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Ein Muslim in AmerikaTheaterstück will Lüge des American Dream aufdecken

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Gummersbach – Die Lüge des American Dream zu entlarven. Zu zeigen, wie das Verleugnen der eigenen Identität in die Katastrophe führen kann. Das ist Thema des Stücks „Disgraced“ („Geächtet“), für das Ayad Akhtar 2013 den Pulitzerpreis für Drama erhielt. Regisseurin Karin Boyd hat es für das Hannoveraner Tourneetheater Thespiskarren inszeniert, jetzt war das Ensemble zu Gast in Gummersbach.

Nach einem etwas zähflüssig-überdehnten ersten Teil der Spielhandlung, in der die Akteure sich austauschen über politische und religiöse Themen – den Zuschauern wird hier ein hohes Maß an Konzentration abverlangt – geht es im zweiten Teil zur Sache. Bei einem Dinner zu viert im schicken Loft Amirs auf der neureichen Upper East Side New Yorks entwickelt sich zwischen Amir, Emily, Isaac und Jory ein Schlagabtausch, in dem alle gängigen Vorurteile gegenüber Muslimen auf den Tisch kommen. Dass Amir am Ende seine Frau schlägt, macht den Zwiespalt deutlich, der ihm eine Aufarbeitung seiner Vergangenheit verwehrt hat.

Amir Kapoor (Patrick Khatami), glücklich verheiratet mit Emily (Natalie O’Hara), einer aufstrebenden jungen amerikanischen Künstlerin, hat die Chance, Partner in einer angesehenen jüdischen Kanzlei zu werden. Als US-Bürger mit pakistanischen Wurzeln ist ihm die Assimilation an die amerikanische Gesellschaft von besonderer Wichtigkeit, zumal er sich am Anfang einer bedeutenden Anwaltskarriere sieht. Seine Identität als Muslim verleugnet er daher im Bestreben, als besonders guter Amerikaner zu gelten. Genau wie er hat auch sein Neffe Abe (Mark Harvey Mühlemann) alles daran gesetzt, diesem Bild zu entsprechen, aber sein Fazit lautet: „Du glaubst, dann mögen dich diese Leute mehr? Tun sie nicht. Sie denken bloß, dass du dich selbst hasst. Und sie haben Recht!“

Der Autor Ayad Akhtar, wie seine Hauptfigur Amir Sohn pakistanischer Eltern, hat selbst die schmale Gratwanderung zwischen Tradition und Anpassung und damit den schwierigsten Weg der Identitätsveränderung vollzogen. Mit der Befindlichkeit US-amerikanischer Muslime beschäftigt sich Akhtar in mehreren aufeinanderfolgenden Theaterstücken. Auch seine Hauptfigur Amir scheint in der gutbürgerlichen amerikanischen Gesellschaft angekommen zu sein. Im Verlauf der Spielhandlung wird aber deutlich, was Isaac (Markus Angenvorth), der Kurator von Amirs Frau Emily, so ausdrückt: „Merkst du nicht, dass du dich selbst verabscheust?“ Und Jory (Jillian Anthony), Isaacs Frau und Anwaltskollegin Amirs, bemerkt spitz, Amirs Problem sei nicht der Islam, sondern die Verweigerung, seine Vergangenheit aufzuarbeiten.