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Einblick in den Berufsalltag„Girls’ Academy“ arbeitet drei Tage als Wasserbauer

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„Das war gar nicht so schwer, fast wie beim Computerspielen“, meinte Shanaya nach dem Baggerfahren.

  1. Die „Girl's Academy“ gibt Mädchen die Möglichkeit, in für sie untypische Berufsfelder hinein zu schnuppern.
  2. Bei einem „Azubi-Speed-Dating“ wurden Chiara und Shanaya auf den Aggerverband aufmerksam.
  3. Dabei lernten sie viel über den Beruf des Wasserbauers.

Gummersbach/Wipperfeld – Mit der Schaufel stand die 14-jährige Chiara aus Gummersbach gestern knöcheltief im Bach, der neben dem Sportplatz in Wipperfeld entlang fließt, und schüppte Schlamm beiseite. Unterstützung erhielt sie von Schulfreundin Shanaya (13), die auf dem Sitz eines kleinen Baggers Platz genommen hatte.

Die beiden Schülerinnen nehmen an der „Girls’ Academy“ teil, die dieses Jahr zum ersten Mal – unter anderem in Gummersbach – stattfindet. Mit dabei ist der Aggerverband, bei dem die Schülerinnen drei Tage lang einen Einblick in den Berufsalltag eines Wasserbauers erhalten können.

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Beim „Azubi-Speed-Dating“ wurden Chiara (l.) und Shanaya von der Realschule Steinberg in Gummersbach auf den Aggerverband aufmerksam.

„Das ist das Besondere, dass es in dem Projekt nicht nur um einen einzigen Tag geht, sondern die Mädchen einen viel umfassenderen Blick in die Ausbildungsberufe eines Unternehmens erhalten“, erklärte Lisa Brensing aus der Personalabteilung des Aggerverbandes in Gummersbach. Anfang des Jahres fand eigens ein sogenanntes „Azubi-Speed-Dating“ im Rathaus statt, bei dem sich die teilnehmenden heimischen Unternehmen vorstellen und die Neugier der Mädchen wecken konnten.

Dort wurden auch Chiara und Shanaya von der Realschule Steinberg in Gummersbach auf den Aggerverband aufmerksam und entschieden, sich den Betrieb genauer anzuschauen. „Ich finde es interessant, Berufe kennenzulernen, von denen man noch nie gehört hat und unter denen man sich nichts vorstellen kann“, meinte Chiara, die nach den Sommerferien in die neunte Klasse kommt und noch unsicher ist, was sie mal beruflich machen möchte.

Baggerfahren ist „fast wie beim Computerspielen“

Begleitet wurden sie und Freundin Shanaya gestern unter anderem von Wasserbaumeister Oliver König. „Wir sind jeden Tag an einem anderen Ort und machen mit den Mädchen eine Art Kennenlern-Tour, bei der wir ihnen die unterschiedlichen Bereiche unserer Arbeit vorstellen“, erzählte er. Dazu gehört beispielsweise die Unterhaltung von Gewässern, Erosionssicherung, Mäh- und Gehölzarbeiten sowie die Befreiung der Gewässer von Unrat. Am ersten Tag lernten die Mädchen auch Hochwasserrückhaltebecken kennen.

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Mit der Mistgabel befreiten die Schülerinnen Chiara (m.) und Shanaya (r.) mit Unterstützung von Garten- und Landschaftsbauer Frederik Brochhaus ein Gitter am Wipperfelder Bach von Wiese.

In Wipperfeld halfen die Schülerinnen gestern dabei, eine Kuhtränke wieder funktionstüchtig zu machen. Gemeinsam mit Oliver König und den beiden Landschaftsgärtnern Frederik Brochhaus und Rainer Knof installierten sie einen Pumpensumpf, in dem Wasser aus dem Bach gesammelt und zur Kuhtränke gepumpt wird. Nach gut zwei Stunden lief das Wasser in der Tränke wieder. Höhepunkt für die Mädchen: das Baggerfahren. „Das war gar nicht so schwer, fast wie beim Computerspielen“, meinte Shanaya. Dass die Arbeit so abwechslungsreich ist, finden die Mädchen bisher interessant.Ob sie sich tatsächlich vorstellen können, als Wasserbauerinnen jeden Tag draußen zu arbeiten, da sind sie sich noch nicht sicher. Das Fazit der Kollegen fiel jedenfalls positiv aus. „Die Mädchen machen das super“, sagte Brochhaus gestern nach getaner Arbeit.

Girl's Academy

Die Landesregierung möchte in dem Pilotprojekt Mädchen die Möglichkeit geben, in für sie untypische Berufsfelder hinein zu schnuppern. Gummersbach ist eine von fünf Pilotkommunen. Neun heimische Unternehmen nehmen teil. Wie die „Academy“ gestaltet wird, kann jede Kommune selbst entscheiden.

Neben Gummersbach beteiligen sich auch Düsseldorf, Gelsenkirchen, Hamm und Blomberg an dem Pilotprojekt des Landes NRW. In anderen Kommunen wird auch eine „Boys’ Academy“ angeboten, Gummersbach möchte sich aber zunächst auf die Mädchen fokussieren. (lth)