- Der von der Stadt in Auftrag gegebene Sportstättenentwicklungsplan wurde veröffentlicht.
- Mit diesem Gutachten, erstellt mit Hilfe von Sportbund und Sportpark, will die Verwaltung die Weichen für eine zukunftsorientierte Sportpolitik stellen.
Leverkusen – Der Sport umfasst nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche und genießt gerade in Leverkusen einen besonders hohen Stellenwert.
Allerdings hat das Sport- und Freizeitverhalten in jüngster Vergangenheit bereits entscheidende Veränderungen erfahren. Längst geht der Trend weg vom Wettkampf-, hin zum Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport.
Aber welche Sportarten werden Zulauf, welche weniger Interesse erfahren? Welche Sport- und Freizeitstätten werden künftig besonders gefragt sein? Wann ist eine Modernisierung oder Sanierung, wann gar ein Neubau oder eine Schließung sinnvoll?
Fragen über Fragen, die die Politik in Leverkusen gerade in Zeiten klammer Kassen besonders beschäftigen. Antworten soll der von der Stadt in Auftrag gegebene und nun veröffentliche Sportstättenentwicklungsplan geben. Mit diesem bis ins Jahr 2030 reichenden Gutachten, erstellt mit Unterstützung von Sportbund und Sportpark, stelle man die Weichen für eine zukunftsorientierte Sportpolitik, heißt es von der Verwaltung.
Die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:Die Bevölkerungsprognose des Landesbetriebes Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) für 2015 bis 2030 ergibt einen Bevölkerungszuwachs um etwa 9000 Einwohner (170 000 Einwohner am 1.1.2030). Werden nur die sportliche Beteiligung erhöht und die Einwohnergliederung und Einwohnerzahl konstant gehalten, ergeben sich rechnerisch 10 100 Aktive mehr. Die Kombination beider Effekte führt bis zum Jahr 2030 zu einem starken Zuwachs an Sporttreibenden. Von derzeit 120 000 sportaktiven Leverkusenern, die insgesamt rund 295 000 Sportler ergeben – weil sie in mehreren Sportarten aktiv sind –, üben circa 40 000 ihren Sport (auch) in Vereinen aus. Bis 2030 könnte die Gesamtzahl auf 330 400 Sportler ansteigen.
Von 13 Sportarten, die vorrangig unter 38 insgesamt untersuchten Hauptsportarten geprüft wurden, sind die zu erwartenden Veränderungen bei Badminton, Behinderten- und Rehasport, Handball, Kampfsport, Schulschwimmen, Schulsport auf Kleinspielfeldern an Schulen und Tischtennis nicht entscheidend für die Anzahl und Größe von Sportstätten. Bei Basketball und Tennis ist mit einem Rückgang der Nachfrage zu rechnen. Im Vereinssport zeichnen sich deutliche Zunahmen ab beim Fitnesstraining/Gymnastik, Fußball, Leichtathletik, Betriebs- und Tanzsport sowie Volleyball.Für alle Mehrbedarfe gilt, dass sie ohne Prüfung der tatsächlichen Auslastung nicht in Maßnahmen münden. Dazu gehört eine Prüfung, ob die in den Plänen angegebenen Belegungen so oder anders stattgefunden haben und mit wie vielen Sportlern die Anlagen über einen längeren Zeitraum wirklich belegt sind. So ist zum Beispiel beim Fußball rein rechnerisch von einer Zunahme an Aktiven und einem damit einhergehenden leicht gestiegenem Flächenbedarf auszugehen. Der ist jedoch nicht unerheblich auf Aktive außerhalb der Vereine zurückzuführen, die es bevorzugen, auf Bolzplätzen, Freiflächen in Parks oder anderen frei zugänglichen Bereichen zu spielen, so dass mögliche fehlende Sportplatzkapazitäten hier abgedeckt werden können. Außerdem würde durch eine Umwandlung von Tennen- zu Kunstrasenplätzen die Nutzungsintensität dieser Anlagen gesteigert. Im Schulsport ist eher mit einem rechnerisch geringen Mehrbedarf an Sportflächen für alle Sportanlagenarten zu rechnen, auf gar keinen Fall aber mit einem Rückgang. Laut Landesstatistik hatte Leverkusen 2014/2015 insgesamt 19 250 Schüler. Hinzu gerechnet werden müssen sportrelevant noch 1200 Schüler des Beruflichen Gymnasiums, der Fachoberschule und von Fachschulen (= 20 450). Nach vorübergehendem Absinken wird deren Zahl bis zum Jahr 2030 wieder geringfügig auf 21 430 ansteigen. Die Veränderungen bei den Sportarten führen nicht in gleichem Maße zu Veränderungen bei den Sportanlagen, weil sich zwischen abnehmenden und zunehmenden Anforderungen ergibt. Im Vereinssport, unter Berücksichtigung der Freikapazitäten auf Schulsportanlagen, ist mit einem Mehrbedarf zu rechnen. Laut Gutachten könnte zum Beispiel der Bedarf an Einfach-Sporthallen bis 2030 von derzeit 54 auf 74 ansteigen, bei Gymnastikräumen gar von 71 auf 131. Es sei dabei zu prüfen, inwieweit davon Einsparungen durch organisatorische Maßnahmen zu erzielen sind. Außerhalb der kommunalen Bedarfsdeckung ergeben sich zum Teil erhebliche Zuwächse, die zu Neu-Nachfragen nach Standorten und Sportflächen führen können. Dafür sollten die vorhandenen Planungs- und Baurechte überprüft werden.
Sportpark auf dem Prüfstand
Leverkusen ist eine hoch verschuldete Stadt. Sie muss bis zum Jahr 2018 ihren Haushalt wieder ausgleichen können, bis 2021 sogar ohne Unterstützung durch Landesmittel aus dem sogenannten Stärkungspakt Stadtfinanzen.
Der Rat der Stadt hatte am 9. Februar 2015 beschlossen, die betriebsähnlichen Einrichtungen Sportpark und Kulturstadt auf den Prüfstand zu stellen. Er folgte damit einer Empfehlung der Kommunalaufsicht. Für die Kultur-Stadt-Lev liegt das mit erheblichen Einsparvorschlägen versehene Gutachten bereits vor.
Was auf den Sportpark Leverkusen an möglichen Sparmaßnahmen zukommen könnte, soll am Montag, 25. April, präsentiert werden. (gmü)
Stimmen zum Gutachten
Thorstig Morig, Geschäftsführer des Sportbundes Leverkusen, sieht sich in seiner Einschätzung bestätigt: „Die Ergebnisse des Gutachtens gehen einher mit der von uns prognostizierten Entwicklung“. Durch den vorgelegten Sportstättenentwicklungsplan sei jetzt fest verankert, was notwendig werden könnte, wenngleich dabei natürlich Unwägbarkeiten blieben.
Für Georg Boßhammer, Leiter des Leverkusener Sportparks, dient der jetzt veröffentlichte Plan als wichtiges Steuerungsinstrument für anstehende strategische Entscheidungen beim Sport- und Freizeitstättenbau.
Er sei sowohl langfristige Grundlage für Projektplanung, als auch die Basis für Modernisierung, Sanierung, Schließung oder Neubau. (gmü)