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Beschwerde über RinderhaltungSorge um die Mutterkühe

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Schneppsiefen – Kühe, die knietief im Matsch stehen, und das nicht nur einige Stunden lang, sondern ohne eine Möglichkeit, trocken zu liegen – Konrad Gerards ist besorgt. In einem Schreiben an Landrat Hagen Jobi, Gummersbachs Bürgermeister Frank Helmenstein und die Landwirtschaftskammer NRW fordert der Sprecher der Grünen-Fraktion im Gummersbacher Rat, die Zustände auf einem etwa anderthalb Hektar großen Feld im Gummersbacher Stadtteil Schneppsiefen zu überprüfen – angesichts der „Anforderungen des Tierschutzes“ und der „Bestimmungen des Boden- und Gewässerschutzes“. „Entspricht diese Mutterkuhhaltung den Anforderungen an eine artgerechte Tierhaltung? Wenn nicht, wie ist sie zu unterbinden?“, schreibt Gerards.

Fragen und Vorwürfe, die Karl Diederichs nicht verstehen kann. „Seit über 20 Jahren habe ich Tiere, zuerst Schafe, dann Rinder“, erzählt der Halter der Kühe. Insgesamt 24 Tiere stehen zurzeit auf der Weide – das jüngste Kalb, so Diederichs, sei etwa eine Woche alt. „Angefangen habe ich mit ganz normalen Mutterkühen, die ich dann aber mit Galloway-Bullen gekreuzt habe“, erklärt Diederichs. Inzwischen seien die Tiere „zu neun Zehnteln Galloways“.

Auch er, sagt Diederichs, höre immer wieder davon, dass sich Menschen beschwerten – auch Spaziergänger, die an seiner Weide vorbeigehen. „Nur mit mir spricht nie jemand.“ Niemand außer dem Veterinäramt beim Oberbergischen Kreis, das sich in den vergangenen Jahren nach Beschwerden aus der Bevölkerung immer wieder mal mit Diederichs in Verbindung gesetzt hat. „Zuletzt waren wir 2012 da, seitdem gab es keine Beschwerden mehr – bis jetzt“, berichtet Dr. Stefan Kohler, Leiter des Kreisveterinäramtes.

Nicht nur Gerards, sondern auch andere Bürger hätten sich zuletzt über den aktuellen Zustand auf der Weide beschwert – „und auf den Bildern, die unser Tierarzt Anfang April vor Ort gemacht hat, habe ich gesehen, dass es noch nie so schlimm war wie jetzt.“ Rinder könnten zwar auch stundenlang im Matsch stehen: „Aber sie brauchen immer auch einen trockenen Rückzugsraum.“

Deshalb habe der Tierarzt vor Ort sofort eingegriffen und zusammen mit Diederichs reagiert: Der Zaun sei geöffnet, ein kleines Waldstück für die Rinder zur Verfügung gestellt worden. „Wo Tiere laufen, ist Matsch“, sagt Diederichs zu den Vorwürfen. Seine Tiere seien winterfest – „und alles ist besser, als wenn sie in Ställen gehalten werden“. Dass die Fläche in diesem Jahr besonders vermatscht sei, liege einfach daran, dass es „solange so nass war“.

In einem stimmt das Veterinäramt Diederichs aber zu – und darauf legt auch der Landwirt wert: Außer dem Matsch, in dem sie leben, gebe es keinen Hinweis darauf, dass es den Rindern schlecht geht. „Die Tiere sind wohlgenährt, sie kriegen immer frisches Wasser und frisches Futter, das in professionellen Futterraufen aufbewahrt wird.“

Klären will der Kreis nun jedoch auch noch die Einwände von Gerards zu einer möglichen Verunreinigung durch die ablaufende Gülle: „Doch das prüfen nicht wir vom Veterinäramt, sondern unsere Kollegen vom Umweltamt“, sagt Dr. Kohler.