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Dienstleister PostconViele Oberberger ärgern sich über verspätete Briefe

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Wo die Briefe viel zu spät ankommen: Christiane Stein aus Niederseßmar an ihrem Briefkasten.

  1. Ein Ehepaar erhielt einen Brief der Versicherung - wegen Nichtzahlung bestehe kein Versicherungsschutz mehr
  2. Die Rechnungen waren nie gekommen, die Mahnungen kamen zuerst
  3. Wie sich herausstellte war das längst kein Einzelfall

Oberberg – Eigentlich sollte es anders sein: Auf ihrer Internetseite verspricht Postcon eine „zuverlässige Zustellung mit einer Haushaltsabdeckung von 100 Prozent in ganz Deutschland“. Die Absender, nur Geschäftskunden, umwirbt das Unternehmen mit dem Slogan: „Gut. Günstig. Postcon.“

Die Stichworte „gut“ oder „zuverlässig“ fallen nicht, wenn Brigitte und Martin Thomas aus dem Gummersbacher Ortsteil Rospe über das leidige Thema sprechen, das beinahe weitreichende Konsequenzen hatte: „Bei uns ist es nun schon mehrfach vorgekommen, dass wir unsere Versicherungsbeiträge nicht rechtzeitig zahlen konnten, da keine Rechnungen bei uns angekommen sind.“

Plötzlich hätten sie einen Brief von der Versicherung bekommen: Wegen Nichtzahlung bestehe kein Versicherungsschutz mehr. „Drei Wochen später erhielten wir dann die erste Mahnung – zusammen mit der vermissten Rechnung“, berichtet die 64-Jährige. Damit nicht genug: „Vertrauliche Unterlagen von unserer Bank aus Norddeutschland erreichten uns zunächst gar nicht und dann erst, als sie über den Mitbewerber verschickt wurden.“ Auch in Niederseßmar kann manch einer ein Lied von erheblich verspäteten Zustellungen singen. „Ich bekam eine Mahnung von der Telekom und dachte tatsächlich, ich hätte die dazugehörige Rechnung versehentlich weggeschmissen“, erzählt Klaus Penz. Also habe er die Mahngebühren mit überwiesen. Die Rechnung aus dem November kam dann doch noch, aber erst im Januar. „Das ist mehr als ärgerlich und leider kein Einzelfall“, sagt der 81-Jährige.

Leider kein Einzelfall

Wenige Häuser weiter eine ähnliche Geschichte: Auch die 75-jährige Christiane Stein ist fassungslos, dass sich nichts ändert: „Es passiert immer wieder. Ich bin es leid. Auch jetzt kam die Rechnung von November und Dezember Mitte Januar an.“ Bei Veronika Fischer aus Wiehl-Marienhagen ging es so weit, dass ihr Telefon eines Tages nicht mehr funktionierte und das gleich für vier Wochen: Der Brief mit dem Hinweis auf die technische Umstellung erreichte die 70-Jährige einen Monat später.

Dabei ist Postcon nicht irgendein privater Briefzusteller. Das Unternehmen mit Sitz in Ratingen, einst bei der Privatisierung des Zustellmarktes von der niederländischen Post gegründet, ist nach eigenen Angaben Deutschlands zweitgrößter Briefdienstleister. Vertragspartner sind neben der Telekom auch eine Reihe von Versicherungen, aber zum Beispiel auch die Deutsche Rentenversicherung. Eine Sprecherin von Postcon bestätigt auf Nachfrage die Probleme im Oberbergischen. „Dass es in einigen Gebieten Schwierigkeiten mit der Zustellung gibt, liegt an personellen Engpässen unseres Partners vor Ort“, erklärt die Sprecherin.

Zugestellt werde die Post im Oberbergischen, anders als zum Beispiel an Rhein und Ruhr, nicht von der Postcon selbst, sondern durch ein extra beauftragtes Unternehmen. Aus Sicht der Postcon ist das Problem behoben. „Betroffene Zustellgebiete haben wir abgeschaltet“, teilt die Sprecherin mit. Hier wurde die Zustellung an die Deutsche Post übertragen, die die Postcon auch in anderen Bereichen dafür beauftragt.

Das Unternehmen, das im Oberbergischen im Auftrag der Postcon zustellt, weist dagegen auf Nachfrage den Vorwurf zurück, für die Verspätung verantwortlich zu sein: „Bei uns bleibt kein Brief liegen.“ Tatsächlich wisse man aus technischen Gründen gar nicht, wie lange der Brief schon unterwegs sei, wenn er in Oberberg ankomme.

Das alles schnell besser wird, glaubt Reiner Körner aus Marienhagen nicht. Manche Briefe von der Rentenversicherung kamen bei ihm nach vier, andere nach sechs Wochen – andere kamen gar nicht. „Von Postcon bekamen wir bei jeder Nachfrage die Info, es handele sich um ein einmaliges Versehen, der Bote werde sich bessern“, sagt Reiner Körner. Besser geworden sei es nie. Tatsächlich ist es nach Informationen dieser Zeitung auch in den vergangenen Tagen erneut zur Zustellung von Briefen gekommen, die seit mehr als vier Wochen unterwegs waren.

Fragen und Antworten zur verspäteten Zustellung

Wie erkenne ich, dass meine Post mit Postcon kommt?

Zu sehen ist das am Firmen-Logo im Brieffenster oder oben rechts auf dem Umschlag neben einer elfstelligen Sendungsnummer und dem Barcode.

Was sagen Großkunden wie zum Beispiel die Telekom zu den Problemen?

Die Telekom bestätigt, dass es bei Zustellung mit Postcon hakt: „Wir wissen, dass es leider an der ein oder anderen Stelle Probleme mit der Postcon gibt. Wir haben den Dienstleister auch bereits auf seine Sorgfaltspflicht hingewiesen“, so eine Sprecherin.

Gilt das auch, wenn ich zum Beispiel ein Knöllchen bekomme?

Knöllchen sind Verwaltungsakte. Für Verwaltungsakte gilt die gesetzliche Fiktion, dass sie nach drei Tagen als zugestellt gelten – egal, ob der Brief tatsächlich angekommen ist. Das Gegenteil muss der Empfänger beweisen. Wenn sich die Behörde aber eines privaten Postdienstleisters bedient, der auch noch einen Subunternehmer einsetzt, gilt das nicht mehr ohne weiteres: Der Bundesfinanzhof hat im Sommer 2018 entschieden, dass in solchen Fällen die gesetzliche Fiktion, die es so auch in der Abgabenordnung gibt, nicht gilt.

Wie werden die Knöllchen zum Beispiel im Oberbergischen Kreis zugestellt?

Der Kreis teilt mit, dass auch er sich bei seiner gesamten Geschäftspost eines privaten Briefdienstleisters bedient. Das sei aber  nicht die Postcon. Der Dienstleister sortiere die Briefe vor, die Zustellung erfolge über die Deutsche Post, erklärt eine Sprecherin. Beschwerden über verspätete Zustellungen seien nicht bekannt.   (nis/kmm)