Neue Highlights wie etwa das Dürer-Bild stehen bei den kostenlosen Führungen in Engelskirchen im Mittelpunkt.
Immer sonntagsBis Ostern bietet das Engelskirchener Engelsmuseum kostenlose Führungen an

Marlene Miebach und Uwe Bathe empfangen Neugierige im Engelskirchener Engelsmuseum am Engelsplatz.
Copyright: Dennis Börsch
Die erste kostenfreie Führung hat viele angelockt. Etwa 30 Menschen haben sich in der alten Schlosserei am Engelsplatz versammelt, um von Uwe Bathe, Kurator und Kunsthistoriker des Engelsmuseums, eine Führung zu bekommen. Bathe beginnt mit einer einfachen Frage: „Bist du ein Engel?“, fragt er ein Mädchen in der ersten Reihe. Es schweigt einen Moment, weiß nicht, was sie sagen soll, aber ihr Opa antwortet für sie: „Natürlich ist sie ein Engel!“
Geschichte des Engelskirchener Museums beginnt mit Johann Fischer
Bathe fragt weiter, den Jungen, der neben ihr hockt: „Bist du ein Engel?“ Der braucht nicht lange zu überlegen, zuckt mit den Schultern und schüttelt dann schnell den Kopf. Sein Grinsen bringt die Umstehenden zum Lachen. Trotzdem: Die Frage ist gut, denn was sind Engel eigentlich?
Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurden sie sehr unterschiedlich dargestellt. Mal klein und putzig, dann groß und mächtig. Mit Flügeln, ohne Flügel, als Rauschgoldengel, aus Holz, aus Ton, aus Papier - männlich, weiblich oder weder noch. Der Sammler Johann Fischer, mit dessen eigener Geschichte das Museum anfängt, konzentrierte sich vor allem auf Engel in Menschengestalt und mit Flügeln.
Engelskirchen gründet den Engelsverein
Fischer lebte in Engeldorf, einem Ortsteil von Kürten, als er 1985 einen sehr schlimmen Autounfall erlitt. Im Krankenhaus brachte ihm seine Tochter einen Schutzengel, den er später auch in sein Auto hängte, mit dem Spruch: „Fahr nicht schneller als dein Schutzengel fliegen kann.“
Das Ereignis löste bei Johann Fischer eine große Sammelleidenschaft aus. Über mehrere Jahrzehnte sammelte Fischer Engel in allen Farben und Formen. Mit über 12.000 Teilen bekam er einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. 2010 vermachte er einen Großteil seiner Sammlung dem Engelverein Engelskirchen. Dieser wurde gegründet, um das erste deutsche Engel-Museum in Engelskirchen zu bauen.
Engelskirchener Verein will Sammlung öffentlich machen
Als Johann Fischer 2012 starb, war die Sammlung auf geschätzte 15.000 Stücke angewachsen. „Der Auftrag, diese Sammlung einer großen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, war immer fest verbunden mit der Schenkung und damit unser erklärtes Vereinsziel", erinnert sich Ralf Rother, erster Vorsitzender des Engelvereins. Eine große Aufgabe, der der Verein mit Feuereifer nachging. Allein die große Sammlung zu sichten und zu sortieren, war ein großer Aufwand.
Ganz prägend war dabei Beate Gatzsch, die ab 2017 nach einem erfüllten Berufsleben die Ausstellungsleitung des Engelmuseums übernahm. Ihre Konzeptionen und zahlreichen Ausstellungen prägen bis heute die Arbeit des Engelvereins und sie wird schmerzlich vermisst. Der Verein hat um die 30 Leute, zehn davon machen das Kernteam aus, das Ausstellungen, Shop und Ticketverkauf verwaltet. Alle arbeiten ehrenamtlich und bringen viel Begeisterung mit.
Leuchtengel als Einnahmequelle
Finanziert wird das ganze durch Spender sowie den Verkauf des original Engelskirchener Leuchtengel, den viele sicher schon mal in der Weihnachtszeit gesehen haben. Und für Interessierte gibt es nun ein besonderes Angebot: Bis Ostern kann man jeden Sonntag kostenlos an einer fachlichen Führung durch das Museum teilnehmen - unentgeltlich und ohne Anmeldung. Dabei werden einige neue Highlights wie zum Beispiel das originale Dürer-Bild, das natürlich einen Engel zeigt, erklärt.
Aber auch so gibt es bei der Menge an Engeln einiges zu entdecken: Werbeengel, Schutzengel, Todesengel, Segensengel, Liebesengel, Kerzenhalterengel und Rauschgoldengel, für jeden ist etwas dabei. Sogar heiraten kann man auch im Engelmuseum.
Die Öffnungszeiten sind sonntags 11-17 Uhr, dienstags und mittwochs 10-13 Uhr sowie am Donnerstag zwischen 14-17 Uhr. Viele Informationen gibt es auch im Internet.

