Auch im Kreis setzen die Betreiber auf Öffnungszeiten rund um die Uhr – und das an allen Tagen, etwa in Nümbrecht, Bergneustadt und Gummersbach.
Fitnessstudios mit 24/7-BetriebSporteln in Oberberg, wann immer es gerade passt

25 und 30 Kilogramm schwere Säcke packen sich Melanie und Phillip Plachta gern auf den Rücken, wenn sie in der Frühe trainieren. In Bergneustadt hat das Fitnessstudio „J+ Just More“ 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche für solche Stammgäste geöffnet.
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Sie pendelt zwischen der Arbeit im Büro und dem Job im Sonnenstudio, Sohn und Tochter müssen zur Schule gefahren werden, der Einkauf will ebenso erledigt werden wie so manche Aufgabe im Haushalt. Aber auf Sport verzichten? Das kommt für Kristina Rotärmel nicht in Frage. Wenn die Kinder – acht und zehn Jahre alt – im Reich der Träume wandeln (Der Opa ist in der Nähe), dann packt die 33-jährige Waldbrölerin die Sportklamotten und fährt nach Nümbrecht.
Dort ist das Fitnessstudio im Sportpark nämlich immer offen. Neulich hat die Alleinerziehende dieses für sich entdeckt. Rotärmel schwärmt: „22, 23 Uhr, das ist meine Zeit: Dann zu trainieren, das ist total angenehm – auch, weil dann nur wenige Andere an den Geräten sind.“
In Nümbrecht sorgen die neuen Öffnungszeiten für viel Entspannung rund um die Geräte
Sporteln zu jeder Uhrzeit und das an jedem Tag der Woche – ein Trend, auch in Oberberg. Hier aber ist erst eine Handvoll an Studios im 24/7-Betrieb – in Gummersbach etwa, in Wiehl, in Bergneustadt und eben in der Schlossgemeinde Nümbrecht. „Nachdem wir den Sportpark saniert und im Mai vergangenen Jahres wiedereröffnet haben, ist das ,Studio24’ dauerhaft geöffnet“, berichtet Karina Tuttlies, Geschäftsführerin der Gemeindewerke (GWN).

Wenn Kristina Rotärmel im Fitnesssutdio des Nümbrechter Sportparks spät an die Geräte geht, dann hat Trainer Flo Sohn meistens schon Feierabend.
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Diese haben die Anlage an der Höhenstraße übernommen. Auch für die GWN zahlen sich die neuen Betriebszeiten aus: Die Kundschaft sei zufriedener. „Denn inzwischen haben wir rund 1200 Mitglieder – es knubbelt sich nicht mehr im Studio, es geht dort wesentlich entspannter zu“, sagt Tuttlies. Zugang verschaffen ein Chip (ein Transponder) und eine App auf dem Smartphone. Die zeigt zudem an, wie viel Betrieb ist rund um Wadenpresse, Beinstrecker, Kraftmaschine und Laufband. Rein und ran darf nach 22 Uhr ohne jegliche volljährige Begleitung, wer mindestens 18 – was überall so ist.
Und wenn andere am ersten Frühstückskaffee nippen, dann hat Phillip Plachta die ersten Runden längst hinter sich. „Meistens bin ich gegen vier hier“, sagt der 35-Jährige aus Kierspe und meint das untere Geschoss von „J+ Just More“ in Bergneustadt. Auch dort sind die Türen niemals geschlossen, hält man seinen Mitgliedschip daran.
Um 7 Uhr beginnt die Arbeit des kaufmännischen Angestellten im Kundenservice der Kiersper Stadtwerke. Seit zwei Jahren trainiert Plachta an der Kölner Straße, und das an sieben Tagen in der Woche – und aufwendiger als manch anderer: „Ich nutze immer zwei oder drei Geräte in engen Zyklen – aber um vier schaut mich deswegen noch keiner schräg an“, verrät er.
Auch Ehefrau Melanie ist in Bergneustadt immer ganz früh mit von der Partie
Die treue Trainingskomplizin Melanie tut dies erst recht nicht: Sie ist Plachtas Ehefrau, spätestens ab fünf mischt die 32-Jährige selber mit: „Sehr angenehm, sehr ruhig“, beschreibt sie die Atmosphäre im Bergneustädter Studio. Das ist ein echtes Familienunternehmen mit heute mehr als 60 Mitarbeitenden, den Fitnessbereich führen Tanja und Stefan Polzer. Sie vermuten, dass sie in Oberberg die ersten gewesen sind mit einem Studio im 24-Stunden-Betrieb, der seit 2017 läuft.
Stefan Polzer erinnert sich an seine neidischen Blicke von einst, wenn er, oft spät in der Nacht, durch Köln gekurvt ist und Menschen gesehen hat, die Muckis in Schwung bringen: Im Hauptberuf ist der heute 52-Jährige nämlich Polizist, Nachtschichten fährt er keine mehr. Anzeigen gegen die eigene Kundschaft schreiben musste er bisher nicht: „Unsere Gäste verdienen absolut unser Vertrauen, sie gehen sorgsam mit den Geräten um – es geht nichts kaputt“, führt Ehefrau Tanja aus.
Sie hätte übrigens früher nicht geglaubt, dass 24/7 im „kleinen Bergneustadt“ funktioniert, verrät die 46-Jährige und freut sich, dass die eigene Mannschaft nun mehr und regelmäßig Freizeit hat als zuvor. „Der Bedarf an frühen und späten Trainingszeiten ist da – unser Studio ist selten leer.“ Ihr Mann Stefan ergänzt, dass das auch an den vielen Industriebetrieben in Bergneustadt liegt, die in Schichten arbeiten.
Gerade Menschen, die in Schichten schuften, kämen gerne um 4 Uhr vor der Arbeit vorbei, um Gewichte zu stemmen, berichtet auch Alisa Glumm (25), Studioleiterin bei Anytime Fitness in Gummersbach-Dieringhausen. Das ist seit April 2025 eine Filiale eines Düsseldorfer Franchise-Anbieters. „Tatsächlich werden Steckgewichte am frühen Morgen besonders oft genutzt.“ Zudem erwartet Glumm, dass die Zahl der frühen Gäste in den kommenden Jahren deutlich steigen wird.
