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„Schnapsidee“Preisgekrönter Gin „Second Life“ kommt aus Loope

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Der Gin, der in Loope entstanden ist, wird in Apothekerflaschen abgefüllt.

  1. Im vergangenen März wurde der „Second Life“-Gin in Bassano del Grappa (bei Venedig) mit dem „World Spirits Award“ in Gold ausgezeichnet.
  2. Erfunden wurde er in Loope. Wir stellen das Getränk und seine Geschichte vor

Loope – Die schlimmen Tage sind lange vergangen, die Schicksalsschläge nur eine Erinnerung. Wenn Christiane Altenrath und Markus Ueberberg noch einmal darüber reden, was ihre Familien erleben mussten, so tun sie dies nur, um sich daran zu erinnern, wie gut es ihnen heute geht. „Unseren Familien wurde ein zweites Leben geschenkt“, erklärt Christiane Altenrath (44) knapp.

Während andere Menschen zum Beispiel Weltreisen unternehmen, vielleicht Bäume pflanzen oder ein Buch schreiben, hatten die beiden eine echte Schnapsidee: Altenrath und Ueberberg (45) haben einen Gin entworfen und ihn „Second Life“, „zweites Leben“, getauft.

Medaille aus Italien zeugt von einem echten Treffer

„Denn Gin haben wir schon immer für unser Leben gern getrunken“, verrät der Ur-Looper Ueberberg, der unter anderem in seinem Heimatort einen Handel für Getränke führt. Mild sollte er sein, nicht aufdringlich im Geschmack, mit mediterraner Note und schließlich sollte der Gin auch mit einem Tonic munden. Inzwischen wissen die Kompagnons: Sie haben einen Treffer gelandet. Im vergangenen März wurde ihr „Second Life“-Gin in Bassano del Grappa (bei Venedig) mit dem „World Spirits Award“ in Gold ausgezeichnet.

Dort hatten die Juroren – mit verbundenen Augen – über etwa 500 Spirituosen aus aller Welt geurteilt und dem Produkt aus Engelskirchen prompt 92 Punkte gegeben. 95 Zähler hätten Doppelgold und übrigens die höchste Auszeichnung bedeutet. „Kaum zu glauben, schließlich sind wir noch kein ganzes Jahr auf dem Markt“, freut sich Altenrath, die in Much geboren wurde und in Marialinden lebt.

Tonic und Co.

Auch pur – und auf Eis – lässt sich der „Second Life Finest Dry Gin“ prima trinken. Für einen „Gin Tonic“ empfehlen Christiane Altenrath und Markus Ueberberg Goldberg Tonic, Thomas Henry oder Fever Tree Indian Tonic. Während Ueberberg gern auf weitere Zugaben verzichtet, trinkt Altenrath den eigenen Gin am liebsten mit Himbeeren oder Zitronenzeste: „Aber auch Granatapfelkerne oder eine Orangescheibe gehen bestens.“ Für die nahe Zukunft plant das Duo auch Gin-Tastings, also Verkostungen im Kunden-Wohnzimmer. (höh)

Es muss wohl im Mai gewesen seien, dass auf der Terrasse von Ueberbergs Heim – wieder mal – die Grillflammen züngelten, ein Sommertag die Ehepaare ebenso verwöhnte wie ein guter Schluck. „Damals hatten wir jedenfalls die Idee und tüftelten sofort am Geschmack“, erinnert sich Gastgeber Ueberberg. Und in Brennmeister Tino Müllenbach von der Brennerei Hofferhof bei Rösrath fanden die Gin-Liebhaber den richtigen Zuhörer für ihre Schnapsidee: Seither wird das Wacholdergetränk dort hergestellt – mit so vielen regionalen Zutaten, den Botanicals, wie nur eben möglich. Die sollen aber geheim bleiben, nur Rosenblüten, Koriander, Lavendel, Flieder, Holunder und Orange geben die Schöpfer preis.

Was nach einem breiten Bouquet klingt, kommt aber angenehm erfrischend daher. „Wir wollten ja auch kein abgefahrenes Nischenprodukt herstellen, sondern einen Gin für Genießer, der sich pur trinken lässt“, schildert Altenrath. Abgefüllt wird dieser in massiven Apothekerflaschen, die, so wollen es die Partner, wiederverwendet werden können, als Vasen etwa. Auch da ein zweites Leben also.

Heute haben Christiane Altenrath und Markus Ueberberg wieder gut lachen – auch, weil ihr „Second Life Finest Dry Gin“ gerade den „World Spirits Award“ in Gold bekommen hat.

Der Alkoholgehalt liegt bei 42 Volumenproduzent. „Da entscheiden schon kleinste Nuancen am Ende über den Geschmack“, erklärt Markus Ueberberg. Seit Dezember haben er und Christiane Altenrath nach eigener Auskunft bisher etwa 4000 Flaschen ihres „Second Life“-Gins verkauft. Zudem werde dieser von fast 30 Gastwirten in den Kreisen Oberberg, Rhein-Berg und Rhein-Sieg ausgeschenkt. „Unser Ziel sind etwa 8000 Flaschen pro Jahr“, sagt Ueberberg über die Pläne des Looper Start-ups. 29,90 Euro für einen halben Liter, das ist der empfohlene Preis für die klare Spirituose aus Oberberg.

Der soll zu Weihnachten eine zweite folgen, ein Distiller’s Cut. Das ist eine limitierte Edition – geplant sind nur 400 Flaschen –, die für mindestens sechs Monate in einem Eichenholzfass reift. Angesetzt ist dieser Gin bereits. „In unseren Fässern wurde vorher Riesling gelagert“, erzählt Christiane Altenrath. „Ob der Gin etwas wird, das wissen wir allerdings noch nicht.“ Aber Ideen seien nun mal dazu da, umgesetzt zu werden. „Und immer lieber heute als morgen.“

www.secondlifegin.com