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800 TeilnehmerOhrenschmerzen konnten Prinz Norman beim Ründerother Karnevalszug nicht stoppen

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Eine Gruppe im Karnevalszug - als Sahnetorten verkleidet.

Die weiteste Anreise hatten gestern die Stephinchen, die als Torten im Zug die Werbetrommel für die Bergneustädter 725-Jahr-Feier rührten.

800 Teilnehmende präsentierten sich beim Ründerother Karnevalszug am Sonntag über 10.000 Zuschauern.

Es ist kurz vor 15 Uhr, als Prinz Norman I. seiner Melanie einen dicken Kuss gibt, tief durchatmet und in den Himmel blickt. Ganz weit vorne verschwindet gerade das Blaulicht des Führungsfahrzeugs in der Ostkurve. Dazwischen: Tausende Jecke, herrliche Kostüme und viel Sonnenschein.

Der Prinzenwagen zockelt los. Dass der Regent überhaupt dort oben steht, hat er seinen Ärzten und einem daumennagelgroßen Stück Silikon zu verdanken. Denn obwohl er sich eine Mittelohrentzündung eingefangen hatte, konnte der Ründerother Prinz an Weiberfastnacht seiner Leidenschaft fürs Singen nicht widerstehen und griff zum Mikrofon – woraufhin das rechte Trommelfell vollends kapitulierte. Doch deshalb den Höhepunkt der Session verpassen? „Auf keinen Fall“, schüttelt der Prinz den Kopf und zeigt grinsend auf seinen Ohrenstöpsel.

Das Ründerother Prinzenpaar auf einem Festwagen.

Prinz Norman I. hielt sich trotz geplatzem Trommelfell tapfer.

Engelskirchens Bürgermeister Lukas Miebach auf einem Festwagen des RKV.

Engelskirchens Bürgermeister Lukas Miebach fuhr beim RKV mit.

Der Ründerother Zoch 2026 präsentiert sich als sehenswerte Mischung aus Newcomern und solchen Gruppen, die an der Agger praktisch zum Inventar gehören. So bringen die Popcornfreunde aus Bellingroth und Kaltenbach zu ihrer Silberhochzeit mit dem Ründerother Karneval alles auf die Strecke, was Walt Disney einst erschaffen hat, von Daniel Düsentrieb bis zu den Panzerknackern. Gut möglich, dass es auch einmal ein goldenes Zugjubiläum geben wird, das jüngste Popcorn-Mitglied ist jedenfalls erst 15 Monate alt, für Nachwuchs also gesorgt.

Die Hohler Bären aus Dieringhausen feiern ihren 30. Vereinsgeburtstag. Und das Team Hahn fordert„Bliev op d'r Teppich“ – unterstützt von jeder Menge Dunst aus der Nebelmaschine scheint ihr überdimensionaler Perser regelrecht gen Ründerother Ortskern zu schweben. Die mächtigen Säulen, die den Teppich in Wahrheit tragen, haben die Heimwerker um Jörg Pucke aus einem Heugebläse ausgebaut und kurzerhand im Dienste des Fastelovends umfunktioniert.

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Die Hopfenjäger waren voll auf Wildmodus.

Eine Gruppe bei einem Karnevalszug.

Für gute Laune und gute Klänge sorgte diese Gruppe.

Die Sirenen des RKV auf einem Karnevalswagen.

Die RKV-Sirenen strahlten auf ihrem Wagen.

Stichwort origineller Wagen: „Voll im Wildmodus“ und mit besonders hohem Vehikel sind die Hopfenjäger am Start. Andreas Stöcker ist Kopf des 40-köpfigen Freundeskreises aus Wahlscheid und Dörrenberg, der sich fest vorgenommen hat, künftig immer in Ründeroth mitzugehen. Während die Frauen hinreißende Rehe abgeben, mimen ihre Männer die lässigen Jäger. Zusammen haben sie alles an die Wagenfassade getackert, was irgendwie mit der Jagd zu tun hat – inklusive einiger Fuchsimitate.

Direkt dahinter folgt ein weiterer nagelneuer Hingucker, diesmal in Rot und Weiß und mit dem früheren Gemeindewappen in goldener Farbe geschmückt. Der Senat der Ründerother Karnevalisten hat eine neue Kutsche – endlich, muss man fast sagen. „Ich bin seit vier Jahren Präsident, es wurde höchste Zeit, dass der Senat wieder einen eigenen Wagen präsentieren kann“, ist Manfred Schoder zu Recht stolz auf den Untersatz, der gerade zu Querbeats „Barbarossaplatz“ im Takt wippt.

Mit Lukas Miebach gibt es sogar einen Ehrengast der Jungfernfahrt, der mit einem dreifachen Alaaf auf den Bürgermeister, auf Ründeroth und – na ja, wenn es denn sein muss – auch auf Engelskirchen begrüßt wird. „Die Ründerother Sessionseröffnung Anfang November war mein erster Termin im Amt. Und da gab es auch gleich die Einladung, mitzufahren“, verrät Miebach, der das erste Mal einen Umzug von oben erlebt und sich sichtlich auf die Fahrt ins Zentrum freut.

Insgesamt 23 Gruppen mit etwa 800 Jecken und zwischen 10.000 und 12.000 Zuschauern an der Strecke meldet RKV-Sprecher Sebastian Klein später. Und kreativ sind im Vorfeld längst nicht nur die Fuß- und Wagengruppen – auch das Publikum wirft sich ideenreich in Schale. Während sich die Gummersbacher Schwestern Jutta und Britta für die wandelnde Capri-Sonne entscheiden, stecken Markus, Jule und Paula, auch aus der Kreisstadt, in aufblasbaren Tieranzügen. Ein batteriegetriebener Lüfter am Gesäß hält den Anzug permanent in Form.

„Die Luft ist inzwischen ziemlich warm, das ist bei den Temperaturen angenehm“, lacht Jule. Pfiffig: Unter den Anzügen trägt das Trio gleich noch 80er-Jahre-Kostüme für die Party nach dem Zoch. Nur, wie man mit dem luftgefüllten Hingucker auf die Toilette kommt, bleibt das Geheimnis der drei Jecken.