Auf sechs Seiten setzen sich die Sozialdemokraten mit der Kritik an den Windrad-Plänen auseinander und kommen zu einem anderen Ergebnis.
Offener Brief an die BürgerSPD wirbt für Windrad-Betrieb durch die Stadt Bergneustadt

Windräder erzeugen Strom nicht nur auf umweltfreundliche Art – sie sind auch eine potenzielle Einnahmequelle für die Kommunen, argumentiert die SPD im Bergneustädter Stadtrat in ihrem Brief an die Bürgerschaft.
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Die SPD wirbt für die Nutzung von Windkraft im Bergneustädter Stadtgebiet. In einem offenen Brief an die Bürgerschaft, den die Stadtratsfraktion jüngst veröffentlicht hat, heißt es: „Der Sommer 2026 wird als ein weiterer Rekordsommer mit extremer Dürre in die Geschichtsbücher eingehen. Wir haben die Technik gegen die Klimakatastrophe: Wir müssen sie nur nutzen.“
Pläne sollen bis 2030 in Bergneustadt Realität werden
Im Juni hatten Vertreter der ERG-Gruppe, ein früherer italienischer Öl- und Gaskonzern, der in den vergangenen Jahren in Europa massiv in Windräder investiert, im Krawinkelsaal den aktuellen Stand ihrer Planungen öffentlich vorgestellt. Bis 2030 möchte ERG mindestens vier Anlagen in Bergneustadt bauen und auch selbst betreiben, drei Windräder in der Sülemicke nahe dem Laubberg und eines auf dem Beulberg. Die vorgesehene Höhe jeder einzelnen Anlage beziffert der Konzern auf 250 Meter.
Schon kurz vor der damaligen Bürgerversammlung gründeten Kritiker in der Stadt die Initiative „Gegenwind“, die seither die Planungen skeptisch kommentiert und auf Nachteile und Gefahren für Natur, Gesundheit und die Immobilienpreise vor Ort verweist, die ihrer Ansicht nach mit den mächtigen sich drehenden Rotorblättern verbunden wären.
Bergneustadts SPD nehmen Kritikpunkt unter die Lupe
Auf insgesamt sechs Seiten nehmen die Sozialdemokraten nun die von „Gegenwind“ vorgetragenen Hauptargumente unter die Lupe – und kommen zu einem deutlich windkraftfreundlicheren Ergebnis, angefangen bei der sozialpolitischen Bedeutung von günstiger Energie für alle über die Auseinandersetzung mit Schattenwurf, Speicherkapazität und Zukunft als Erholungsgebiet bis zum zusätzlichen Lastwagenverkehr, den die Baustellen nötig machen werden.
Dadurch ist eine große wirtschaftliche Chance vergeben und die Möglichkeit der direkten politischen Gestaltung der Energiewende vor Ort leichtsinnig aus der Hand gegeben worden.
Eine große Chance sieht die SPD in der Windkraft für die städtischen Finanzen und betont: „Durch den Betrieb von Windkraftanlagen erhält die Stadt Zugang zu drei Einnahmequellen: Pachteinnahmen aus städtischen Grundstücken, Beteiligungen aus dem Erneuerbaren Energiegesetz für produzierten Strom und langfristig auch Gewerbesteuereinnahmen.“ Auf diese Einnahmen solle Bergneustadt nicht verzichten und jenes Geld könne auch dabei helfen, zum Beispiel die Grundsteuerlast der Bergneustädter zu senken, sind die Fraktionsmitglieder überzeugt.
SPD Bergneustadt spricht sich für Betrieb in Eigenregie aus
Ausdrücklich kritisiert SPD-Fraktionschef Daniel Grütz die Entscheidung von CDU, FDP, UWG und Bürgermeister Matthias Thul in der letzten Wahlperiode, keine eigenen Stadtwerke zu gründen, diese hätten die Windräder auf eigene Rechnung betreiben können. Dadurch sei „eine große wirtschaftliche Chance vergeben und die Möglichkeit der direkten politischen Gestaltung der Energiewende vor Ort leichtsinnig aus der Hand gegeben“ worden, so Grütz. „Die Bürgerschaft in Bergneustadt wurde so auf die Zuschauerplätze gedrängt.“
Abschließend plädiert die SPD in ihrem Brief an die Bergneustädter dafür, in der ausgewiesenen Vorrangzone auf dem Hackenberg zumindest ein Windrad selbst zu betreiben und die Erträge zum Wohl der Stadt und damit der Bürgerschaft einzusetzen.
Eine Befragung der Bürger zum Thema Windenergie in Bergneustadt bringt die „Gegenwind“-Initiative auf ihrem Online-Auftritt ins Gespräch. Ähnlich hatte sich auch die UWG-Fraktion nach dem Informationsabend im Juni geäußert. Fraktionschef Jens-Holger Pütz kündigte damals an, sich auch von den durch das Land gesetzten hohen rechtlichen Hürden nicht ausbremsen zu lassen. Grünes Licht für eine Befragung müsste allerdings der Stadtrat geben.
