Leverkusen – „Wir reden einfach später drüber.“ Wer kennt die Floskel nicht, die sich Bernadette und Oliver in einer Montage ein paar Mal gegenseitig an den Kopf werfen. Nur was ist, wenn später keine Zeit mehr ist?
In „Zitronen, Zitronen, Zitronen“ stellt der englische Dramatiker Sam Steiner zunächst ein quirliges junges Paar vor, dessen wichtigste Beziehungsetappen und alltägliche Lebenssituation mal Lachen, mal ein Gefühl des Mitleids auslösen. Doch von jetzt auf gleich scheinen alle Probleme verhältnismäßig klein. Das lange befürchtete Schweigegesetz ist verabschiedet worden und lässt allen Menschen in Deutschland nur noch 140 Wörter pro Tag. „Das sind weniger Wörter als die meisten Songtexte haben“, bemerkt das Paar schnell. Was macht man, wenn einem plötzlich die Worte ausgehen, man aber noch unendlich viel zu sagen hat?
Ein Stück mit ironischem Witz
Zugleich voller ironischem Witz und Gravität präsentierte das Junge Theater Leverkusen dieses Wochenende im Kulturausbesserungswerk diese dystopisch gefärbte Geschichte eines modernen Paares, die zum Nachdenken anregt. Im Zentrum standen dabei Fragen danach, was zwischenmenschliche Beziehungen ausmacht und welche Bedeutung Sprache für diese spielt. Schließlich verändert nicht nur die erzwungene Wortbegrenzung die Sprache der Figuren. Da Oliver es nicht mag, wenn Bernadette etwas „wirklich“ gern mag, versucht sie, sich das von ihm verhasste Modaladverb zu verkneifen.
Zum Stück
„Zitronen, Zitronen, Zitronen“, weitere Aufführungen sind am Dienstag, 17. August, und Mittwoch, 18. August, um 19 Uhr im Kulturausbesserungswerk mit Asena Lappas und Finn Faust in den Hauptrollen. Besucher müssen einen negativen Corona-Test oder einen Impfnachweis vorlegen. Für all jene, die es selbst auf die Bühne lockt, findet das nächste Vorsprechen des Jungen Theaters am Sonntag, 15. August, statt. Weitere Informationen gibt es im Netz.
Im Gegenzug bittet sie ihn jedoch zur sprachlichen Transparenz in Bezug auf seine vergangene Beziehung, da jedes Paar eine eigene Sprache habe und sie auch eine eigene mit ihm haben wolle.
Aufführung unter Corona-Bedingungen
Auf das Duodrama wurden einige Ensemblemitglieder erst durch den hauseigenen „Coldplay“-Leseabende aufmerksam. „Es ist mega politisch und passt so gut in die Zeit. Es erinnert an Brexit, aber auch an die Lockdown-Situation, da plötzlich alles anders ist“, betont Regisseurin Petra Clemens. Anders ist auch die Aufführungssituation, da sich der Hauptdarsteller und die Hauptdarstellerin aufgrund der Corona-Auflagen nicht berühren dürfen. Im Stück vorgesehene Küsse seien daher auch weggefallen.
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Als Verlust in der Inszenierung ist das aber in keinem Fall zu verstehen. Vega Fenske und Nicklas Didschun verliehen der Beziehung mit ihren Höhen und Tiefen große Nähe und Charakter durch ihr Spiel und bewiesen so, dass man aus Zitronen bittersüße Limonade machen kann.



