Leverkusen – Spätestens, als Corona Norditalien überrollte, war Sascha Wihstutz klar: Aus dem St. Josef Krankenhaus müssen wir das komplett raushalten. Bis jetzt ist dem Chefarzt das gelungen. „Wir hatten einen positiven Test hier im Krankenhaus, die Person wurde isoliert und sobald wie möglich ins St. Remigiuskrankenhaus verlegt“, erzählt Wihstutz, der das Wiesdorfer Krankenhaus für Geriatrie (Altersheilkunde) seit etwa mehr als einem Jahr leitet. Niemand wurde angesteckt. Ein großer Erfolg. Schließlich gelten seine Patienten nicht nur aufgrund ihres Alters als höchstgefährdet, die meisten haben auch multiple Vorerkrankungen.
„Natürlich haben wir auch Glück gehabt“, sagt Wihstutz. Denn bei allen Vorkehrungen gebe es letztendlich doch nur eine „Scheinsicherheit“. Anfangs wurden nur Patienten mit Symptomen auf Corona getestet, heute wird vor der Aufnahme ein negativer Test verlangt, der nicht älter als 48 Stunden ist. Das sei zumeist kein Problem, weil 90 Prozent seiner Patienten von einem Krankenhaus oder Hausarzt überwiesen werden, die dort getestet werden können.
„Aber natürlich weiß man nicht, was in den 48 Stunden passiert ist, es bleibt immer ein Restrisiko“, sagt der Mediziner. Patienten, die direkt nach Wiesdorf gebracht werden, werden vor Ort getestet und isoliert, bis das Ergebnis vorliegt. Zutritt zum Krankenhaus gibt es nur über den Eingang, hier werden Patienten wie auch Besucher zunächst registriert und befragt.
Besuchsrecht eingeschränkt
Besucher sind wieder erlaubt, einer pro Patient und Tag und für 60 Minuten. Bis vor kurzem musste ein Angehöriger fest genannt werden und nur dieser hatte Besuchsrecht, jetzt kann täglich gewechselt werden. „Ich bin sehr froh, dass die Infektionslage im Moment so ist, dass wir das Besuchsrecht lockern konnten“, sagt Wihstutz.
Die besuchsfreie Zeit sei sehr hart für die Patienten gewesen, die oft die Gründe nicht verstanden, was passierte. Eine Belastung auch für das Personal, das viel aufzufangen hatte. Motivation für die Mitarbeiter war die große Solidarität: Sowohl Privatleute wie Firmen haben ihre Hilfe angeboten und Materialien und Nervennahrung gespendet. „Das war eine tolle Erfahrung, und ich fand das noch schöner, als wenn sich jemand abends auf den Balkon stellt und klatscht“, sagt der Chefarzt.
Viele leere Betten
Sorge machen ihm die vielen leeren Betten, sein Krankenhaus ist wie die meisten in Deutschland nicht ausgelastet. Die Angst vor Ansteckung gehe so weit, dass eine Person nach einem Sturz mit gebrochenem Oberschenkel drei Tage zu Hause geblieben sei, bis die Schmerzen unerträglich wurden.
Das sei eine ganz gefährliche Entwicklung, vor allem für Patienten mit Herzanfällen, für die dann vielleicht jede Hilfe zu spät komme. „Die Chance, im Krankenhaus einem Corona-Infizierten zu begegnen, ist verschwindend gering, bitte verschleppen Sie nichts“, appelliert der Arzt.
Und wie geht es nun weiter mit dem Virus? „Aktuell ist die Situation sehr gut und ich bin superhappy, dass wir in Deutschland bislang so gut da durchgekommen sind“, sagt Wihstutz. Seine Gefühle für die Zukunft sind stark vom Tagesverlauf abhängig. „Wenn ich Bilder vom vollen Ballermann sehe, denke ich: Oje, da kommt was auf uns zu. Und wenn ich dann wieder sehe, wie besonnen und rücksichtsvoll die Besucher sich hier verhalten, dann habe ich ein gutes Gefühl für die Zukunft.“
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Er hofft, dass die Bevölkerung weiter mitzieht. „Es ist normal, dass man sich irgendwann nicht mehr einschränken und die Nachrichten nicht mehr hören will. Dann fängt man an, das Problem auszublenden. Das darf auf keinen Fall passieren.“ Das Problem, das Virus, müsse im Fokus bleiben, in der Bevölkerung, wie im Krankenhaus.


