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Bürgerbus auf AnrufEngelskirchen hat darauf momentan keine Lust

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Die Fahrgäste an den Haltestellen abholen oder absetzen, ist dem Bürgerbusverein Engelskirchen zu wenig. Er will mehr Service.

Engelskirchen – Bürgerbus auf Anruf – auf das mit EU-Mitteln geförderten Leader-Projekt, das bereits in Nümbrecht und seit Anfang der Woche in Morsbach eingeführt wurde (wir berichteten) und das alle zehn Bürgerbusvereine in Oberberg sukzessive übernehmen sollen, fahren die ehrenamtlichen Buschauffeure in Engelskirchen bislang nicht an. „Das ist nicht das, was wir uns vorstellt hatten, beklagt Geschäftsführer Josef Hess. Ihm stimmt die Richtung nicht. Besprochen worden sei anfangs mit der OVAG etwas anderes. Ob man beim Leader-Projekt mitmachen werde, sei offen: „Das müssen wir noch besprechen.“ Die Haltung der Fahrer schätzt er derzeit eher ablehnend ein.

Passagiere müssten sich an Plan halten

Dass alle Fahrgäste sich jetzt anmelden müssen, um sich von Haltestellen in kleinen Ortschaften abseits der Hauptrouten abholen zu lassen, ist Hess zu sehr „unternehmensorientiert“. Die Passagiere müssten sich an den Fahrplan halten, den der Bürgerbus vorgebe.

Öffentlich subventionierter Taxibetrieb

Hess’ Vorstellung ist eine andere, bei der entweder nur der Zielpunkt oder der Fahrtantritt an einer Haltestelle erfolgt: „Wir holen den Bürger entweder an seiner Haustür ab und fahren in bis zu einer Haltestelle oder nehmen ihn an einem Haltepunkt auf und fahren ihn nach Hause.“ Ziel und Ankunft ausschließlich nach Kundenwunsch anzusteuern, ist nicht erlaubt. Das wäre öffentlich subventionierter Taxibetrieb, die professionellen Droschkenkutscher könnten einpacken.

In Münster funktioniert das System

Dass ein solcher Anrufservice funktioniert, begelegt das Beispiel im münsterländischen Olfen, wo der Bürgerbus genau nach diesem Prinzip funktioniert, wie es Hess auch in Engelskirchen gerne einführen würde. Nach fünf Jahren Testbetrieb habe Olfen vom zuständigen Düsseldorfer Ministerium die endgültige Genehmigung bekommen. Alles, was noch nötig sei, um das auch andernorts einzuführen, sei eine neue Verwaltungsvorschrift, die in Düsseldorf gerade erarbeitet werde.

Furcht vor Konkurrenz

Auf die wartet Hess ungeduldig, denn noch mehr Flexibilität im Bürgerbusverkehr als mit der Bedienung auch von abseits der Hauptrouten gelegenen Haltestellen auf einen Anruf des Fahrgastes hin, ist nach seiner Ansicht überlebenswichtig für die Bürgerbusse. Besonders fürchtet der Engelskirchener Geschäftsführer und nach eigenem Bekunden Sprecher der oberbergischen Bürgerbusvereine die Konkurrenz von sozialen Fahrdiensten wie „Mobiles Aggertal“ oder „Lindlar mobil“ (Limo). Seit Limo am Start sei, habe sich die Zahl der Fahrgäste des Bürgerbusses dort um 1000 auf jetzt 3500 im Jahr reduziert.

Software ausbauen lassen

Damit das nicht um sich greift, würde Hess das Leader-Projekt gerne ausweiten und die bereits für den Anrufservice angeschaffte Software so auszubauen lassen, dass damit auch das Olfener Modell realisiert werden kann. Doch bislang sperre sich die Ovag dagegen.

Ovag-Chef reagiert verblüfft

Ovag-Chef Karl-Heinz Schütz reagiert verblüfft auf die Kritik aus Engelskirchen. Was Hess zu Beginn des Prozesses für das Leaderprojekt gewollt habe, sei Taxibetrieb von Tür zu Tür und deshalb nicht umsetzbar gewesen. Er selbst kenne das Olfener Modell gar nicht im Detail.

Zeit und Kosten sparen

Sich das Abfahren von Nebenstrecken zu sparen, ohne zu wissen, ob dort überhaupt Fahrgäste warten, sei Antrieb für den Anrufservice gewesen. Damit ließen sich Zeit und Kosten sparen, die die Bürgerbusvereine nach eigenem Ermessen zum Beispiel für zusätzliche Haltestellen in ihren Gemeindegebieten nutzen könnten. Es sei ein Kompromiss: Die Bürgerbusse sparten Leerfahrten, Sprit und Zeit und könnten auf neuen Strecken aber neue Fahrgäste gewinnen. Die Passagiere müssten dafür allerdings vor Fahrtantritt zum Telefon greifen.