CDU und SPD wollen in Gummersbach eine eigene Unterbringung für junge Menschen.
Fragen und Antworten Immer mehr Kinder in Gummersbach brauchen Hilfe

Wenn Kinder in ihren Familien Gewalt erfahren, werden sie vom Jugendamt in Obhut genommen, auch die Zahl dieser Fälle steigt.
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Die Zahl der jungen Menschen, die nicht bei ihren Familien wohnen können, sondern ambulant und stationär versorgt werden müssen, steigt in Gummersbach immer weiter an. Das haben die aktuellen Zahlen gezeigt, die die Verwaltung im Jugendhilfeausschuss vorgestellt hat. Das Thema ist nicht ganz neu, denn im Zusammenhang mit den Beratungen über den städtischen Haushalt waren die Ausgaben im Bereich der Jugendhilfe in den vergangenen Jahren immer weiter nach oben geschnellt.
Wie reagiert die Gummersbacher Politik?
CDU und SPD haben einen gemeinsamen Antrag auf den Weg gebracht. Die beiden Fraktionen würden gerne in Gummersbach das Heft des Handelns in die Hand nehmen und in der Kreisstadt eine Einrichtung zur Unterbringung von Kindern und Jugendlichen schaffen. Der Verwaltung soll dazu vom Rat ein ergebnisoffener Prüfauftrag erteilt werden.
Was sagen die beiden Fraktionen?
Nach der Vorstellung der aktuellen Zahlen in der Kreisstadt sei der Antrag selbsterklärend, fand dann Marion Fuhr (SPD) im Jugendhilfeausschuss. Rainer Sülzer (CDU) erklärte, dass man als Stadt die Möglichkeit habe, das System zu optimieren. Der Vorschlag dazu sei aufgekommen, als die CDU-Fraktion sich mit dem Haushalt beschäftigt und gleichzeitig die Entwicklung der Fallzahlen gesehen habe.
Was hält die Verwaltung von dem Antrag?
Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit sagte, dass die Verwaltung den Vorstoß begrüße. Eine Kooperation mit dem Kreis könne er sich nicht vorstellen, wohl aber mit anderen Kommunen im Kreis. Karl-Manfred Valentin (AfD) berichtete, dass er der Verwaltung den Vorschlag gemacht habe, die leerstehende Theodor-Heuss-Akademie für einen solchen Zweck zu kaufen, was aber mit Blick auf die Größe abgelehnt worden sei.
Worum geht es bei dem Antrag von CDU und SPD?
Die Verwaltung soll prüfen, unter welchen Bedingungen eine kommunalgetragene, stationäre Einrichtung zur Unterbringung und Betreuung von Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen im Stadtgebiet fachlich, rechtlich, organisatorisch und finanziell tragfähig errichtet und betrieben werden kann. Ergänzend soll geklärt werden, ob eine Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen Synergien schafft.
Wie genau sehen die aktuellen Zahlen in der Jugendhilfe aus?
Im Bereich der stationären Hilfen, also der Unterbringung in Wohngruppen oder Heimen, sind die monatlichen Fallzahlen von durchschnittlich 8,3 im Jahr 2024 auf 10,7 im Jahr 2026 angestiegen. Aktuell sind es 128 junge Menschen, die untergebracht werden. Analog entwickelt sich die Zahl der Pflegeverhältnisse in Familien. Diese stieg von durchschnittlich 7,3 Fällen pro Monat im Jahr 2023 auf nunmehr 10,3 in diesem Jahr.
Was kosten solche Unterbringungen die Stadt?
Weiter nach oben gehen auch die Fälle von teilstationärer Unterbringung in einer Tagesgruppe. So ein Fall kostet das Jugendamt 5900 Euro pro Monat. Noch drastischer ist die Entwicklung bei den sogenannten ambulanten Eingliederungshilfen, also der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit seelischen Behinderungen gemäß Paragraf 35a des Achten Sozialgesetzbuches (SGB VIII). Im Jahr 2023 waren es noch 21 Fälle im Monat, inzwischen sind es 65 geworden. Und die Verwaltung glaubt nicht, dass es dabei bleiben wird.
Wer braucht diese besondere Betreuung
Zu dieser Gruppe gehören Kinder und Jugendliche, die einen Schulbegleiter benötigen, weil sie beispielsweise an Legasthenie oder Dyskalkulie leiden. „Die Zahl schießt durch die Decke“, sagte die Verwaltung im Jugendhilfeausschuss. Auffällig sind aber auch die Fallzahlen bei der Inobhutnahme junger Menschen in Pflegestellen oder in Einrichtungen. Diese stieg geradezu sprunghaft von 2025 auf 2026 an: Im Fall der Pflegestellen von durchschnittlich neun auf 15,6 und beiden Einrichtungen von 5,3 auf 9,8. Solche Inobhutmaßnahmen als zeitlich befristete Schutzmaßnahme des Jugendamts, um Kinder und Jugendliche in akuten Krisen oder Notsituationen vorübergehend aus ihrem häuslichen Umfeld zu nehmen, fordern die Stadt nicht nur personell, sie kosten auch viel Geld. Der Tagessatz in einer Einrichtung liegt bei 450 bis 500 Euro, bei Pflegeeltern sind es im Schnitt 200 Euro. In manchen besonders schweren Fällen kann die Betreuung und Versorgung junger Menschen aber mit bis zu 4000 Euro pro Tag in Rechnung gestellt werden. Dass so ein schwerer Fall am Ende kaum noch zu handeln ist, zeigt ein detailliert vorgetragener Fall einer 14-Jährigen. Für sie erwägt das Jugendamt die Begleitung in einer professionellen Einrichtung in Albanien, nachdem in Deutschland alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden.
