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WahrzeichenDie Geschichte des ersten Bayer-Kreuzes in Leverkusen

5 min
Carl Duisberg nahm die offizielle Eröffnung des ersten Bayer-Kreuzes persönlich vor.

Das erste Bayer-Kreuz: Die Einweihung besorgte Carl Duisberg persönlich.

Der Opladener Geschichtsverein hat einen Beitrag zur ersten Konstruktion des Wahrzeichens veröffentlicht.

Auch wenn sich Carl Duisberg 1933 aus dem Tagesgeschäft schon weitgehend zurückgezogen hatte, ließ es sich der langjährige und prägende Generaldirektor am 20. Februar 1933 nicht nehmen, das Bayer-Kreuz persönlich feierlich anzuschalten. Ein „Symbol für den deutschen Unternehmergeist“ sollte es sein: 72 Meter im Durchmesser und beleuchtet von 2200 Glühbirnen. Der Opladener Geschichtsverein hat sich in seinem Band „Stadträume – Zwischen den Kriegen“ ausführlich mit dem ersten Bayer-Kreuz beschäftigt.

Wie Philipp Schaefer, der Autor des Beitrags, herausarbeitet, war in Duisbergs Ansprache, die im Buch des OGV vollständig abgedruckt ist, nichts von den Nationalsozialisten, die erst einen Monat zuvor die Macht ergriffen hatten, zu hören. Möglicherweise habe der Redetext schon länger existiert, sagt Schaefer. Denn die Einweihung hatte sich verzögert. Zeit, sie umzuschreiben, sei dennoch gewesen. Vier Monate später allerdings, am 15. Juli 1933, erwähnte Duisberg bei der Eröffnung des Werksschwimmbads (CD-Bad) Adolf Hitler namentlich und beendete seine Rede mit dem Hitler-Gruß.

Fabian Engel, Historiker aus dem Bayer-Archiv, ordnet das im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“ ein. Der Grund sei mit großer Wahrscheinlichkeit der am 14. Dezember 1933 unterzeichnete Benzinvertrag. Das Feder-Bosch-Abkommen, wie es offiziell hieß, war zwischen dem Deutschen Reich und der I.G. Farben, in der Bayer 1925 aufgegangen war, geschlossen worden. Es besagt, dass die I.G. Farben bis zum Jahresende 1935 mindestens 300.000 und höchstens 350.000 Tonnen synthetisches Benzin produzieren musste. Der Staat gab die Garantie, dem Unternehmen die Menge abzunehmen.

1933: Monteure warten das erste Bayer-Kreuz.

1933: Monteure warten das erste Bayer-Kreuz.

So habe die I.G. Farben eine Garantie auf Wirtschaftlichkeit in Deutschland gehabt. Zuvor sei man auf den Import und Export angewiesen gewesen, sagt Engel. Das bestätigt auch ein Satz aus Duisbergs Rede zur Bayer-Kreuz-Eröffnung: „Der Export aber ist und bleibt eine Lebens- und Existenzfrage des deutschen Volkes.“ Und mit der autokratischen Wirtschaftspolitik der Nazis, möglichst alles im eigenen Land und fürs eigene Land zu produzieren, habe die I.G. Farben bis dahin gar nichts anfangen können.

Vorbild RWE? Das ist fraglich

Die I.G. Farben verbreitete über die Idee zum Bayer-Kreuz eine Erzählung, die eher als Legende eingeordnet werden kann. Angeblich soll nämlich Wilhelm Rudolf Mann, ehemaliger Direktor der I.G. Farben, auf der Rückfahrt mit der Eisenbahn von Berlin die RWE-Leuchtbuchstaben über Düsseldorf als Vorbild genommen haben.

