Gummersbach/Wiehl – Der „Dienstwagen für alle“ geht in die nächste Runde: In einem Pilotprojekt bieten die Aggerenergie und die Stadt Wiehl nun E-Car-Sharing an. Den neuen Renault Zoe mit Elektroantrieb, den Aggerenergie-Geschäftsführer Frank Röttger jetzt an Wiehls Bürgermeister Ulrich Stücker übergeben hat, nutzt nicht nur die Verwaltung für Dienstfahrten. Auch Bürger sollen ihn abends und an Wochenenden anmieten können, wenn sie sich vorher registriert haben.
Alles begann vor genau einem Jahr mit einem Elektro-Smart und einer Testphase. Die Aggerenergie stellte der Stadt das Fahrzeug kostenlos zur Verfügung: Während der Arbeitszeiten sollten sich die Mitarbeiter der Verwaltung das Fahrzeug teilen, nach Dienstschluss und am Wochenende stand es den Bürgern zur Verfügung.
Die Resonanz überzeugte die Partner. „Vor allem anfangs waren viele Bürger neugierig und haben sich den Wagen einfach mal abends für ein oder zwei Stunden geholt“, erinnert sich Torsten Richling von der Stadt. Auch die Mitarbeiter, so Richling, seien begeistert: „Viele haben einfach Spaß am E-Antrieb, mit dem sie vor allem beim Anfahren richtig schnell vom Fleck kommen.“ Dafür seien die Verwaltungsmitarbeiter auch gerne bereit, den Fußweg vom Rathaus bis zum Busbahnhof auf sich zu nehmen, erzählt Richling schmunzelnd: „Das Auto war immer irgendwohin unterwegs.“
Das soll mit dem neuen Renault Zoe nicht anders sein. Auch er wird zu den Dienstzeiten von der Verwaltung benutzt, an der Ladestation am Busbahnhof postiert und muss dorthin auch immer wieder zurückgebracht werden. Anmelden für die Touren sollen sich Bürger online oder an der Kunden-Info im Wiehler Rathaus.
Der einzige Unterschied: In Zukunft kostet die Fahrt mit dem Elektroauto die Bürger Geld – genauer gesagt 5,87 Euro pro Stunde und 37,62 Euro pro Tag (netto, zuzüglich Mehrwertsteuer). So will die Stadt einen Teil der Mietkosten von 625 Euro wieder hereinholen, die sie selbst monatlich an die Aggerenergie zahlt. „Dafür kümmern wir uns auch um die Wartung und alles, was sonst rund um das Fahrzeug anfällt“, erklärt Röttger. Der Aggerenergie-Chef betont den Pilotcharakter: Inzwischen hätten schon viele andere Gesellschafter-Kommunen Interesse an der E-Car-Sharing-Idee.
Auf den Ausbau der E-Mobilität, so Röttger, setze die Aggerenergie aber auch bei ihren Stromangeboten: Die immer noch verhältnismäßig teure Stromtankstelle, mit der das eigene Auto zu Hause wesentlich schneller aufgeladen werden kann als mit Strom aus der Steckdose, soll bald in neuen Verträgen für Privatkunden vom Unternehmen gestellt werden.
Auch Bürgermeister Stücker sieht nicht nur den einen neuen Dienstwagen: „Mobilität ist der entscheidende Faktor schlechthin für die Zukunft des ländlichen Raums.“
