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Für die EwigkeitBergneustädter Archiv veröffentlicht Geschichte im Internet

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Stadtgeschichte in Pappkartons: Obwohl offiziell bereits im Ruhestand, kümmert sich Hubertus Dan nach wie vor um die städtischen Akten und Unterlagen, die der Nachwelt erhalten bleiben sollen

Bergneustadt – Die erste Überraschung beim Besuch des Bergneustädter Stadtarchivs ist, dass die zigtausenden Akten und Dokumente nicht im Keller unterhalb der Amtsstuben verwahrt werden, sondern im obersten Stockwerk hinter größtenteils mit schwarzer Folie zugeklebten Fenstern. In der vierten Etage, ganz am Ende des Flurs, hütet Hubertus Dan in auf Schienen verschiebbaren Regalen und in nummerierten Kartons verstaut, was der Nachwelt erhalten bleiben soll. „Im Keller ist die Luft zu feucht. Das bekommt den Sachen nicht“, erklärt er.

Eigentlich hat Dan längst „Feierabend“ und könnte sich ganz dem Golfspiel widmen. Aber seit er letztes Jahr in den Ruhestand ging, dreht er anscheinend erst recht auf: Als 450-Euro-Kraft kümmert er sich weiter um das Stadtarchiv. Und als ehrenamtliche Zugabe forciert er seitdem die Präsentation von Dokumenten oder ganzer Chroniken im Internet. Mit der digitalen Veröffentlichung wichtiger Archivalien verbindet Dan, was er in seinen Jahren bei der Stadtverwaltung schon gut kombinieren konnte: seine Aufgabe als Systemadministrator der städtischen EDV und die stundenweise Arbeit im Archiv.

Dabei ist das Archiv alles andere als ein Hobby. „Ein Archiv zu haben, ist eine städtische Pflichtaufgabe“, sagt Dan, „und es ist für die Ewigkeit.“ Was einmal dort Aufnahme gefunden hat, bleibt bewahrt. Und erst wenn es dort registriert ist, ist es auch verfügbar. Vorher gilt es als nicht existent.

Zeitdruck gibt es nicht

Das Bergneustädter Archiv besteht aus drei Teilen: dem Aktenarchiv, das 1895 einsetzt, dem 1806 mit der napoleonischen Besetzung des Rheinlands eingeführten und heute vom städtischen Standesamt geführten Personenstandsarchiv und dem von Bauamt betreuten Bauarchiv mit einer Akte für jedes Haus im Stadtgebiet.

Daneben werden noch Heimatbücher gesammelt, Prospekte bedeutender Firmen, Schul- und Vereinschroniken. Zusätzlich gibt es ein Fotoarchiv. 5000 Fotos auf Papier gibt es und etwa 20 000 hat der Archivar bereits digitalisiert.

Das Aktenarchiv ist Dans Sache. 10 000 Akten sind eingepflegt, weitere 1000 bis 2000 müssen noch erfasst werden. Die stammen zum Teil noch von Dans Vorgänger. Was drin steht, kann der Archivar erst sagen, wenn er sie registriert hat. Aber das kann dauern, dazu hatte er schon all die vergangenen Jahre nicht genug Zeit. Wahrscheinlich wird er die Sachen seinem Nachfolger hinterlassen. Zeitdruck gibt es nicht in der Archivarbeit.

Schredder oder Archiv

Einmal im Jahr vernichtet die Stadtverwaltung Unterlagen, die sie nicht länger als zehn Jahre aufbewahren muss. Was die Ämter aussortieren, müssen sie laut Archivgesetz dem Archivar anbieten. Der entscheidet, was damit geschieht. Hubertus Dan: „In der Regel landen 95 Prozent im Schredder, der Rest im Archiv. Mehr geht nicht, sonst würde es schnell aus allen Nähten platzen.“

Anhand dessen, was aufgehoben wird, soll Verwaltungshandeln über Generationen hinweg nachvollziehbar sein. Ein Beispiel: Warum wurde die B55 so gebaut wie sie gebaut wurde? Was führte zu den Entscheidungen, gab es Widerstand, wie verlief die Diskussion, wie die Kommunikation mit anderen Behörden? Solche exemplarischen Vorgänge hebt Dan auf, genau wie die Protokolle der Ausschuss- und Ratssitzungen nicht weggeworfen werden. Was in politischer, rechtlicher, wirtschaftlicher, sozialer oder kultureller Hinsicht historisch interessant sein kann und der Sicherung berechtigter Belange der Bürger dient, gehört zur sogenannten „Überlieferungsbildung“, wie der Archivar es nennt.

Da würden Unterlagen zur Bergneustädter Stadtgründung gut passen, aber zu dem gerade digital begangenen 720. Stadtgeburtstag kann das städtische Archiv aus grauer Vorzeit nichts beitragen. Urkunden zur Stadtgründung etwa lagern in den Archiven der früheren Besitzer, etwa der Grafen von Berg. „Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte Bergneustadt ja immer irgendwem.“

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Zu Überlieferungsbildung gehört auch, dass Archivar Hubertus Dan es sich zur Aufgabe gemacht hat, bemerkenswerte Stücke aus dem Archiv auf der Internetseite der Stadt Bergneustadt zu präsentieren. Seit kurzem gibt es dort außerdem die „Archivalie des Monats“ samt Transkription ins Lesbare und historischen Erläuterungen zum in der Urkunde geschilderten Sachverhalt. Über die Internetseite können Bürger auch Archivanfragen, etwa nach Vorfahren, stellen.

archiv-bergneustadt.de