„Wichtige Energieerzeuger“Wasserkraftanlagen an der Agger stehen in der Diskussion

Immer wieder war zuletzt über die Aggerstaustufen diskutiert worden.
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Loope – „Ich setze mich für den Erhalt der Aggerstaustufen ein“, betont Karl Freisen, der sich in der Looper Initiative Loopacabana engagiert. Die Gründe, die für den Erhalt sprechen, hat der Elektrotechniker mit Zahlen, Daten und Fakten unterlegt. „Mir geht es darum, Tatsachen aufzuzeigen“, betont Freisen. Immer wieder war zuletzt über die Aggerstaustufen diskutiert worden. Naturschützer hatten sich für deren Stilllegung und den Rückbau eingesetzt, auch um die Fischwanderungen nicht weiter zu behindern.
Freisen hält dem entgegen, dass die Wasserkraftanlagen wichtige Energieerzeuger seien. Das zeigten seine Aufzeichnungen der in der Gemeinde Engelskirchen vorhandenen Energieträger und deren Stromerzeugung pro Jahr. Seine Erkenntnis: Die sechs Wasserkraftanlagen in Engelskirchen erzeugen pro Jahr 60 Prozent des Stroms in der gesamten Gemeinde.
Wasserkraftwerke gelten als Hauptenergieerzeuger
Zum Vergleich: Die insgesamt 407 Photovoltaikanlagen, die es in der Gemeinde gibt, würden nur knapp 30 Prozent des Stroms erzeugen. Vorteil der Wasserkraftanlagen sei, dass sie auch nachts betrieben werden können. Mit den 8,2 erzeugten Gigawattstunden/Jahr könnten bis zu 2500 Haushalte mit Strom versorgt werden. Durch die Wasserkraftanlagen würden zudem über 4200 Tonnen an CO2 -Emissionen eingespart, rechnet Freisen vor. Fallen die sechs Wasserkraftwerke weg, fehle demnach gleichzeitig der Hauptenergieerzeuger der Gemeinde Engelskirchen.
Trotzdem hat Freisen auch Daten zu möglichen Alternativen zusammengetragen. Um den Verlust der sechs Wasserkraftanlagen mit Photovoltaikanlagen ausgleichen zu können, müssten in der Gemeinde zusätzliche Anlagen mit einer Gesamtleistung von neun Megawatt installiert werden. „Bei der bisher durchschnittlich installierten Leistung von 10,5 Kilowatt/Peak pro Anlage wären dafür 860 neue Anlagen erforderlich“, erläutert er. Der Ausbau würde nicht nur 30 Jahre dauern, für die mehr als 36 000 Solarmodule von je 250 Watt wären zudem 53 000 Quadratmeter Dachfläche nötig.
Stauseen gelten als beliebte Treffpunkte
Setze man auf die Windkraft, müssten bis zu acht kleinere Anlagen mit einer Leistung von jeweils 800 Kilowatt gebaut werden oder alternativ bis zu drei Anlagen mit einer höheren Leistung. Freisen hob weiterhin den hohen Stellenwert der Stauseen zur Freizeitgestaltung hervor. Vor allem die Loopacabana, die vor sechs Jahren an einem Stausee entstanden ist, sei längst zu einem Treffpunkt geworden, der auch überregional beliebt sei. Das gelte auch für andere Stauseen in der Gemeinde, die gerne für Spaziergänge oder Fahrradtouren genutzt werden.
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Die neu entstandenen Lebensräume stellte Bürgermeister Dr. Gero Karthaus der Forderung nach Stilllegung der Aggerstaustufen entgegen, um die Fischwanderungen wieder zu begünstigen. Untersuchungen der vergangenen 40 Jahre hätten gezeigt, dass die Staustufen längst landesweite Bedeutung für überwinternde Vögel erreicht hätten. Deutlich werde das am hohen Bestand der Zwergtaucher und Gänsesäger, so Karthaus. Zudem böten die Aggerstufen eine wichtige Nahrungsquelle für die gefährdeten Mehlschwalbenbestände.
Vortrag im Ausschuss
Bei allen Diskussionen und Überlegungen: Was mit den Aggerstaustufen geschieht, liegt letztendlich bei der Bezirksregierung. Anlass für die Diskussion war auch die jahrelange Verzögerung der Sicherheitsnachweise der Stauanlagen an der Agger gewesen. Der Betreiber, die Aggerkraftwerke GmbH, hatte seit 2016 die vorgeschriebenen „vertiefenden Überprüfungen“ nicht vorgelegt.
„Ich bin froh, dass Karl Freisen so filigran recherchiert hat. Denn wenn man schon politische Diskussionen zu dem Thema führt, dann muss man auch wissen, wovon man spricht“, so Bürgermeister Karthaus, der den Vortrag in einer der kommenden Sitzungen des Planungs- und Umweltausschusses wiederholen lassen möchte.



