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Endspurt als BürgermeisterAns Packen denkt Wilfried Holberg noch nicht

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Gut, dass sein Büro so breite Fensterbänke hat: An all den Projekten, die sich dort stapeln, will Wilfried Holberg bis zu seinem letzten Arbeitstag noch mit Volldampf arbeiten.

Bergneustadt – Zu den Vorteilen des geräumigen Bergneustädter Bürgermeisterbüros zählen neben den Fensterfronten Richtung Osten und Süden auch großzügige Fensterbänke. Dort liegt ein halbes Dutzend Stapel, hunderte Seiten Papiere über Vorgänge, an denen der scheidende Amtsinhaber Wilfried Holberg gerade noch arbeitet.

Keine zwei Monate hat er noch Zeit, Dinge abzuschließen oder so weit vorzubereiten, dass sein Nachfolger sie möglichst reibungslos übernehmen und fortführen kann. Am 31. Oktober ist definitiv Schluss, dann übernimmt der Neue.

Wer denkt, Holbergs sechsjährige Amtszeit würde in den letzten Tagen und Wochen langsam ausklingen, täuscht sich. Holberg packt noch lange nicht zusammen. Zwar hat es wegen Corona in den vergangenen Monaten weniger Präsenztermine für den Bürgermeister gegeben, aber weniger zu tun sei deswegen nicht gewesen.

Der Druck, sagt er, halte unvermindert an auf die Mitarbeiter im Rathaus. Und überhaupt: „Ich werde ja auch bis zum 31. Oktober bezahlt.“ Bis Mitte Oktober dauert die Offenlage der Pläne für die Neue Mitte. Danach müssen die Anregungen und Bedenken schleunigst bearbeitet werden, Anfang November soll abgestimmt werden. Fast schon sehnsüchtig wartet Bergneustadt auf den A-Stempel für die Altstadt, der Gesamtförderantrag für das Mammutprojekt muss Ende des Monats raus. Mit dem Automobilzulieferer Matinrea hat sich Holberg mündlich über den Rückkauf des Firmenparkplatzes am Dreiort geeinigt, dringend wird die schriftliche Zusage erwartet. Einen Investor für das Gelände hat Holberg mit der Overather Firma Barlog in der Warteschleife. Zum Glück hat Corona auch bei dem Unternehmen, das seinen Firmensitz an die Dörspe verlegen will, ebenfalls für Verzögerungen gesorgt.

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Gerade hat sich die Genossenschaft für den Kulturtreff Jägerhof gegründet, am Businessplan für den Immobilienfonds Altstadt arbeitet Holberg mit Hochdruck. Den muss er selbst aufstellen, im Rathaus hat das noch niemand gemacht. 15 heimische Geldgeber wollen dem Fonds beitreten, der zum Verkauf stehende Altstadt-Häuser erwerben, sanieren und wieder am Markt platzieren soll. Für jeden privaten Euro legt die Sparkasse drei drauf. Über drei Millionen Euro wird der Fonds verfügen können. Der Fonds ist eine Herzensangelegenheit Holbergs, den will er bis zum Ende seiner Dienstzeit unbedingt noch hinbekommen.

Fast alle Grundstücke für das Gewerbegebiet Schlöten II in Wiedenest hat die Stadt zusammen, auch für das Gelände neben dem Krawinkelsaal am Südring wurde eine Gruppe von Investoren gefunden, die dort für ihre Firmen ein Dienstleistungs- und Wohnhaus bauen wollen. Und, und , und ...

Wie an seinem Schlagzeug wirbelt der 65-Jährige in den letzten Wochen im Rathaus. 20 Tage Urlaub hätte er noch. Vor der Stichwahl wird er mit Ehefrau Karin eine Woche verreisen, den Rest lässt er verfallen, „darauf kommt’s jetzt auch nicht mehr an“. Wichtiger ist, mit einem guten Gefühl zu gehen.

Die Entscheidung, nicht erneut zu kandidieren, sei richtig gewesen, sagt er. Er sei nicht sicher, ob er für dieses Tempo noch fünf Jahre Kraft und Motivation hätte aufbringen können. Und was macht er im Ruhestand, wenn plötzlich alles von einem Tag auf den anderen runterfährt auf Null? „Außer dass ich am 2. November nicht arbeiten gehe, gibt es noch keinen Plan.“