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Noch kein bisschen leiseManfred Bösinghaus ist seit 50 Jahren bei den „Slyboots“

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Bergneustadt – Das Kribbeln im Bauch vor jedem Auftritt hat er bis heute. Aber wenn Manfred Bösinghaus am Samstagabend um 19 Uhr mit den „Slyboots“ beim 15. „Rathausplatz Open Air“ in Bergneustadt auf die Bühne steigt, wird in den Bassisten noch ein anderes Gefühl beschäftigen: Vor 50 Jahren stand Bösinghaus keine 50 Meter entfernt im Krawinkelsaal zum ersten Mal mit den Slyboots auf der Bühne. Bergneustadts gute Stube war damals noch die ehemalige Kantine der Textilfabrik Krawinkel, die Tanzabende des Stadtjugendrings dort waren legendär.

Als einziger von der Originalbesetzung ist Bösinghaus bis heute dabei. Dass er mit seinen 65 Lenzen der mit Abstand älteste aktive Slyboot (= Schlaumeier) ist, stört in nicht. Schließlich war er nicht nur Mitbegründer, sondern über all die Jahre auch Motor der Band: „Es ist ein Kraftakt, das alles zusammenzuhalten.“

Jubiläumswunsch ist ein Oldie-Festival im kommenden Jahr

1965 gründete Bösinghaus zusammen mit den Bremicker-Brüdern Hartmut und Bodo sowie Hans-Dieter Chomsé die Combo. Ein Jahr später stieß Hans-Otto („Öttes") Freischlader dazu, auf Chomsé folgte bald schon Joachim Fuchs.

Beatles, Hollies und Rolling Stones waren damals angesagt. Mit dem Kopfhörer hockte man zu Hause vorm Loewe-Opta-Radio und versuchte, die englischen Texte zumindest lautgetreu mitzuschreiben. Mal Sandocks „Discothek im WDR“ wurden zur Inspiration, später im TV, „Disco“, „Beat-Club“ und „Plattenküche“.

Heute sitzt Bösinghaus unterm Dach seines Wohnhauses im eigenen Studio, kann sich Noten und Texte im Handumdrehen im Internet herunterladen. Was die Band spielt, wird gemeinsam entschieden. Die Basis des gesamten Repertoires sind Oldies mit mehrstimmigem Gesang. „Wir waren immer näher an den Beatles, Hollies oder Searchers als an den Stones oder Jimi Hendrix“, sagt Bösinghaus.

Ihren ersten Vertrag bekommen die Slyboots Ende 1966 für vier Konzerte im Krawinkelsaal. In Gummersbach gewinnt die Band bald danach ein Beat-Festival, aber: „Der Scheck über das Preisgeld von 600 D-Mark war nicht gedeckt, und unser Hallgerät wurde geklaut. Dafür lag am Ende eine Trompete bei unseren Sachen, die uns nicht gehörte“, sagt Bösinghaus und lacht.

Dass nicht alle Mitglieder 50 Jahre dabeigeblieben sind, ist natürlich. Umzug, Beruf, Karriere, andere Interessen – da kommt es immer wieder zu Wechseln. Auch die Slyboots mussten deshalb ab 1971 eine Zwangspause einlegen. 20 Jahre lang war von der Band nichts zu hören, bis sie 1991 ein viel umjubeltes Comeback feierte.

Heute sind neben Bösinghaus Sinah Meier, Manuel Chamorro, Ralf Zimmermann, Oliver Fuchs und Robert Schuller die Slyboots. Bösinghaus schätzt das Zusammenspiel mit Jüngeren. Die bringen neue Ideen mit und andere Sichtweisen. An anderen, sagt er, kann man als Musiker lernen, das ganze Leben lang.

Manche „Alt-Slyboots“ haben ihre Liebe zur Band vererbt. Joachim Fuchs’ Sohn Oliver gehört heute zur Besetzung. Freischladers Sohn Henrik, inzwischen einer der besten Blues-Gitarristen Deutschlands, spielte einige Jahre Solo-Gitarre. Durchschnittlich einmal monatlich trifft man sich zu Proben. Aber auch das klappt nicht immer. Vor Auftritten bekommen die Songs den letzten Schliff. Bösinghaus ist es, der die Setlist mit dem Programm des Abends in seinem Studio zusammenstellt und den anderen Bandmitgliedern zumailt. Die stimmen meist gerne zu.

Drei bis fünfmal im Jahr treten die Slyboots heute auf. Jetzt, da Bösinghaus im Ruhestand ist, könnten es ein paar Konzerte mehr werden. Das für September vorgesehene Jubiläumskonzert mit allen Musikern, die jemals dabei waren, musste aus Termingründen verschoben werden. Dann, so schwebt es Bösinghaus vor, sollen auch andere Bands von damals auftreten. Die Scions aus Engelskirchen, Speed Limit und die Driem Beus hätte er gerne dabei.

Ein bislang unerfüllter Traum der Slyboots ist eine Tour in England, „um dort aufzutreten, wo unsere Musik entstanden ist“. Im Ruhestand hat Manfred Bösinghaus jetzt ja Zeit, auch das zu organisieren. Ans Aufhören denkt er jedenfalls nicht.