Oberberg – Den Holzkasten habe er schon billig beim Discounter gekauft. Wo er denn jetzt ein paar Bienen her bekäme, wurde ein Mitglied des Wiehler Imkervereins kürzlich gefragt. Der Interessent wollte damit etwas „gegen das Bienensterben tun“.
Gut gemeint, aber ein Reinfall in jeder Hinsicht und unter Umständen sogar für die Bienen gefährlich – so beurteilen oberbergische Imker das Angebot zweier Discounter, die vor Kurzem Imkerzubehör zu Tiefstpreisen anboten. „Das ist nicht ungesetzlich, aber die „Beuten“, wie wir Imker die Bienenkästen nennen, sind nicht nur billigster Machart, sondern das Rähmchenmaß gibt es hier bisher nicht“, erläutert Dietmar Ruland vom Wiehler Imkerverein.
Waldbienen könnten Schaden nehmen
„Bei dem Schrott rächt sich dann die Geiz-ist-geil-Mentalität“, stimmt Johannes Schuster, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Engelskirchen und Umgebung, zu. Wer im nächsten Jahr neue Rähmchen für den Kasten brauche, habe selbst als erfahrener Imker ein Problem. „Da wird die Gutmütigkeit der Menschen ausgenutzt und der Discounter macht das Geschäft“, schimpft auch Meinhard Spaunhorst, der seit 25 Jahren Vorsitzender des Imkervereins Waldbröl ist.
Schlimmer noch: Unerfahrene Käufer des Billigzubehörs könnten dazu beitragen, hunderte von Bienenvölkern anderer Imker im weitem Umkreis zu vernichten und auch Wildbienen Schaden zufügen. „Wer keine Ahnung hat, muss damit rechnen, dass sein Volk eingeht“, warnt Spaunhorst. „Bei einem Hund würde man das nicht riskieren.“ Denn verantwortungsvolle Bienenhaltung will gelernt sein, und die Gesetze und Bestimmungen der Tierhaltung, des Tierseuchengesetzes und die Bestimmungen zur Herstellung von Lebensmitteln müssen eingehalten werden. Da muss man etwa wissen, wie Parasiten und Milben bekämpft werden.
Richtige Ausstattung kostet zwischen 600 und 800 Euro
Zu leicht können sich sonst die Krankheiten verbreiten. „Wie wir es gerade beim Coronavirus erleben“, vergleicht Spaunhorst. Er weiß von Fällen, wo Imker versucht haben, ihre schwächelnden Völker mit Billighonig zweifelhafter ausländischer Herkunft aufzupäppeln – die fatalerweise Sporen der gefürchteten Faulbrut enthielten. Und Johannes Schuster hat erlebt, wie die Tochter eines Jungimkers, dem ein Volk gestorben war, Ersatz im Internet bestellte, um den Vater zu trösten. Vom Veterinäramt musste dieser dann erfahren, dass der Bestand des Produzenten verseucht war.
Diesen Frust und die Verluste könnten Menschen, die sich für die Bienenhaltung interessieren, leicht vermeiden, so das Fazit der Imker, deren Vereine im Kreisverband organisiert sind. Alle bieten ausführliche Beratung von Interessenten an, in Waldbröl beginnt gerade eine Einführung für Anfänger, die Wiehler, wo 80 Imker aktiv sind, haben eine Warteliste, in Engelskirchen hat sich die Mitgliederzahl des Vereins in den letzten vier Jahren auf über 60 verdoppelt. Die Vereine freuen sich über den Zuwachs, erfahrene Imker stehen den neuen zur Seite. „Das kann kein Internet ersetzen“, ist Spaunhorst überzeugt. Wer vernünftig mit zwei Bienenvölkern starten wolle, müsse, statt zur billigen Holzkiste zu greifen, rund 600 bis 800 Euro für die Grundausstattung ausgeben, rechnet Ruland vor, und nur gesundheitsgeprüfte Völker vom Imker kaufen.
