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Konzert im Leverkusener ErholungshausMCB – Traditionschor mit einem neuen Geist

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Engagiert ist der Bayer Männerchor bei der Sache – auf der Probe wie beim Konzert.

Leverkusen – Auf einmal wurde es laut. Ohrenbetäubend laut sogar. Wie das eben so ist, wenn plötzlich eine Truppe Dudelsackspieler und Trommler in einen Konzertsaal marschiert, der akustisch hervorragend und vor allem für klassische Musik konzipiert ist, dass jeder Ton voll klingen und deutlich gehört werden kann. Man könnte sagen: Die Mitglieder der Rhine Area Pipes And Drums – so der Name der schottisch angehauchten Combo – sprengten dieses Konzert. Ein Konzert, das eigentlich dem Bayer-Männerchor (MCB) gehörte.

Dudelsack und Salonorchester

Denn dessen Sänger feiern in diesem Jahr den 115. Entstehungstag ihres Chores, der am 25. Mai 1904 in der Gaststätte „Schützenhof“, dem heutigen „Wiesdorfer Treff“, gegründet wurde. Und um den MBC zukunftsfähig zu machen, ließen sich die aktuellen Nachfolger der damaligen Gründungsväter eben etwas Besonderes einfallen. Dudelsackmusik zum Beispiel. Das Engagement des Salonorchesters Münster. Oder einen Moderator wie Gisbert Baltes, der das Programm mit launigen Beiträgen zwischen Kurztextlesung, reiner Informationsübermittlung und Comedy garnierte.

Eine Sopranistin wie Ute Eisenhut, die neben ihrer gehobenen Sangeskunst auch darstellerisch überzeugte – etwa wenn sie in Johnann Strauss’ „Schwipslied“ von der Bühne stieg und die Herren in der ersten Reihe gespielt angeschickert und wunderbar singend umgarnte. Und schließlich mehrere Tanzpaare, die zum „Donauwalzer“ durch den Saal des Erholungshauses wirbelten. Es wurde etwas Geboten für Auge und Ohr. Fürs Herz und für die Seele.

Das Programm des Chores selbst – um das es ja nun in der Hauptsache ging – umfasste Lieder von der Klassik bis hinein in die Gegenwart. Elton John, Abba, Rod Stewart – alltägliche Chorliteratur ist das nicht. Aber es ist eben dem Trend der Zeit geschuldet, der da heißt: Die Menschen haben kaum mehr Lust, sich in einem Chor zu engagieren. „Wir wollen deshalb versuchen, uns zeitgemäßer aufzustellen“, sagte MCB-Leiter Harald Jüngst in einer Pressekonferenz vor dem Konzert.

Mehr Spektakel, mehr Pop

In jeder Hinsicht: Großflächige Werbung in Bussen der Stadt wie vor wenigen Wochen. Aber vor allem: Mehr Spektakel, mehr Besonderes, mehr Pop bei Konzerten. An diesem Abend war das deutlich zu spüren. Und die Reaktion des Publikums auf das gestreckte Konzert, in dem mehr geboten wurde als nur Chorgesang, war eindeutig: Die Gäste spendeten lauten Beifall und jubelten. Das ließ darauf schließen, dass der Plan der Sangesbrüder aufgehen könnte. Die Kunde vom neuen Geist, der diesen traditionsreichen Chor umweht, muss sich eben nur noch weiter herumsprechen.