- Gesundheitsminister Hermann Gröhe war bei Bayer zu Gast.
- Unter dem Stichwort „Pharmadialog“ hat er mehr als ein Jahr mit allen Akteuren des Gesundheitswesens gesprochen.
- Bei Bayer äußerte er sich nicht nur zur Einführung, sondern war auch in der anschließenden Podiumsdiskussion der maßgebliche Mann.
Leverkusen – Der Mann ist Kassenpatient. Trotzdem hat er mehr als ein Jahr mit allen Akteuren im Gesundheitswesen gesprochen, aber die Gesetzlichen Krankenkassen draußen gelassen. „Pharmadialog“ hieß das, was vorige Woche zu Ende ging. Doch die Gesprächsreihe an sich war es nicht, die Hermann Gröhe zum Gast bei Bayer machte. Sondern das Rezept, mit dem der Gesundheitsminister versucht, die gegensätzlichen Interessen im System auszugleichen: miteinander reden. Ausgiebig.
Das konnte Gröhe auch am Donnerstag im Chempark. Bayer hatte dem Minister großzügig Redezeit eingeräumt. Er sprach nicht nur zur Einführung, sondern war auch in der anschließenden Podiumsdiskussion der maßgebliche Mann. Was sich schon daraus erklärt, dass in seinem Ministerium die Gesetzesvorlagen gemacht werden. Also musste Gröhe auch etwas über das Lieblingsthema von Frank Schöning und Birgit Fischer sagen: das Arzneimittelneuordnungsgesetz. Das Amnog haben Pharma-Manager wie der Bayer-Vital-Chef Schöning und die Geschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittel-Hersteller so gern wie Zahnschmerzen. Immer wieder wettern sie gegen das Gesetz und die Institutionen, die aus seinen Regeln entstanden sind.
Mittel verschwindet vom Markt
Seitens Bayer hat der Widerstand gerade eine neue Dimension erreicht: Vorige Woche nahm der Konzern das Darmkrebs-Mittel Stivarga vom deutschen Markt. Zwar hatten die staatlichen Qualitätsforscher der ziemlich neuen und im Vergleich teuren Bayer-Arznei einen, wenn auch geringen Zusatznutzen zugesprochen. Aber der Gemeinsame Bundesausschuss, der die Präparate ebenfalls beurteilt, sah es anders: Aus seiner Sicht hat Stivarga bisher keinen Zusatznutzen für die Patienten gezeigt. Folglich ist, verglichen mit gleichartigen Arzneien, kein höherer Preis gerechtfertigt. Aus VfA-Sicht kann Birgit Fischer das nicht nachvollziehen: Stivarga sei ja schon zugelassen gewesen und ein zusätzlicher Effekt für Krebs-Patienten anerkannt. Das jetzige Vorgehen sei ohne Beispiel: „Es gab noch nie Nutzen auf Probe.“
Dass Bayer mit seiner harten Reaktion den Patienten nun schade, wiegelte Vital-Chef Schöning ab: Wer schon mit Stivarga behandelt werde, müsse sich keine Sorgen um die Weiterbehandlung machen. „Das Präparat kann ja auch importiert werden“, sagte er mit Blick auf die Zulassung in ganz Europa. Für Gröhe zeigt der Stivarga-Ärger einen Mangel im System. Künftig müsse die Regel gelten: „Wir entscheiden erst, wenn mehr Datenmaterial beigebracht ist.“ Und dann müsse es auch Preisverhandlungen mit den Herstellern geben. Die wollen anfangs höchstmögliche Preise erzielen: um von den Forschungs- und Marketingkosten schnell viel einzusammeln, bevor ein Konkurrent auftritt.
Bis zu welchem Grad das geht, will Gröhe flexibler handhaben. Zeitvorgaben seien nicht sachgemäß. Lieber sollte man mit den Herstellern über Umsatzschwellen sprechen. Werden die überschritten, soll der Preis sinken. Auch hier geht der Christdemokrat vom Niederrhein nach dem Rezept vor: miteinander reden. Ausgiebig.
