Kempershöhe – Viele falsche Töne begründeten vor 44 Jahren eine Sammelleidenschaft, die Jahrzehnte später in ein ganz außergewöhnliches Museum mündete.
Als Dr. Ullrich Wimmer das Klavierspielen übte, machte er immer wieder an der gleichen Stelle Fehler. 1971 stieß er in Bonn als 24-jähriger Student bei einem Konzert von Max Reger auf ein selbstspielendes Klavier. Die Leidenschaft für mechanische Instrumente nahm ihren Anfang. „Ich kaufte ein solches Klavier, und der Ärger über die Fehler war passé“, erinnert er sich.
Zu diesem ersten Klavier gesellten sich im Laufe der Jahre mehr als 200 mechanische Instrumente – darunter wunderschön gearbeitete Drehorgeln und luxuriöse Spieluhren – und profunde Fachkenntnis.
Bis zu seinem Ruhestand war der promovierte Theologe als evangelischer Pfarrer tätig. Er war Seelsorgedezernent und Gesangbuchreferent, arbeitete für das Düsseldorfer Landeskirchenamt. Mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben ging auch ein Ortswechsel einher, denn die Wohnung in Düsseldorf wurde zu teuer.
Viel mehr als nur Musik
Dr. Ullrich Wimmer und seine Lebensgefährtin Doris van Rhee wurden in Marienheide-Kempershöhe fündig. Dort stand die Kapelle zum Verkauf. Im Frühjahr 2008 gründeten sie, nach der Sanierung des Gebäudes, das Bergische Drehorgelmuseum.
Ein Begriff, der heute laut Wimmer zu eng gefasst ist. Immerhin finden sich unter dem hohen Kirchendach neben den Drehorgeln auch eine Vielzahl anderer mechanischer Instrumente und sogar eine beeindruckende, reich verzierte Harfenuhr, die Friedrich der Große 1776 seinem Kanonen- und Glockengießer schenkte.
Seine Fachkenntnisse gibt Wimmer bei seinen Konzerten gerne an die Besucher des Museums weiter, doch sie sind auch international gefragt. „Am 21. Oktober halte ich die Eröffnungsrede zur Sonderausstellung des Museums für Musikautomaten im schweizerischen Seewen“, berichtet der Experte.
Die Ausstellung ist eine Hommage an den Automatenbauer Franz Oehrlein, mit dem Wimmer bis zu dessen Tod 2013 befreundet war. Zwei von Oehrleins Drehorgeln mit beweglichen Figuren und eine Oehrlein-Bühne hat Wimmer an das Museum in Seewen ausgeliehen.
Was aber ist nun so faszinierend an mechanischen Instrumenten? Wimmer gibt gleich mehrere Antworten. „Die Instrumente sind kulturhistorisch interessant, weil sie Zeitgeschichte spiegeln. Musikhistorisch sind sie spannend, weil sie einen Eindruck davon vermitteln, wie Musik früher, zum Beispiel im 18. Jahrhundert, klang.“
Außerdem vermittelten die Instrumente einen spannenden Einblick in die Geschichte der Technik und erzählten in den Bildern und beweglichen Szenen Geschichten aus dem Alltag der Menschen.
Im Bergischen Drehorgelmuseum finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Die Termine dazu finden sich im Internet: