Abo

Cellist aus WipperfürthAuch mit 73 wird noch fleißig geübt

3 min

Das Cello ist seine Leidenschaft: Othello Liesmann spielt und unterrichtet in Wipperfürth. (Foto: Schmitz)

Wipperfürth – Als Othello Liesmann sich entschloss, kein Abitur zu machen, sondern direkt Musik zu studieren, waren alle schockiert. „Alle, bis auf meine Mutter“, sagt der heute 73-Jährige. Und dass die Musik eben einfach stärker gewesen sei. Bis heute ist er ihr treugeblieben. Nur der Schwerpunkt hat sich verschoben.

„Ich habe immer wieder unterrichtet“, sagt Liesmann. Zum Beispiel an der Universität in den Fächern Violoncello und Kammermusik, als Dozent beim Bundesjugendorchester oder als Gastprofessor für Kammermusik an der Musikhochschule in Vilnius, Litauen. Aber noch wichtiger war es ihm, aufzutreten, im Internationalen Kammerensemble für Neue Musik Darmstadt, der „Gruppe 8“ oder beim „Trio Basso“. Das ist ihm besonders wichtig. Und dann schwärmt Liesmann noch von den Komponisten, die bei ihm ein- und ausgingen.

"Mir ist Qualität wichtig"

Mittlerweile hat Liesmann mehr Zeit zum Unterrichten – und das macht ihm Spaß. Seit 2008 unterrichtet Liesmann an der Musikschule Wipperfürth. „Und die kann ich nur loben“, sagt er. Er habe schon viele Musikschulen gesehen, Wipperfürth habe ihn von Anfang an durch die Qualität beeindruckt.

Jeden Donnerstag doziert er an der Schule auf dem Mühlenberg. Im Moment hat er neun Schüler. „Das sind neun Stunden. Wenn ich dann abends wieder Zuhause in Köln bin, weiß ich oft nicht mehr, wo mir der Kopf steht“, sagt er. Aber das Unterrichten sei schön, auch wenn er manchmal streng sein muss. „ Mir ist Qualität wichtig und dass das, was gespielt wird, gut gespielt wird. Da muss ich auch manchmal mahnen. Aber sie kommen trotzdem gerne“, beschreibt er seine Tätigkeit.

Das ART Ensemble NRW tritt am Sonntag, 14. Juni, um 18 Uhr in der Musikschule Wipperfürth auf. Auf dem Programm stehen Stücke, die Elemente jüdischer und zeitgenössischer Musik enthalten. Mit dabei sind John Cages „In the Name of Holocaust“, Dimitri Terzakis „Seelenbilder“ und Stücke von Ernest Bloch und Martin Gerigk. Der Eintritt ist frei.

Neben dem Unterrichten spielt Liesmann natürlich bis heute in Ensembles. „Man darf nie aufhören“, erklärt er. Das sei wie bei einem Sportler, der regelmäßig trainieren muss. Und das bedeutet für Liesemann – auch mit 73 Jahren: Es bleibt wenig Zeit zur Ruhe. „Gestern bin ich spät nach Hause gekommen. Da habe ich dann noch von 23 bis 1.30 Uhr geübt. Und die nächste Probe war morgens um 9.30 Uhr“, schildert er seinen Alltag. Derzeit sei es wieder besonders stressig, nicht, dass ihn das stören würde, schließlich steht gerade ein wichtiges Projekt an. Zusammen mit seinen Kollegen vom ART Ensemble NRW, Didier Jacquin an der Klarinette, Martin Schminke an der Violine und Theodor Pauß am Klavier hat er das Konzertprojekt „Jüdische Musik begegnet Zeitgenössischer Musik“. Das Ensemble gibt es seit 1985/86. Laut Liesmann ist es eines der wenigen im Bereich Neue Musik, bei dem Spielfreude im Vordergrund steht.

Start für die Konzertreihe ist heute in Köln. So weit muss man nicht fahren; am Sonntag ist das Ensemble in Wipperfürth Das Konzert ist kostenfrei, denn: „Das Kind muss ja erst geboren werden“, sagt Liesmann.