Thul ohne Holbergs HilfeBeratervertrag mit Bergneustadts Alt-Bürgermeister aufgelöst

Vertrag beendet: Wilfried Holberg und Matthias Thul.
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Bergneustadt – Nach deutlicher Kritik im nichtöffentlichen Teil seiner ersten Ratssitzung als Bürgermeister löst der neue Verwaltungschef Matthias Thul den Beratervertrag mit Alt-Bürgermeister Wilfried Holberg wieder auf. Thul hatte seinen Vorgänger engagiert, um Projekte wie den kurz vor der Gründung stehenden Immobilienpool für die Altstadt noch an den Start zu bringen.
Auch sollte er seine Unternehmenskontakte bei der Vermarkung von neuen Gewerbeflächen einbringen. Bis zu zehn Stunden in der Woche sollte Thul bei Holberg dafür abrufen können. Befristet war die Abmachung auf längstens ein Jahr. Gedacht war Holbergs Einsatz als eine Art „Überbrückungshilfe“, bis Thul seine eigene alte Stelle als Allgemeiner Vertreter im Rathaus ausgeschrieben und nachbesetzt hätte.
Überrascht von Ablehnung
Doch vor allem von UWG und FDP setzte es schon im Rat Widerspruch. In einer später zurückgezogenen Presseerklärung machte vor allem UWG-Chef Jens-Holger Pütz ein Fass auf. Er sprach vom „ersten handfesten Skandal“ in der nur wenige Tage alte Legislaturperiode und unterstellte Thul mangelndes Fingerspitzengefühl, wenn er ausgerechnet seinen Vorgänger engagiere, ohne zuvor zumindest die Fraktionsvorsitzenden informiert zu haben. Dass der Stadtrat nahezu „komplett dagegen war“, habe ihn überrascht, sagte Thul am gestrigen Montag.
Das Engagement Holbergs hielt der neuen Rathauschef für eine gute und nicht zuletzt preiswerte Idee. Nicht selten verlangten Berater 200 bis 300 Euro pro Stunde, mit Holberg war ein Stundensatz analog zu dessen früherer Tätigkeit beim Oberbergischen Kreis vereinbart gewesen – knapp 35 Euro beträgt der Stundensatz in der höchsten Stufe der Entgeltgruppe 13 dort.
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Noch in der Sitzung, berichtet Thul, habe er dem Rat zugesichert, noch einmal über die Sache nachdenken zu wollen. Doch bevor es dazu kam, wurde die Angelegenheit publik und die UWG setzte öffentlich nach. „Hochstilisiert“ worden sei die Angelegenheit dadurch, findet Thul. Nach Telefonaten mit den meisten Fraktionsspitzen und einen Treffen mit der UWG am vergangenen Freitag, habe er dennoch entschieden, den Vertrag mit Holberg nicht in Anspruch zu nehmen. Er werde jetzt sehen, wie er Aufgaben im Rathaus so umverteile, dass die Holberg zugedachten Themen bearbeitet werden. Dieser werde ihm die nötigen Vorgänge kurzfristig übergeben.
Der Bürgermeister a.D. selbst hatte schon am Sonntag reagiert und seinem Nachfolger den Verzicht auf den am 2. November geschlossenen Vertrag angeboten – „um diesbezüglich Schaden von Amt des Bürgermeisters und des neuen Amtsinhabers abzuwenden“. Wilfried Holberg geht davon aus, dass der politische Widerstand weniger in der Art der Abmachung, sondern vielmehr in seiner Person begründet liege.


