Gefiederte SpitzensportlerKazim Celik ist Vize-Meister der Brieftaubenzüchter
Neuremscheid – Kazim Celik betreut Leistungssportler. Und zwar nicht einen oder zwei, der 48-jährige Engelskirchener hat ganze 400 Topathleten unter seinen Fittichen, die auch noch alle bei ihm im Garten leben. Celik ist passionierter Brieftaubenliebhaber – und das seit fast 30 Jahren.
Das außergewöhnliche Hobby hat er bereits im Kindesalter durch seinen Vater für sich entdeckt. Celik Senior hat schon in den frühen 80er Jahren Rassetauben gezüchtet, damals allerdings eher im kleinen Stil, nämlich mit Sondergenehmigung auf dem Balkon im fünften Stock der Bergneustädter Mietwohnung.
Ein zeitintensives, aber schönes Hobby
Für seinen Sohn musste es etwas größer sein. Der hat heute auf seinem Grundstück in Engelskirchen-Neuremscheid 400 Tauben, mit denen er vor allem an Flugwettbewerben teilnimmt. Und das sehr erfolgreich, erst im Vorjahr ist er Deutscher Vize-Meister der Brieftaubenzüchter geworden. Seine Siegertaube legte die 630 Kilometer lange Strecke vom österreichischen Amstetten bis in den heimischen Schlag im etwa neun Stunden zurück. „Diese Taube ist in der vergangenen Saison 13/13 geflogen“, sagt er stolz. „Das bedeutet, dass sie sich in allen 13 Rennen der Saison platziert hat.“ Eine beeindruckende Leistung sei das, wenn man bedenke, dass beim Rennstart bis zu 10 000 Vögel aufgelassen würden.
Damit diese Leistungen gehalten werden, trainiert Celik ein- bis zweimal täglich mit seinen Tieren. Mit bis zu sechs Stunden ist der Brieftaubensport ein zeitintensives Hobby, aber der Oberberger genießt jede Minute: „Wenn ich bei den Tieren bin, vergesse ich alles um mich herum“, sagt er gedankenverloren. „Hier kann ich komplett abschalten.“
Die Faszination für die Brieftauben hat Celik auch auf seine jüngste Tochter Merve übertragen. Die 15-Jährige hilft ihrem Vater bei der Arbeit und übernimmt auch schon mal die Wettkampfbetreuung, wenn er verhindert ist. Merves Interesse an dem Sport macht Hoffnung, denn der Brieftaubensport leidet unter erheblichem Nachwuchsmangel. Mit seinen 48 Jahren zählt sogar Celik zu den jungen Wilden, denn das Durchschnittsalter liegt bei 65.
Schlimmer als Nachwuchssorgen belasten Celik aber momentan Angriffe auf seinen sportlichen Nachwuchs. Seit acht Wochen müssen die Tiere in ihren Volieren bleiben, weil sie bei Trainingsflügen immer wieder von Raubvögel attackiert wurden. Zehn Tauben hat er in den vergangenen drei Monaten verloren, und eine Besserung ist nicht in Sicht: „Das Problem ist, dass die von Hand aufgezogenen und später ausgewilderten Greifvögel Menschen und Volieren kennen. Im Gegensatz zu wilden Tieren haben sie einfach überhaupt keine Angst: Sie kommen bis an die Volieren und spähen sich ihre Beute aus.“
Aber es nützt alles nichts, die Tauben müssen trainieren, denn Anfang Mai beginnt wieder die Taubensaison. Und Celik möchte seinen ohnehin schon vollen Pokalschuppen gerne um ein paar weitere Trophäen ergänzen. Und wer weiß, vielleicht muss demnächst auch ein Regal für Merve freigeräumt werden.