In einer Akte aus dem Bayer-Archiv, die unter anderem Grundlage für den Beitrag von Philipp Schaefer ist, werde aber nicht bestätigt, „dass die Realisierung des Bayer-Kreuzes auf eine geniale Idee Wilhelm Manns zurückgehe“, schreibt Schaefer im OGV-Artikel. Vielmehr – und das bestätigt auch Bayer-Historiker Engel – sei es der Berliner Ingenieur Max Haase gewesen, der 1930 „mit der Ausführung einer Lichtreklame für RWE beschäftigt war“ und am 13. März schrieb: „Das Werk Leverkusen liegt an der meistbefahrenen Bahnstrecke Europas. Es ist jedoch in keiner Weise als solches für die Durchreisenden erkennbar. Wäre es da nicht vorteilhaft, durch eine der Bedeutung des Werkes, welches ohne Übertreibung einen Weltruf hat, entsprechend große Lichtanschrift auf seine Lage aufmerksam zu machen?“

Anfang 1933: Das Kreuz wird aufgerichtet.

Anfang 1933: Das Kreuz wird aufgerichtet.

Zuerst habe Haase an eine Reklame mit den Buchstaben „IG“ gedacht. Er entwarf dementsprechend eine zweite Skizze. Dennoch war der I.G. Farben zum Trotz der Name Bayer nicht vom Markt verschwunden, das Kreuz-Logo gab es bereits seit 1904 – 1929 war es laut Schaefer im kaiserlichen Patentamt eingetragen worden.

Von Haases Vorschlag 1930 bis zum Baubeginn vergingen noch einmal zweieinhalb Jahre. Wieso, geben die Quellen nicht her. 55.000 Reichsmark weist der erste Kostenvoranschlag vom 25. August 1932 aus. Die Standberechnung für das Kreuz zwischen den Schornsteinen nahm Ende November 1932 die Firma Heinicke Schornstein- und Feuerungsbau aus Chemnitz vor. Eine Vorgabe aus dem Bestellschreiben lautet: „Zudem soll die Schrift bei einer für die hiesige Gegend normalen Witterung von normalsichtigen Personen […] im Umkreise von 7 km gut lesbar und der Schriftsatz nicht verzerrt sein.“ Das erste angepeilte Datum, an dem das Kreuz leuchten sollte: 23. Dezember 1932.

Daraus wurde aber nichts, zudem wurde das Wahrzeichen teurer als veranschlagt. Auch der zweite Zeitraum, 18. bis 20. Januar 1933, konnte nicht gehalten werden. Die Schuld dafür gaben sich Haase und der Konzern gegenseitig. Am Ende sollte das erste Bayer-Kreuz 65.500 Reichsmark kosten.

Heute leuchtet die zweite Konstruktion des Bayer-Kreuzes.

Heute leuchtet die zweite Konstruktion des Bayer-Kreuzes über der Stadt.

Bei der Eröffnung am 20. Februar 1933 waren 63 Pressevertreter anwesend. Nicht nur aus der Region, sondern auch aus Berlin, Leipzig, München und sogar aus Schweden. Sie wurden vom angeblichen Erdenker des Bauwerks, Wilhelm Mann, empfangen und bekamen Führungen durch diverse Werksteile.

Zur Einweihung war zuvor auch das „Bayerkreuz-Lied“ komponiert worden. Das Telefunken-Orchester (Leitung Leo Eysoldt) spielte den Marsch ein, Erwin Hartung sang unter anderem folgenden Text der ersten Strophe: „Es strahlt ein Licht vom Rheine her, verkündet deutsche Arbeit Ehr'. Nimm Bayer, nimm Bayer, denn Bayer ist gut! Es ruft das Lichterkreuz am Rhein die Mahnung in die Welt hinein: Nimm Bayer, nimm Bayer, denn Bayer ist gut!“ Das Stück war nicht das einzige, das über das Kreuz entstand.

Lange leuchtete das erste Bayer-Kreuz nicht über der Stadt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 musste Bayer das Wahrzeichen wegen der Verdunkelungsvorschriften im Krieg zunächst abschalten. Im Sommer 1944 wurde es demontiert. 14 Jahre später wurde das bis heute leuchtende – und kleinere – Kreuz neu aufgebaut.