Leo Leowald ist Comic-Zeichner, Illustrator und Künstler. Der heute 59-Jährige lebt und arbeitet in Köln, doch seine Wurzeln liegen in Gummersbach.
Comics als BerufDer Junge aus Niederseßmar, der immer schon anders war

Der Comic-Zeichner, Illustrator und Künstler Leo Leowald stammt aus Niederseßmar, einem Stadtviertel von Gummersbach. Heute lebt und arbeitet er in Köln. Sein Atelier thront über dem Karolingerring in der Südstadt.
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Dem Cartoonisten reicht meist ein Bild, um auf den Punkt zu kommen. Der Comic-Zeichner aber lässt sich gern ein paar Bilder mehr Zeit, um zur Pointe zu finden. Leo Leowald ist kein Mann für ein Bild. Er macht Comics. Und die brauchen eben Platz, nicht nur für Leowalds Zeichnungen, sondern auch für die Worte. Davon finden sich auf Leowalds Arbeiten bisweilen sehr viele, seine Bilderfolgen werden gerne begleitet von viel Text und der Witz drängt sich nicht immer auf. Auch der braucht Zeit.
Geboren worden ist der heute 59 Jahre alte Zeichner, Illustrator und Künstler im Gummersbacher Stadtteil Niederseßmar. Seit Jahrzehnten aber lebt und arbeitet er in der Kölner Südstadt, sein kleines Atelier mit dem großen Ausblick ist im fünften Stock des Schwarzhaupt-Hauses am Karolingerring. An heißen Tagen kann man es dort nicht aushalten. „Spätestens gegen 14 Uhr nehme ich immer Reißaus“, verrät Leowald, der da vor gut zehn Jahren eingezogen ist. Verheiratet ist er mit der bildenenden Künstlerin Katharina Jahnke (58).

Dieser Comic mit Bezug zum Bergischen Land ist einer der etwas älteren von Leo Leowald. Und trotz ist dieses Vier-Bilder-Werk des gebürtigen Gummersbachers so aktuell wie nie zuvor.
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Zu finden sind Leowalds Comics regelmäßig in der Kölner „Stadtrevue“, in der Berliner „Jungle World“, einer überregionalen, linken Wochenzeitung, sowie in „Polle“, einem Magazin für Kinder ab sieben aus dem Kölner Péridot-Verlag. Seit der ersten Ausgabe 2018 entwirft er Geschichten von Sturmi, einem Jungen. Der verteidigt etwa am Strand seine eigentlich uneinnehmbaren Sandburgen bis zur letzten Schippe gegen die heranbrausende Flut, während der Papa danebensteht und lieber lustige Fotos fürs Urlaubsalbum schießt als zu kämpfen. Es sind Kindheitserinnerungen.
Wie einer Sinflut ist die Künstliche Intelligenz über die Comic-Branche hereingebrochen
Ähnlich wirkt heute der Alltag von Leo Leowald: Wie eine Sintflut ist die Künstliche Intelligenz über die Comic-Branche hereingebrochen, die Aufträge brechen weg. „Es ist verheerend“, bekennt Leowald. „Auch, weil Urheberrechte mit Füßen getreten werden.“ Er habe sich daher Optimismus verordnet, „auch wenn eigentlich alle finanziellen Standbeine gerade weggekickt werden – mal sehen, wo künftig das Geld herkommt, wofür die Leute Euros ausgeben“. Gejammer aber führe zu nichts. „Und kulturpessimistische Gespräche gehen mir ohnehin auf den Zeiger.“ Vielmehr gelte es nach dem zu schauen, was KI nicht kann – „zum Beispiel, Menschen zusammenzubringen“.

Der Comic-Zeichner Leo Leowald setzt heute wieder mehr auf Handarbeit, zum Beispiel beim Kolorieren der einzelnen Szenen.
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Leowalds erste Zeichnungen entstehen in seiner Zeit am damaligen Jungen-Gymnasium an der Gummersbacher Moltkestraße, auch mal, aber selten, auf Tischen und Bänken. „Öfter dagegen in den Schulbüchern – ein Drama, denn die waren ja nur geliehen.“ Ganze Nachmittage habe er dann mit dem Ausradieren verbracht. „Davor habe mit Wachsmalstiften in den Musterbüchern meines Vaters herumgekritzelt und zum Beispiel Muster farbig ausgemalt.“
Vater Ewald ist Maler- und Lackierermeister. Und in den Sommerferien auch Vorarbeiter von Leo, denn der Jugendliche jobbt bei ihm. Disneys „Lustiges Taschenbuch“ und die Mumin-Reihe der Finnin Tove Marika Jansson sind erste Stufen der Sozialisierung, später die „Neue Revue“ im „Lesezirkel“ der Eltern, weil darin Cartoons von Papan zu finden sind. Die Familie lebt in der Nähe des alten Schulhauses. „Niederseßmar war ein echtes Dorf mit Kiosk, Post und Tante-Emma-Laden“, erinnert sich Leo Leowald. Mit Bedauern habe er neulich vom Abschied des Bäckermeisters Hartmut Lange erfahren: „Die Bäckerei war immer ein Treffpunkt.“

