Abo

Nach rassistischen RufenEmotionale Botschaft bei Sitzung der „Roten Funken“ des TuS Belmicke

Lesezeit 2 Minuten
Tanzmariechen der „Roten Funken“ aus Belmicke bei einem Auftritt auf der Bühne.

Die Tanzgruppe geriet selbst in den Verdacht der Fremdenfeindlichkeit, nachdem bei ihrem Auftritt „Ausländer raus“ gerufen worden war.

Die Funkengarde hat ein neues Medley eingeübt, denn zu dem Lied „L'amour Toujours“ hatte es zweimal rassistische Rufe bei Auftritten gegeben.

Es ist ungewöhnlich, dass die lautesten Beifallsbekundungen auf einer Karnevalssitzung beim „Abspann“ erfolgen, noch dazu bei der 70. Jubiläumsauflage. Doch im St. Anna-Heim auf der Hohen Belmicke ist nichts unmöglich. Tosenden Applaus erhielt Lisa-Marie Gerke, Trainerin der „Roten Funken“, für ihre emotionale Erklärung nach dem Auftritt der Tanzgruppe.

Zu Beginn des Programms hatten die Blauen und die Grünen Funken die rund 250 buntkostümierten Gäste auf der Sitzung des TuS begeistert. Zwischendurch zogen „Willi und Ernst“ aus Koblenz als rüstige Rentner vom Leder, ebenso Joachim Jung als „Lieselotte Lotterlappen“. Nachdem sich die beiden Sitzungspräsidenten Rainer Tomasetti und Kevin Mankel auch gesanglich als Duo präsentiert und ihren Auftritt mit Handpuppen untermalt hatten, kämpften die Mädchen aus Schönau bei Wenden in ihrem Showtanz um das Licht, das sie gegen dunkle Mächte verteidigten.

Ruf „Ausländer raus“ bei Auftritten der Funken aus Bergneustadt-Belmicke

Die Girls von der Prinzengarde Olpe zeigten ebenfalls Showtanz mit einer Reise durch das Sauerland. Nach der Männertanzgruppe Oberveischede und den Altstadtladies aus Drolshagen brachte die Kölner Band „Eldorado“ den Saal zum Kochen.

In die aufgeheizte Stimmung hinein präsentierte sich die Funkengarde im 71. Jahr ihres Bestehens und glänzte durch ein Medley bei der Zugabe. Dieses Medley sei allerdings innerhalb von nur drei Tagen neu eingeübt worden, erklärte Lisa-Marie Gerke. Zuvor habe es das Lied „L'amour Toujours“ enthalten, mit dem Gigi D'Agostino Anfang der 2000er Erfolge feierte.

„Wir haben daran ein ganzes Jahr geprobt und vorige Woche sind wir bei zwei Auftritten deswegen angefeindet worden.“ Dabei ist dieser Song eigentlich ein Liebeslied, der allerdings in den letzten Monaten von der rechten Szene gekapert und textlich mit dem Ruf „Ausländer raus“ ergänzt wurde.

Nachdem die Tanzgruppe deswegen als „fremdenfeindlich“ diffamiert worden sei, hätte sie das Lied sofort aus dem Programm genommen. „Wir wollen keinen Nährboden für solche Reaktionen liefern – wir schätzen es, wenn der Karneval bunt ist“, sagte die Trainerin. Präsident Tomasetti ergänzte: „Der TuS Belmicke ist eine große Familie. Wir brauchen keine Grenzen und freuen uns über alle Menschen.“

Und so klang die Sitzung mit der völkerverbindenden Hymne „Unsere Stammbaum“ von den Bläck Fööss im Gedanken an gegenseitige Toleranz nach rund fünf Stunden aus. 

Rundschau abonnieren