Leverkusen – Für eine Torhüterin ist sie vergleichsweise klein, behaupten Experten. Im Finale der Fußball-Europameisterschaft im weißrussischen Baryssau war Leonie Doege (1,70 Meter) die Größte ihrer Zunft. Zweimal behielt die U-17-Keeperin im entscheidenden Elfmeterschießen die Oberhand. 3:2 siegte das deutsche Team gegen Spanien. Unbeschreiblich war die Freude, auch bei der 17-Jährigen, die zum Bundesliga-Kader von Bayer 04 gehört.
Vertrauen zurückgezahlt
Sie hatte davon geträumt, das Endspiel zu erreichen und als Europameisterin nach Hause zu kommen. Dieser Traum ist in Erfüllung gegangen, „weil wir über eine besonders große Stärke verfügen. Wir sind ein Team, neben und auf dem Platz. Grüppchenbildung gibt es nicht.“ Doege stellt das große Zusammengehörigkeitsgefühl heraus und lässt durchklingen, wie wichtig es für sie ist, dass die Mannschaft ihr vertraue. Dieses Vertrauen hat die Landrat-Lucas-Schülerin spätestens im Endspiel zurückgezahlt.
Schon in der Grundschulzeit entdeckte Leonie ihre Liebe zum Fußball. Jede Pause wurde genutzt, um mit den Jungen zu kicken. Im Alter von sieben Jahren trat sie dem HSV Langenfeld bei und wurde als Feldspielerin eingesetzt. Drei Jahre später nahm das Schicksal seinen Lauf. Bei einem Sichtungsturnier fielen die beiden vorgesehenen Torhüterinnen aus. „Da bin ich ins Tor gegangen “, erzählt die Schülerin, die damals schon über gute Reflexe verfügte, zudem von ihren Qualitäten als Feldspielerin profitierte und so die Verantwortlichen beeindruckte.
Es folgten Einladungen zur Niederrheinauswahl, zum Länderpokal und schließlich zum U-15-Nationalteam. Im Jahr 2013 wechselte Doege zum SSV Berghausen, spielte in der C 1 mit und in der Meisterschaft gegen Jungen anderer Vereinsteams. Dass die härter schießen als Mädchen, stellte sich als förderlich für die Torhüterin heraus. Auch bei einem Probetraining, das sie bei Bayer 04 absolvierte und dabei für gut befunden wurde. Seit der Saison 2014/2015 für Leverkusen aktiv, trainiert die Schülerin vier bis fünfmal pro Woche mit der ersten Bundesligamannschaft. Deren Coach Thomas Obliers bezeichnet sie als selbstbewusste Torhüterin, die sehr viel Ruhe ausstrahle. Spielpraxis sammelt sie indessen in der U 17 von Bayer 04 in der Bundesliga West der Juniorinnen. „Zu Null spielen, die rettende Hand sein, das ist immer mein Ziel“, lautet Doeges Motto. Wenn sie einen Ball hat abwehren können, löse das ein unglaubliches Gefühl aus. Und dieses Gefühl hatte die junge Torhüterin im Elfmeterschießen eines EM-Finales zweimal. Da war die vermeintlich Kleine die Größte.