Leverkusen – Jürgen Ohrem weiß, wie er reden muss, um Menschen zu überzeugen. Schließlich ist er seit 27 Jahren Leiter der Leverkusener Musikschule. Und das bedeutet: Er ist der Leiter eines landesweit renommierten Hauses, das trotz vieler Probleme – leere Kasse, Ganztagsschule, Personalmangel – nach wie vor zu den wichtigsten seiner Art im Lande gehört. Dass Jürgen Ohrem nun an diesem Sonnenfrühlingstag im Spiegelsaal des Schlosses steht und den Leverkusener Löwen erhält, ist nur recht und billig.
Ohrems verbales Rückgrat
Und es lässt ihn sagen: „Für mich ist es nicht selbstverständlich, dass ein solcher Preis an den Leiter einer Institution geht, die noch immer als „nett zu haben“ angesehen wird.“ Dieser Zustand, dieses mangelnde Ansehen der Kultur in den Kommunen, sei „unerträglich“. Das ist deutlich. Das ist verbales Rückgrat.
Und Rückgrat – das ist das Erfolgsgeheimnis dieses Mannes und der Grund, warum unter seiner Leitung zig Ensembles und Orchester aus dieser Einrichtung hervorgingen, die nicht nur Stadtfeste bespielen, sondern Konzerte weit jenseits des Rheinlandes geben. Jürgen Ohrem hat diese Auszeichnung verdient, die seit 2006 an Personen geht, die sich um das Image der oft imagekranken Stadt Leverkusen verdient gemacht haben.
Die Bronzeskulptur – vom 2014 verstorbenen Leverkusener Künstler Kurt Arentz gefertigt – steht einem wie ihm zu. Das bringt nicht zuletzt OB Uwe Richrath auf den Punkt, als er betont, dass derzeit 46 Ensembles aus Jürgen Ohrems Hause bis zu 300 Auftritte pro Jahr absolvierten und die Arbeit, die hinter all dem stecke, „nichts zu tun hat mit Dienst nach Vorschrift“.
Ein Film rührt zu Tränen
Und das bestätigen auch die eigenen Zöglinge, die ihrem Schulleiter einen Film vorspielen, mit dem sie ihn zu Tränen rühren und in dem sie ihn als Visionär bezeichnen. Als einen, der sie inspirierte. Der ihnen die Musikschule zur Heimat werden ließ. „Ihm geht es nicht um das Spiel am eigenen Instrument. Ihm geht es um das gemeinsame Musizieren“, sagt Julian Hilgert. „Um Musik, die Brücken baut.“ Die israelische Sängerin Jeanne Rabin trällert: „Jurgen with his heart of gold.“ Jürgen mit seinem Herz aus Gold. So ist es. Und dass anlässlich der Ehrung des Musikschulleiters auch die den Festakt rahmende Musik besonders ist, kann nicht verwundern.
Klezmer als Herzensangelegenheit
Stichwort: Klezmer. Dafür hat Jürgen Ohrem ein Faible. Für die Musik der Juden, die ihn und seine Schüler schon zigmal mit israelischen Jugendlichen und Musikern zusammenbrachte und zu Holocaust-Gedenkstätten führte, um dort zu trauern – und mit Konzerten Hoffnung zu schöpfen. Der Klezmer bedeutet ihm Völkerverständigung, sein Erhalt ist ihm Lebensaufgabe. Selbstverständlich spielt an diesem Tag also auch das Klezmer-Ensemble der Musikschule. Passender kann die Ehrung eines Musikliebhabers und Menschenfreundes wie Jürgen Ohrem nicht sein.
