AufforstungAustralischer Wissenschaftler besuchte Wälder in Engelskirchen und Waldbröl

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Vor dem Hintergrund abgeholzter Wälder findet ein Gespräch statt.

Förster Klaus Lange (l.) spricht mit Tony Rinaudo (2. v. l.), Stift-Mitarbeiterin Franziska Bierbrauer und Rinaudos Bruder.

Der australische Aufforstungsexperte Tony Rinaudo, Träger des Alternativen Nobelpreises, besuchte Engelskirchen und Waldbröl.

Der australische Agrarwissenschafter Tony Rinaudo ist vor allem dafür bekannt geworden, dass er eine Methode gefunden hat, wie man weiter Teile der Sahelzone wieder aufforsten kann. Dafür hat er vor einigen Jahren den „Alternativen Nobelpreis“ bekommen.

Wiederaufforstung von verschwundenem Wald ist zurzeit bekanntlich auch im Oberbergischen ein Thema. Die Fichtenwälder sind zum großen Teil weg. Genau das – und wie man in Oberberg darauf reagiert – interessierte den weit gereisten Australier. Deshalb machte er jetzt eine Stippvisite in Engelskirchen und in Waldbröl, genauer: in den Wäldern von Stift Ehreshoven und im Naturerlebnispark Panarbora.

Kontakt geknüpft über World Vision

Der Kontakt kam über den deutschen Zweig der internationalen Kinderhilfsorganisation World Vision zustande, heißt es in einer Mitteilung der CDU Engelskirchen. Rinaudo hat für den australischen Zweig der Organisation gearbeitet, weshalb ein guter Draht zum gebürtigen Waldbröler Christoph Waffenschmidt bestand, der zurzeit noch Vorsitzender von World Vision Deutschland ist. Oberbergs CDU-Bundestagsabgeordneter Carsten Brodesser habe den gemeinsamen Termin dann vermittelt, teilt die CDU Engelskirchen mit.

Die Exkursion im Forst von Stift Ehreshoven, an der auch Kurator Clemens Freiherr von Boeselager teilnahm, begann an einigen großen Fichten, die die Borkenkäferplage überstanden haben. Sie sollten einen Eindruck davon vermitteln, wie bis vor wenigen Jahren der Wald großflächig in Oberberg aussah.

Vortrag über Wiederbewaldung

Förster Klaus Lange schilderte dem 66-jährigen Australier, unter welchen Umständen sich der Wald in den vergangenen Jahren verändert hat, und mit welchen forstwirtschaftlichen Mitteln das Stift seither reagiert. Kein Fachlehrbuch biete Patentrezepte an, so Lange, was unter den Gegebenheiten des Klimawandels zu tun sei.

Eigene Ideen sind also gefragt. Das Stift Ehreshoven etwa pflanze   an einer Stelle 18 verschiedene Baumsorten aus Spanien, darunter Steineiche, Atlaszeder, Mammutbäume.

Rinaudo zeigte sich schließlich beeindruckt von dem, was er sah und hörte. Insbesondere zwei Aussage von Klaus Lange würden ihm in Erinnerung bleiben, sagte er: Erstens der Satz „Wir lernen jeden Tag etwas Neues“ , und zweitens die Einsicht, dass man erst in zehn Jahren wissen werde, „ob und was wir richtig gemacht haben“.

Im Waldbröler Naturerlebnispark Panarbora erörterte Rinaudo abends auf Einladung der dortigen CDU seine Wiederbewaldungsmethode, u.a. vor Vertretern der Waldbauernschaft und des NABU. Der Vortrag sei auf großen Zuspruch gestoßen, teilt die Waldbröler CDU mit.

Insbesondere das seit Jahrhunderten in einigen Waldbröler Wäldern praktizierte Konzept der Niederwaldbewirtschaftung habe Ähnlichkeiten mit Rinaudos Technik und sei intensiv besprochen und vom Geschäftsführer der Waldnachbarschaft Bladersbach, Dietmar Rötzel, erläutert worden. Alle 30 Jahre werden die Flächen abgeholzt, sodass aus den verbleibenden Wurzelstöcken wieder Ausschläge entstehen, die wiederum in 30 Jahren erneut geerntet werden können. Ergebnis sei etwa eine hohe biologische Diversität.


Zur Person: Tony Rinaudo

Tony Rinaudo (66) ist ein australischer Agrarwissenschaftler. Er gilt als Vater einer Wiederaufforstungstechnik, „bei der aus den unter dem Wüstensand verborgenen Wurzelsystemen Bäume herangezogen werden“, wie es bei Wikipedia heißt. Es sei gelungen, schreibt die gemeinnützige Kinderhilfsorganisation „World Vision“, in mehr als 20 Ländern mit dieser von Landwirten selbst verwalteten natürlichen Regeneration (FMNR – das steht für „Farmer Managed Natural Regeneration“) Millionen Hektar Wald aufzuforsten.

Bis zum Jahr 2018 wuchs so eine Fläche von sechs Millionen Hektar Wald nach. World Vision verlieh dem Australier in jenem Jahr für diesen Erfolg den „Alternativen Nobelpreis“. Drei Jahre später drehte der deutsche Filmemacher Volker Schlöndorff einen Dokumentarfilm über Tony Rinaudo. Vielversprechender Filmtitel: Der Waldmacher. Darin sagt der Australier: „Ich bin überzeugt: Mit den richtigen Anbaumethoden könnte Afrika leicht die ganze Welt ernähren.“

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