- Die repräsentative Umfrage soll für Stadtverwaltung und Stadtrat eine verlässliche Grundlage für künftige Entscheidungen sein.
- Bei der letzten Bürgerbefragung 1999 haben die Leverkusener vor allem das Auto benutzt - für satte 63 Prozent aller zurückgelegten Strecken.
- 17 Jahre später liegen ÖPNV und Radfahren im Trend - auch wegen der Stau-Plage auf innerstädtischen Straßen.
Leverkusen – Die letzten Zahlen stammen aus dem Jahr 1999. „Da bin ich gespannt, was sich verändert hat“, sagt Christian Syring. Der Leiter des Tiefbau-Ressorts im Rathaus referiert am Montag die gut eineinhalb Jahrzehnte alten Zahlen: Damals benutzten die Leverkusener vor allem das Auto. Für 63 Prozent der Strecken setzten sie sich hinters Lenkrad. 16 Prozent der Kilometer absolvierten sie zu Fuß, zwölf Prozent mit dem Rad. Mit neun Prozent waren Bus und Bahn abgeschlagen.
Seitdem sind zum Beispiel die Nutzerzahlen der Wupsi stetig nach oben gegangen. Radfahren liegt im Trend. Und die Stau-Plage auch auf den innerstädtischen Straßen hat sich stark ausgebreitet. Vor allem wegen des Nadelöhrs Rheinbrücke. Hat das Einfluss auf den täglichen Transport von A nach B? Diese Frage soll in den kommenden Monaten beantwortet werden. 5200 Leverkusener Haushalte werden befragt. Die Daten würden anonym ausgewertet, alle personenbezogen Angaben vernichtet, sobald sie ausgewertet sind, versichert Michael Frehn. Sein Büro Planersocietät hat schon in 25 Städten die Bürger befragt, wie sie ihre Wege zurücklegen. Durch die Auswertungen „haben wir schon einen guten Datenpool“, sagt er im Elberfelder Haus. Dort sind die Technischen Ressorts der Stadtverwaltung zu Hause.
Es gilt, Verkehr zu vermeiden
Die hohe Zahl der Befragten soll die Umfrage repräsentativ machen, obwohl die Rücklaufquote auf lediglich 15 bis 20 Prozent geschätzt wird. In jedem Fall soll sie für Stadtverwaltung und Stadtrat eine verlässliche Grundlage für Entscheidungen sein. Zwar ist kaum anzunehmen, dass der Auto-Anteil an der Mobilität inzwischen ins Bodenlose gefallen ist. Mit Blick darauf, dass das eigentlich sehr gute Straßennetz der Stadt langsam an seine Aufnahmegrenzen stößt, ist Andrea Deppe sicher: „Wir müssen uns etwas anderes überlegen.“ Es sei kein Weg „neue Straßen zu bauen – und dann wird alles wieder gut“. Vorstellbar wäre, das Busnetz zu erweitern, ein System für Leih-Fahrräder aufzubauen, das E-Bike zu fördern oder mehr Autos zu teilen. Schließlich gelte es, Verkehr zu vermeiden. Dazu müsse aber der Einzelhandel in den kleineren Stadtteilen gestärkt werden, zum Beispiel.
Sicher ist aus Sicht der Baudezernentin: „Der Umstieg wird eine schwierige Phase.“ Womöglich wird die Umstellung leichter durch den absehbar höheren Leidensdruck, dem die Autofahrer ausgesetzt werden, wenn erst einmal die Mega-Baustelle Autobahn eröffnet wird. Dass sich mit dem absehbaren Verkehrschaos die Datenlage in Sachen Mobilität wohl fundamental und für viele Jahre verändern wird, daran stören sich die Fachleute in der Stadtverwaltung erst einmal nicht.
Auch Andere kommen zu Wort
Nach dem Zensus soll geredet werden: zunächst mal mit dem ADAC und den ADFC, der Handwerks- sowie der Industrie- und Handelskammer. Auch andere als die jetzt ausgeguckten 5200 Haushalte sollen Gelegenheit bekommen, sich zur Lage zu äußern.
Andrea Deppe ist überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Mobilität auch Folgen für ihr Haus haben wird. „Wir werden irgendwann beginnen müssen, die Verwaltungsstrukturen an die Erfordernisse anzupassen.“ Der städtische Mobilitätsmanager ist indes noch in der Ausbildung.
