige Pauline Sammet und ist zugleich überzeugt, dass „Einschränkungen ja nicht weh tun.“
Umweltdezernent Alexander Lünenbach, der im Publikum saß, sah das hingegen anders: „Ich wünsche mir, dass ihr massiver fordert. Ein besserer ÖPNV geht beispielsweise nur mit einer Belastung des Individualverkehrs. Würden in Leverkusen 2500 Menschen auf den ÖPNV umsteigen, käme es einer CO2-Ersparnis, die 500 Autos entspricht.“ Das dadurch erreichte mehr an Lebensqualität müsse nur noch erkannt werden. Jedoch ohne den Druck der Bürger und der jungen Generation, die mit Fridays-for-Future aufrüttelt, würde Politik nicht handeln und Verwaltung mit der Ausführung beauftragt.
Eine Botschaft, die am Freitagabend nicht nur die Klimaaktivistinnen und den Klimaaktivisten Moritz Hegmann erreichte, sondern auch die Vertreter politischer Fraktionen, die sich erstaunlich schweigsam gezeigt hatten.