Konterfeis seiner selbst: So sieht sich Leo Leowald als Comic-Figur, einmal als Erwachsener im Kölner Atelier und einmal als Junge, der vielleicht gerade durch Gummersbach-Niederseßmar streift.
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Ab der siebten Klasse, so schätzt Leowald, gibt es die ersten kleinen Comic-Reihen, am Ende sind es 1000 bis 1200. „Denn den Stift hatte ich täglich in der Hand und allen war klar, ich werde Zeichner. Nur mir nicht.“ Bis zum Umzug von Mutter Christa in ein betreutes Wohnheim stapeln sich Leowalds frühe Werke auf dem Dachboden, sie landen in der Tonne. „Rettenswert war nichts – und ein Leowald-Museum wird es wohl nie geben“, urteilt der Schöpfer.
Mit Freunden gründet er in der Oberstufe eine Schülerzeitung und auch einen Fußballklub, den sie „Lok Laibach“ nennen – als Hommage an die slowenischen, nicht unproblematischen Düsterrocker von Laibach. „Wir wollten nicht von jedem verstanden werden, wir wollten uns abgrenzen und distanzieren vom konservativen Oberberg, aber die Alt-Linken-Hippies waren eine andere Generation.“
Leo Leowald ist einer Gummersbacher, so der gar nicht auf Handball steht – er spielt Fußball
Überhaupt ist Leo Leowald anders: Er spielt eben Fußball, mag den Handball nicht. „Eine herbe Enttäuschung für meinen Vater Ewald und Onkel Hannes, die große Nummern waren beim TV Niederseßmar.“ Irgendwann begreift auch der jugendliche Leo, dass er mit „diesem Zeichen-Quatsch“ viel mehr anfangen kann.
1991 beginnt eine neue Zeitrechnung: „Ich ging an die Hochschule für Gestaltung in Offenbach – es war toll, unter Gleichgesinnten zu sein.“ Eingeschrieben hat sich Leowald für Visuelle Kommunikation und Illustration. Noch während des Examens zieht er nach Köln und gibt sich zwei Jahre Zeit, um das Comic-Geschäft ans Laufen zu bringen.
Während er auf Antworten auf Bewerbungen wartet, streicht er Büros und frischt Häuser auf – wie einst in den Ferien. „Mein erster Kunde war eine Partnerschaftsvermittlung: Für eine Zeitungsannonce brauchte die ein Bild der Seufzerbrücke. Ich bekam 50 D-Mark.“ Zudem setzt Leowald eigene Comic-Reihen auf, verschickt die Hefte oder trägt diese in Läden. Und als „Spex“, ein Magazin für Musik und Popkultur, einen Grafiker sucht, darf er sich da austoben. „Langsam aber sicher kam das Internet, ich lernte Flash-Programmierung und baute mir eine Seite – und dann ging alles durch die Decke.“

Nicht immer brauchen die Comic-Streifen von Leo Leowald viel Text. Manchmal kommt er auch mit wenigen Worten aus, so wie bei dieser Bilderfolge aus der reichhaltigen Zwarwald-Sammlung.
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Das Technische in seinem Schaffen hat Leo Leowald inzwischen stark reduziert: Jeder Comic beginnt als Zeichnung mit dem Bleistift oder dem Fineliner, dann geht es an den Leuchttisch und an den Scanner: Bilder werden sortiert, korrigiert, verfeinert. Und koloriert, und das nun aber wieder von Hand mit Pinsel und Aquarellfarben. Die Inspirationen für die Comics findet er in der Nachbarschaft, auf Streifzügen durchs Veedel. Das Skizzenbuch hat er unterwegs prompt zur Hand.
Seit 2022 und noch bis ins kommende Jahr lehrt Leowald an der Ecosign-Akademie in Köln. „Zwarwald“ ist seit 2004 der Titel seines fast wöchentlichen Comic-Blogs und heute ebenso der Name seines Profils bei Instagram. Und „Am Laberfeuer“ ist eine Comic-Talkreihe im Cöln-Comic-Haus, die er moderiert – zum nächsten Mal übrigens am Donnerstag, 3. September 2026, ab 18.30 Uhr (Bonner Straße 9, Eintritt frei).
Auch hält er am Comedia-Theater ehrenamtlich Kurse für Kinder und Jugendliche, engagiert sich für den Gotland-Verein im Kölner Volksgarten und für die Montag-Stiftungen. So auch gerade: Seit Donnerstag und noch bis Sonntag ist Leowald in Ludwigshafen unterwegs und er wirkt in einem Übersee-Container an der Themenreihe „Lost and Found“ mit. Diese beschäftigt sich mit dem Phänomen „Verlust“. „Geborgen – Ein Erinnerungstagebuch“ heißt das eigene Projekt, dahinter verbirgt sich – natürlich – Gezeichnetes.
