Diese Darsteller gehen an Grenzen. An Grenzen im Kopf. Und an körperliche Grenzen. Am Ende steht ein furioses Gastspiel der Tänzer der Aakash Odedra Company aus England im Forum. Das erste in Leverkusen. Das einzige in Nordrhein-Westfalen.
Aufruhr impliziert
Das Stück, um das es dabei geht, heißt „#JeSuis“. Und schon der Name an sich impliziert Aufruhr.
Denn: Es ist ein Ausdruck, der in den vergangenen Jahren weltweit zum geflügelten Wort, zum Standard-Statement für Solidarität mit denjenigen wurde, die Opfer von Terroranschlägen waren. Aakash Odedra, Namensgeber der Tanztruppe und Choreograf von „#JeSuis“, übertrug dieses „Ich bin“ ganz generell auf den Themenkomplex der Unterdrückung. Ließ seine Tänzer im Vorfeld diskutieren und erzählen, wo sie selbst schon einmal Unterdrückung erfuhren oder wo Unterdrückung überall möglich sein kann – und liefert nun 65 Minuten Atemlosigkeit, wenn die Szenerie rasant wechselt im Schummerlicht. Wenn an Holztischen Asylanträge abgewiesen werden. Wenn Menschen das Mikrofon, um das sie tanzen, entrissen wird – ein Symbol für das Ende der Redefreiheit. Wenn Schlepper sich das Elend und die Not von Flüchtenden zunutze machen und mit Verzweiflung spielen.
Die Darsteller liefern einen gewaltigen Mix aus Tanz und Schauspiel. Sie jagen einander im Bühnennebel, schlagen aufeinander ein, bestürmen einandern, schreien sich wortlos an und rufen den Zuschauern brutal ehrlich ins Gedächtnis, dass die meisten Geschichten von Unterdrückung und Gewalt gegenüber Menschen noch nicht erzählt wurden.
Gegen das Vergessen
Sie schlummern in unzähligen Köpfen voller Angst. Auf fatale Art und Weise bereit, aus der Erinnerung getilgt zu werden. Und allein dafür gebührt diesen großartigen Tanzkünstlern ein ebenso großer Dank, denn: Sie tanzen gegen das Vergessen an.
