Leverkusen – Hupend überholt mich ein schwarzes Auto auf dem Europaring. Darin: Drei Männer, die lachen und winken. Wenn man mit wehenden blonden Haaren auf einer leuchtend roten Vespa unterwegs ist, passiert das schon mal. Aber diese Jungs waren doch sehr euphorisch. Sei ihnen gegönnt, ich denke mir nichts weiter dabei. An der nächsten Ampel steht ein Bus neben mir. Der Fahrer schaut rüber, fängt an zu grinsen, dann winkt er. Kann ich sogar etwas Mitleid in seinem Blick erkennen? Da geht mir ein Licht auf. Es ist der Helm. Oder genauer gesagt: Die britische Flagge darauf.
Was wollt ihr mir sagen, liebe Leverkusener? Ist es Mitleid für die schmachvolle Niederlage gegen Island? Dafür, dass England nicht nur aus der EU, sondern auch aus der Euro raus ist? Oder Respekt dafür, dass ich trotz allem zu „meinem“ Land stehe? Ich muss Euch leider enttäuschen: Ich habe mich sehr für diese grandiosen Isländer gefreut. Und der Helm ist auch kein politisches Statement, sondern mehr ein Zufallsprodukt: Eigentlich wollte ich die zur Vespa passenden Italien-Version. Die gab es aber nicht mehr in meiner Größe und so habe ich mich spontan in den Union-Jack verguckt.
So ein Glück! Mit einem Italien-Helm würde ich in dieser Woche vor dem Viertelfinale gegen Deutschland nun doch nicht so gerne durch die Gegend fahren. Denn bei aller Begeisterung für die wackeren Wikinger gehört meine volle Unterstützung natürlich dem deutschen Team. Ab Sonntag würde ich dann vielleicht auch die Tricolore auf meinem Kopf dulden: Aber nur, wenn es dafür dann auch wieder mitleidige Blicke und aufmunterndes Winken gibt.
