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Dem Ansehen der Polizei geschadetBeamter wegen Verrats von Dienstgeheimnissen schuldig gesprochen

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Waldbröl – Wegen des Verrats und der Weitergabe von Dienstgeheimnissen in zwei Fällen wurde der 54-Jährige vor dem Waldbröler Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Zudem verliert der Mann den Status eines Beamten und darf keine öffentlichen Ämter mehr ausüben. Vier Vergehen waren dem Angeklagten insgesamt zur Last gelegt worden, freigesprochen wurde er im Verfahren um einen möglichen Verstoß gegen das Waffengesetz sowie im Verfahren um eine Drohung mit Waffe.

An allen drei Prozesstagen der langwierigen Hauptverhandlung mussten sich Richter und Schöffen viele, oft widersprüchliche Aussagen von Zeugen anhören. Ihm sei bewusst, so betonte Richter Becker, dass manche Lüge vorgetragen worden sei. Und auch das werde noch Konsequenzen haben.

Als Staatsdiener sei der Angeklagte in besonderem Maße verpflichtet, die Gesetze zu befolgen. Am Ende sei seine Loyalität der Familie gegenüber größer als dem Staat gegenüber gewesen, sagte Becker – „menschlich durchaus verständlich, aber eine Straftat“.

Mit Kriminellen kooperiert

So sah es der Richter als erwiesen an, dass sich der frühere Polizeibeamte in zwei Fällen polizeilicher Datenbanken bedient hatte, um an Informationen zu gelangen, die er dann an seinen damals 18 Jahre alten Sohn weitergab – auch im Wissen, dass dieser sämtliche Auskünfte weiterleiten würde. Ein Vergehen davon gab der Nümbrechter zu. Damit habe er sich nicht nur mit Kriminellen solidarisiert und mit ihnen kooperiert, sagte der Richter, sondern auch laufende Ermittlungen gefährdet und dem Ansehen der Polizei geschadet.

Das Bonner Landgericht hat den Polizistensohn bereits für einen brutal ausgeführten Überfall auf einen 86-Jährigen und dessen 60 Jahre alten Sohn in Nümbrecht-Loch zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Ein damals 28 Jahre alter Mittäter, der gestern in Handschellen zu einer weiteren Aussage vorgeführt wurde, muss für fünf Jahre einsitzen. Das Duo soll weitere Raubzüge in Siegburg, Troisdorf und Köln-Kalk geplant, aber nicht ausgeführt haben. Aufgeflogen war der Beamte, als jener Mittäter die Polizei in Wissen aufgesucht hatte, um Straftaten zu gestehen. Danach sollen er und seine Familie von weiteren möglichen Komplizen massiv bedroht worden sein. Diese Umstände konnten aufgrund widersprüchlicher Angaben allerdings nicht aufgeklärt werden.