Was eine Zeichenübung sein sollte, wurde bald schon so viel mehr.-
Die Sprache der BilderDie Gummersbacherin Deborah Spence illustriert deutsche und britische Geschichten

Das Buch „Milli und die Zuckerdrachen“ soll Kindern dabei helfen, mit der Krankheit Diabetes umzugehen.
Copyright: Katja Pohl
Eigentlich war es nur eine Zeichenübung. Ohne Auftrag illustrierte Deborah Spence das Lied „Der Clown“ des Berliner Musikkabarettisten Bodo Wartke. Wartkes Lieder und Texte begleiten die 33-Jährige schon seit Jahren, sie findet es faszinierend, wie der Autor mit Sprache spielt. Der Text „Der Clown“ habe es ihr mit seinem traurig-melancholischen Ton, der aber voller Humor steckt, besonders angetan, berichtet Spence. Ihre Illustrationen schickte sie schließlich einfach testweise an Wartke – und hörte erst einmal lange nichts. Doch dann flatterte ihr eine begeisterte Reaktion des Künstlers ins Haus.
Die Gummersbacherin traf Wartke in Marburg und Hamburg persönlich. Und wurde sich mit ihm einig: „In diesem Jahr wird das Buch ,Der Clown' herauskommen, in dem meine Zeichnungen zu sehen sind.“ Es ist nicht das einzige Projekt, mit dem sich die studierte Kunsthistorikerin derzeit beschäftigt. Ihre Tante, Barbara Henderson, lebt in Schottland und veröffentlicht dort Jugendbücher, die sich mit historischen oder ökologischen Themen beschäftigen. Zwei dieser Bücher hat Deborah Spence für den Verlag Luath Press illustriert. Die Bücher „The Boy, the Witch and the Queen of Scots“ sowie das gerade erschienene „To War with Wallace“ sind sozusagen Familienprojekte geworden. „Ich habe einiges an Recherche in die Illustrationen gesteckt, was sehr spannend war.“ Luath Press plant außerdem zu ihrer großen Freude, im nächsten Jahr ein Buch auf Gälisch zu veröffentlichen, für das sie ebenfalls die Bilder beisteuern wird.
Für ein neues Projekt werden noch Sponsoren gesucht
Ein anderes Projekt spielt vor der Haustür, berichtet die gebürtige Bergneustädterin, und geht auf das Jahr 2001 zurück. Als Zehnjährige lief sie damals im Festzug zum Jubiläum „700 Jahre Stadt Bergneustadt“ mit. „Damals wurde ein passender Comic veröffentlicht. Ich mochte die Idee und habe ich mich schließlich dazu inspirieren lassen, meine eigene Geschichte der Feste in Bildern zu erzählen.“ Für dieses Projekt und dessen Veröffentlichung ist sie noch auf der Suche nach Sponsoren. „Was Bergneustadt mit Bränden, Pest oder der Burganlage an Geschichten hat, ist schließlich absolut erzählenswert!“ Dass sie, trotz längerer Aufenthalte in Afrika und Großbritannien, durchaus heimatverbunden ist, spüren die Leserinnen und Leser auch, wenn sie sich das Buch „Milli und die Zuckerdrachen – Wie Kinder lernen, mit Diabetes umzugehen“ anschauen. Das Buch entstand während ihres Studiums in Marburg als Gemeinschaftsprojekt mit den Kommilitonen Nils Kiefer und Nina Hartmann. Es erschien 2021 im Schweizer Hogrefe Verlag.
In den Bildern entdecken aufmerksame Betrachter nicht nur putzige Insulinritter und Zuckerdrachen sondern auch die evangelische Kirche in der Altstadt der Feste und rundherum grüne Hügel, die an das Oberbergische erinnern. Gezeichnet hat die Illustratorin schon immer gerne, zudem liebt sie es, Geschichten zu erzählen. Deshalb arbeitet sie zuweilen auch als Autorin für unsere Zeitung. Während ihrer knapp anderthalbjährigen Zeit in Kenia, erinnert sich Spence, habe sie für sich herausgefunden, dass das Erzählen von Geschichten in Bildern ihre Berufung ist und sie davon leben möchte. Die eigene Homepage ist im Aufbau. Sie knüpft Kontakten, nicht nur in der Region. Die 33-Jährige freut sich darauf, möglichst bald die nächsten Geschichten in detailreich gestalteten Zeichnungen erzählen zu können.

